26. März 2017

Beim Aufstand im Supermarkt nicht nachgeben

Aufstand im Supermarkt: nicht nachgeben -meinefamilie.at

Wenn das Kind den Schokoriegel im Supermarkt nicht bekommt, macht es einen Aufstand. Die Leute schauen schon, also ist es leichter, nachzugeben… Wie Durchhalten und Grenzen-Setzen funktionieren können.

Gestresst nach einem langen Arbeitstag, mit vollem Einkaufswagen, Ihren 4-jährigen Nachwuchs obenauf, gelangen Sie endlich zur Kassa und stehen in der Schlange. Ihr Kind, zunehmend quengelig, will auch noch das Spielzeugauto, das ihn in der schönen Verpackung direkt vor seiner Nase anlacht.

„Mama, ich will dieses Auto!“

Ihren Einwand „Du hast doch schon so viele“ nimmt er gar nicht ernst und beharrt darauf: „Ich will aber!“ Auf Ihr: „Nein, Markus, das geht heute nicht!“, folgt ein ohrenbetäubendes Gebrülle. Sie versuchen verzweifelt, ihn zu beruhigen. Alle Augen sind auf Sie gerichtet. Sie spüren die verächtlichen Blicke der einen, die zu sagen scheinen: „Mein Gott, ist die unfähig!“, die mitleidigen Blicke der anderen mit den klugen Ratschlägen: „Wissen Sie, an Ihrer Stelle würde ich …“ In einem solchen Moment würden Sie am liebsten in den Boden versinken, Ihren Liebling an die Wand knallen oder ähnliches. Schließlich geben Sie nach, damit endlich Ruhe ist: „Na gut, das ist aber das letzte Mal, dass ich dir ein Auto kaufe! Versprichst du mir, nächstes Mal brav zu sein?“

Nachgeben ist problematisch

Dieser Aufstand ist somit beendet, aber in Ihnen bleibt ein Gefühl hilfloser Resignation. Der nächste ist vorprogrammiert. Wieder an der Kassa angelangt erinnert er sich gar nicht mehr an sein treuherziges Versprechen. Der Erfolg gab ihm schließlich Recht, so weiterzumachen wie bisher. Ein auswegloser Teufelskreis?

Gesunder Egoismus

Zu Ihrer Beruhigung: Solche Szenen gehören nun einmal zum ganz normalen Erziehungsalltag.

Dass Ihr Kind seine Wünsche klar äußert und versucht, sich durchzusetzen ist ein Zeichen dafür, dass es ein gesundes Ego hat.

Außerdem hat es Vertrauen zu Ihnen, sonst wäre es nicht so ungeniert offen und direkt wie Kinder nun einmal sind.

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen!

Und die Leute um Sie herum? Wie peinlich! Hat man uns doch beigebracht, wie wichtig anderer Leute Meinung ist. Viele von uns halten es nur schwer aus, in den Augen anderer schlecht dazustehen. Die Reaktionen anderer ernst zu nehmen kann schon sehr hilfreich sein, weil es uns dabei unterstützt, blinde Flecken zu erkennen und rücksichtsvoll und selbstkritisch zu handeln. Diese Tugenden sollten Sie aber nicht daran hindern, Probleme selbstbewusst auf Ihre Art und Weise zu lösen, wie es eben hier im Supermarkt angebracht ist.

Wenn ich (Sie werden es erraten) empfehle, Ihrem Kind gegenüber verständnisvoll und einfühlsam zu sein, heißt das nun nachzugeben? Ganz und gar nicht! Grenzen setzen ist angebracht.

