15. März 2018

Die beste Mama der Welt – Ist dies überhaupt möglich?

beste mama der welt - meinefamilie.at

„Schau mal, die geht mir ihren Kindern zu McDonalds, so ein Irrsinn“

„Die Kinder bekommen nur Rohkost, die Mutter muss wahnsinnig sein“

„Ihre Kinder dürfen alles, die kennen keine Grenzen, die werden sich mal schwer tun“

„Was? Sechs Kinder? Ist die verrückt?“

Das sind wirklich harte Bandagen im Rennen um den Titel „Beste Mama der Welt“. Da wird be- und verurteilt, kritisiert, abgewertet, angeprangert, geschimpft und gespottet was das Zeug hält. Schließlich ist die Qualifikation für dieses Rennen schon schwer genug. Nur wer doppelt so viel wie alles gibt und darüber hinaus noch mindestens 70 Stunden täglich für seine Kinder da ist, darf überhaupt teilnehmen. Davon werden noch alle aussortiert, die in den letzten 365 Tagen auch nur einen einzigen Fehler gemacht haben. Und was ein Fehler ist, das bestimmen 5 Millionen andere Mütter.

Wie viele Kinder hat man zu haben, wie muss man sich in der Schwangerschaft verhalten haben, wie muss die Geburt gewesen sein, wie lange muss man stillen, jeder andere emotionale Zustand als absolute Seelenruhe geht gar nicht und bitte ja nicht vergessen – lieben muss man sein Kind, immer nur ganz genauso wie es grad ist.

Alle Erwartungen erfüllen? Unmöglich!

Das Geschilderte ist vielleicht etwas übertrieben, aber jede Mutter, die ehrlich zu sich selbst ist, wird die eine oder andere Aussage, die in diese Richtung geht – oder zumindest den Gedanken daran – kennen. Und es ist auch ganz natürlich und normal, dass wir das tun, denn wir haben alle von klein auf gelernt, uns zu vergleichen und zu urteilen, und mussten – zumindest in einigen Bereichen – besser sein als andere, damit wir die Menge an Aufmerksamkeit, Zuwendung und Liebe von unseren Eltern bekamen, die wir als kleine Kinder brauchten. Das hat sich über die Zeit in uns verselbständigt und wenn es nun darum geht, eine gute Mutter zu sein (und wer will das nicht sein?), dann schlägt dieser unbewusste Mechanismus wieder zu.

Selbstkritik führt zu nichts

Alles, das wir von unseren Eltern oder Bezugspersonen damals nicht oder nicht zur Genüge bekommen haben, wollen wir nun manchmal noch weiterhin von unseren Eltern, öfter aber von unserem Partner oder unseren Freunden erhalten. Bestätigung, Anerkennung, Zuwendung, Bewunderung, Liebe. Und vor allem wollen wir all das von uns selbst bekommen. Wir sind erst mit uns selbst zufrieden, mögen uns oder sind stolz auf uns, wenn wir „gut genug“ oder gar „perfekt“ sind.

Wir sind unser eigener größter Kritiker und strengster Richter.

Das führt dazu, dass wir uns innerlich selbst an den Pranger stellen und damit natürlich nicht wohlfühlen. Dann hilft es uns enorm, dass andere schlechter sind. Fühlt sich einfach besser an, sich über andere aufzuregen als über sich selbst. Und voila, damit sind wir im Kreislauf der Verurteilung, Kritik und Empörung über andere gefangen.

Und der Weg raus?

Als erstes gilt es einmal den eigenen inneren Kritiker zu beobachten. Festzustellen, wie wir mir uns selbst umgehen. Welche (teils unrealistische!) Ansprüche wir an uns selbst stellen. Was wir innerlich zu uns sagen. In welchem Ton wir mit uns reden. Wie oft wir uns selbst verurteilen und schimpfen. Erst wenn uns bewusst ist, wie wir uns selbst behandeln, können wir entscheiden, es zu verändern. Anstatt uns selbst permanent gedankliche und emotionale Peitschenhiebe zu verabreichen, können wir damit anfangen, uns Fehler zu verzeihen, uns „gut sein zu lassen“, uns selbst zu loben und uns selbst die Anerkennung für all unser Tun zu geben, die wir gerne von anderen hätten. Dann – und nur dann – hört auch das Verurteilen der anderen automatisch auf und wir verlassen schön langsam die Folterkammer, die wir uns mit all den Ansprüchen an uns selbst samt Selbst-Abwertungen, wenn wir sie nicht erfüllen, gebaut haben.

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at