14. April 2015

Der Weg zum Glück: Kindheit ohne Leistungsdruck


Kinder sind von Natur aus an der Glücksquelle. Doch sie verlernen das Glücklichsein, wenn sie ständig unter Leistungsdruck stehen, sagt Sabine Kriechbaum im Interview.

Glückliche Kinder ohne Leistungsdruck

Kindern muss man das Glücklichsein nicht beibringen. Sie sitzen von Natur aus an der Glücksquelle, denn sie haben eine kindliche Urfreude und Begeisterungsfähigkeit.

Wenn Sabine Kriechbaum über das Glücklichsein spricht – oder besser, über den Weg dorthin – dann spricht sie von Kindern, die das eigentlich nicht lernen müssen: „Wenn ich kleine Kinder anschaue, sehe ich, wie sie strahlen. Ich sehe ein fremdes Kind in der U-Bahn und erkenne sofort, wie es strahlt.“ Und sie spricht über den Leistungsdruck, der Kinder das Glück wieder verlernen lässt.

Kinder sind an der Glücksquelle

So seien wir alle ursprünglich verbunden mit dem Glück, nur gehe es den meisten im Laufe der Kindheit verloren. Kriechbaum meint: „Kinder freuen sich an allem, was ist – das dürfen wir ihnen nicht abgewöhnen.“ Zu schnell würden Kindern die Wertigkeiten so gesetzt, dass Dinge wichtig sind, die sie nicht froh machen. Erstes Beispiel ist da natürlich die Schule. „Das, was froh macht, hat selten mit einem guten Schulabschluss zu tun: zum Beispiel, dass mich jemand mag oder dass die Sonne scheint.“ Natürlich könne es auch glücklich machen, gute Noten zu haben – aber die primäre Glücksquelle sei eine andere.

Sabine Kriechbaum ist gelernte Architektin, ihr Lebensweg führte sie jedoch zum Film – zuletzt zum Buch- und Filmprojekt „Alphabet“. Gemeinsam mit Erwin Wagenhofer (We Feed The World, Let’s Make Money) erarbeitete sie damit eine kritische Antwort zur Bildungsdiskussion und engagiert sich für freies Lernen.

Ohne Leistungsdruck: Du bist gut, wie du bist

„Man muss die Kinder mehr sein lassen und darf nicht so viel von ihnen wollen. Sie haben so enge Programme, sie haben so vieles, was sie müssen und sollen – es bleibt zu wenig Platz für das, was ihr eigenes ist“, beschreibt Sabine Kriechbaum ihre Hauptkritik an unserer Gesellschaft. Pläne und Programm, was Kinder wann können sollen, stresst Eltern und Kinder, denn das Kind darf nicht zu sehr von den Normen abweichen. Im Zuge von ‚Alphabet‘ hat sie mit vielen Eltern gesprochen: „Beinahe alle haben in irgendeiner Form Schulstress mit den Kindern. Das verleidet die Beziehungen enorm, aber ist es nicht wert. Würde man das Leben rückwärts aufrollen und 30 Jahre zurückschauen, denkt man sich: War es das wirklich wert, sich über eine Schularbeit aufzuregen?“

Was können Eltern also tun? Ihren Kindern weniger Druck machen, weniger Leistungsdruck – denn das machen viele. Kriechbaum meint: „Kinder bekommen das Gefühl, sie werden nur dann geliebt und wertgeschätzt, wenn sie zum Beispiel gute Noten haben. Es geht heute wenig darum, dem Kind zu vermitteln, es ist gut, wie es ist. Doch die Eltern dürfen darauf vertrauen, dass sich das Kind sowieso gut entwickelt.“ Ohne Wettbewerbsgedanken, ohne Leistungsdruck und ohne Stress brauchen Kinder einfach das liebevolle Vertrauen: Du bist richtig, so wie du bist.

Kindheit ohne Leistungsdruck ist Weg zum Glück

Die Kindheit ist die Basis, um glücklich sein zu können, und dafür ist eine Bezugsperson am wichtigsten: Erziehung ist Beziehung. „Wir kennen das selbst: Wenn wir mit unserem Umfeld in Einklang sind, ist alles leichter bewältigbar. Für Kinder gilt das besonders“, sagt Sabine Kriechbaum. Umso wichtiger sei es, als Elternteil selbst glücklich zu sein, denn: „Man kann wenig geben, wenn man selbst unrund ist.“ Kriechbaum erzählt aus eigener Erfahrung, wie ihre Tochter merkt, wenn es ihrer Mutter nicht gut geht – und versucht, das zu ändern. Daher rät Kriechbaum allen Eltern: „Es ist wichtig, sich selbst zu nähren, besonders, wenn man Kinder hat.“

Sabine Kriechbaum referierte zum Thema “Die Spur zum Glück” beim 6. Pädagogischen Tag der St. Nikolausstiftung der Erzdiözese Wien.

Lies auch: Tipps für eine glückliche Beziehung

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EIN ARTIKEL VON
  • Lucia Steindl

    Bevor ich journalistisch tätig wurde, machte ich die Ausbildung zur Kindergarten- und Hortpädagogin, leitete verschiedene Kindergruppen und arbeitete als Medienpädagogin. Nach Abschluss meines Journalismus-Studiums unterstütze ich nun mit Freude die Redaktion von meinefamilie.at.


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