Schritt 1: Aktives Zuhören

Lassen Sie sich sich nicht unter Druck setzen, weder von Ihrer Umwelt, noch von Ihrem Kind. Ihre erste Reaktion sollte aber nicht in einem Sachargument („Du hast ja schon so viele“), sondern in aktivem Zuhören bestehen. Dies vermittelt Verständnis und Einfühlungsvermögen und hilft Ihrem Kind gleichzeitig, seinen Wunsch selber kritisch zu hinterfragen. Konkret könnte Ihre Antwort so lauten: „Du möchtest also unbedingt dieses Auto…“ (Sogenanntes Spiegeln ohne zu bewerten), worauf das Kind seinen Wunsch wahrscheinlich noch unterstreicht: „Ja, es gefällt mir so gut“. Jetzt leiten Sie es an zu hinterfragen: „Und die vielen anderen Autos, die du zu Hause hast, gefallen sie dir denn nicht mehr?“ „Oh, ja, aber dieses ist super!“ Zeigen Sie Verständnis: „Irgendwie kann ich ja verstehen, dass dir auch dieses gefällt“ „Ja, Mama, kann ich es haben?“ Jetzt sollten Sie unmissverständlich Klarheit schaffen: „Nein, Ich kann dir nicht jedes Auto kaufen, das dir gefällt“.

Wenn Ihr Kind spürt, dass es verstanden und ernst genommen wird, ist sein wichtigstes Bedürfnis – Aufmerksamkeit – bereits gestillt und es wird bereit sein, einzulenken („Na gut, dann also nicht!“) oder selber mit einem brauchbaren Vorschlag kommen: „Spielen wir dann mit den Autos, wenn wir nach Hause kommen?“ oder „Bekomme ich zu meinem Geburtstag wieder eines?“ oder „Kann ich stattdessen einen Schokoriegel haben?“

Verhandeln Sie mit Ihrem Kind, aber lassen Sie sich nicht von ihm am Gängelband ziehen. Den feinen Unterschied werden Sie mit etwas Übung bald deutlich spüren.

Verständnis zeigen und Klarheit schaffen

Zeitweilig sind Kinder auch dann noch uneinsichtig, wenn Sie bereits alle Regeln der Kunst befolgt haben (speziell dann, wenn Ihr Kind bislang eher verwöhnt war oder gerade heute schlecht aufgelegt ist). Dann hilft nur eine klare Ich-Botschaft. „Ich verstehe, dass es ganz schlimm für dich ist, dass du das jetzt nicht haben kannst. Mir geht es auch manchmal so – Aber für mich ist es sehr schwer, mit dir gemeinsam einkaufen zu gehen, wenn du jedes Mal etwas Neues willst!“ Kleiner Trost: „Bald sind wir zu Hause und dann kannst du …“

Wenn Ihr Kind weiter brüllt, dann lassen Sie es einfach brüllen – es ist egal, was die Leute denken. Nur verlieren Sie nicht die Nerven: Schimpfen, Drohen, Schlagen ist überflüssig und provoziert Trotzreaktionen.

Nehmen Sie es sanft in die Arme (wenn es das in seinem Zorn zulässt) oder reichen Sie ein Taschentuch. Manchmal ist es notwendig, einfach schweigend zuzuwarten, bis es ausgetobt hat. Dann gehen Sie ruhig zur Kassa.

Vereinbarungen treffen

Wichtig ist es, bei einer guten Gelegenheit zu Hause noch mal in Ruhe über das Thema zu reden und mit dem Kind zu vereinbaren, was es bekommen kann und was nicht und welches Verhalten Sie von ihm erwarten. Erinnern Sie es daran, bevor Sie das Haus verlassen und das Geschäft betreten und würdigen Sie sein Bemühen. Eine Zeitlang kann es auch helfen, den Erfolg zu dokumentieren (Smileys oder ähnliches), bis das gute Benehmen zur Gewohnheit geworden ist. Schaffen Sie gute Voraussetzungen, die das Kind motivieren, freudig zu kooperieren.

Ihr Kind lernt Verzicht und Frust ertragen – ein wichtiges Erziehungsziel

Wenn Sie verständnisvoll und konsequent sind, wird Ihr Kind lernen, dass Verzichten zum Leben dazu gehört und damit zurechtkommen. Außerdem: Kinder fühlen sich bei Eltern geborgen, die es verstehen, Grenzen zu setzen und haben für sie auch mehr Achtung. Sie werden sehen: Die Szenen im Supermarkt werden sich, wenn überhaupt, weniger häufig und weniger heftig wiederholen, weil das Kind daraus gelernt hat, dass die Strategie „Ich brülle bis ich bekomme, was ich will!“ keinen Erfolg bringt.

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