17. Juli 2016

Eine Gute-Nacht-Geschichte: Königs neue Kinder

Des Königs neue Kinder - meinefamilie.at

Ein König möchte seinen Reichtum mit seinen Untertanen teilen. Doch die Dorfbewohner jagen seinen Sohn davon, ohne die Einladung zu hören. Nur ein Hirte hat Vertrauen…

Es war einmal ein König. Gemeinsam mit seinem Sohn lebt er in einem Palast, der so groß ist wie eine ganze Stadt. Der König ist unvorstellbar reich. Überall liegen die kostbarsten Schätze herum. Gold und Silber, Diamanten und Smaragde, Rubine und Perlen und vieles andere. Sie liegen auf Tischen und Sesseln und unter dem Tisch, in allen Ecken und Winkeln, sogar das Bett und die Badewanne sind angefüllt mit Schätzen.

Nein, unordentlich und schlampig ist der König nicht, er ist einfach zu reich. Alle Kästen und Truhen sind vollgestopft mit Kostbarkeiten und so muss der König seine Schätze überall hinlegen, wo noch ein bisschen Platz frei ist. Wenn der König durch den Palast spaziert, muss er ganz vorsichtig sein und gut aufpassen, damit er ja nicht über seine Schätze stolpert.

Im Dorf wird viel gearbeitet

Jeden Tag geht der König auch auf den hohen Turm  hinauf, von dem aus er weit ins ganze Land schauen kann. Da sieht er jeden Tag das kleine Dorf ganz nahe bei seinem Palast. Arme und einfache Menschen wohnen dort, die hart arbeiten müssen, damit sie zu essen haben. Sie haben lange Haare, weil sie sich keinen Friseur zahlen können. Viele haben nicht einmal Schuhe und ihr Gewand ist oft geflickt Gebadet oder gewaschen haben sie sich auch schon lange nicht. Dafür ist keine Zeit, weil sie den ganzen Tag arbeiten müssen. Viele sind traurig. Wenn der König von seinem hohen Turm auf das Dorf hinunterschaut, wird er  auch fast ein wenig traurig. Gerne würde er mit den armen Leuten unten im Dorf teilen. Er möchte gerne, dass der Palast voller Menschen ist. Er will mit ihnen singen und tanzen, feiern und fröhlich sein. Es tut dem König leid, dass so viele im Dorf arm und traurig sind.

Nur der Schweinepeter hat Vertrauen

Eines Tages beschließt der König seinen eigenen Sohn ins Dorf zu schicken. Er soll die Leute in den Palast einladen. Bestimmt kommen dann alle Leute in den Palast. Sicher werden sich die Menschen freuen. Bald wird der ganze Palast voll sein, denkt der König.

Aber: als der Königssohn in das Dorf kommt, freut sich keiner. Die Menschen sind wütend und zornig, weil er so reich und sie so arm sind. Viele nehmen sogar Steine in die Hand und werfen nach dem Königssohn. Alle miteinander treiben ihn aus dem Dorf hinaus. Er kann nicht einmal sagen, warum er ins Dorf gekommen ist. Die frohe Botschaft von der Einladung, keiner will sie hören. Traurig sitzt der Königssohn am Waldrand neben dem Dorf und schaut den Menschen zu, die verbittert weiterarbeiten.

So findet ihn der Schweinepeter. Der Schweinepeter ist noch ärmer als die Menschen im Dorf. Er hat nur ein altes zerrissenes Hemd und einen alten Stock. So hütet er die Schweine des Dorfes. Weil die Schweine gar so sehr stinken, darf er nicht einmal ins Dorf hinein.

„Was ist denn mit dir geschehen“, fragt der Schweinepeter. Traurig erzählt der Königssohn, wie es ihm im Dorf gegangen ist. „Jetzt wird du mich auch fortjagen“, sagt der Königssohn.

Doch der Schweinepeter schaut ihm ganz fest in die gütigen Augen und merkt: der Königssohn mag mich wirklich, mich, den stinkenden Schweinepeter. So geht er mit in den Palast.

Ein neuer Prinz

Der König kommt ihnen schon entgegengelaufen. Er freut sich. „Der erste Gast kommt“, jubelt er. Der König umarmt den Schweinepeter und merkt gar nicht, wie sehr der stinkt und dass sogar sein Königsmantel schmutzig wird. Das ist dem König egal.  Er bringt den Schweinepeter in das Badezimmer, wo er selbst den Buben badet und ordentlich frisiert. Dann bekommt der Schweinepeter ein neues Gewand, ein Königsgewand. So gehen sie in den Thronsaal, wo der König dem Schweinepeter eine Krone aufsetzt.

„Du bist jetzt ein Prinz“, sagt der König und lacht. Auch der Schweinepeter muss lachen und freut sich.

Dann muss er an das Dorf denken. An die armen, verbitterten Menschen, die den Königssohn weggejagt haben und nicht wissen, wie schön es im Palast beim König ist.

Jetzt wird der Schweinepeter traurig. „Darf ich ins Dorf gehen“, fragt er den König. „Ich möchte den Menschen erzählen, wie schön es bei dir ist, vielleicht kommen sie auch.“

Der König erlaubt es und bald saust der Schweinepeter ins Dorf hinunter. Beinahe wäre es dem Schweinepeter wie dem Königssohn ergangen. Die Menschen haben ihn überhaupt nicht erkannt. Er ist ja sofort losgelaufen im Königsmantel, mit der Krone auf dem Kopf.

Wieder haben die Menschen Steine aufgehoben und wollten schon nach ihm werfen. Da hat ihn ein Kind erkannt. „Der Schweinepeter, der Schweinepeter, es ist der Schweinepeter“, ruft es. Jetzt schauen alle ganz genau hin. Wirklich, der Schweinepeter, mit einer Krone auf dem Kopf. Die Leute im Dorf sind ganz verwundert und lassen den Schweinepeter erzählen.

Alle werden des Königs neue Kinder

Weil er so toll erzählt, gehen alle mit. Das wollen sie auch sehen und erleben. Wirklich, auch ihnen läuft der König freudestrahlend entgegen. Jeden umarmt er und bringt ihn ins Badezimmer. Jeder wird gebadet und ordentlich frisiert. Dann bekommen alle ein neues Gewand und eine Krone. Jetzt sind sie alle Prinzessinnen und Prinzen.

Der Palast ist nicht mehr leer, sondern voller Menschen. Der König sitzt auf seinem Thron, der Königssohn sitzt auf seiner rechten Seite. Und um sie herum lauter fröhliche und lustige Menschen, die sich freuen und singen und jubeln. Jetzt geht es allen gut. Sie sind des Königs neue Kinder geworden, der seinen Schatz mit ihnen geteilt hat.

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EIN ARTIKEL VON
  • Michael Scharf

    Als Priester durfte ich den Großteil meines Lebens Familien, Kinder und Jugendliche begleiten. Ich habe viel von Kindern und Jugendlichen gelernt: im Kindergarten, in der Schule, in Gruppenstunden, auf Wallfahrten und Lagern. Derzeit darf ich Jugendseelsorger der Erzdiözese Wien sein.


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