10. April 2015

Den richtigen Namen fürs Baby finden


Auf der Suche nach dem passenden Namen fürs Baby werden Vorfahren, Vorbilder und Geschwistermeinungen durchgedacht – kein leichtes Unterfangen. Einige Tipps.

Die Suche nach dem passenden Namen

Nachdem meine Frau den ersten positiven Schwangerschaftstest einen Tag lang ausgiebig bestaunt hatte, machte sie sich umgehend Gedanken betreffs eines geeigneten Vornamens. Sie kaufte einige zum Teil voluminöse Bücher, legte lange Listen an und diese mir immer wieder vor, damit ich jene Namen, mit denen ich mich weniger anzufreunden vermochte, herausstreichen könne. (Ich erinnere mich an Rosa, Sixtus, Severin und Lätizia.)

Die Namen der Vorfahren

Wir waren uns einig, dass unser erstes Kind keinen Modenamen tragen sollte – und einigten uns auf Dominik. Damals war nicht abzusehen, dass wir wenige Jahre später damit voll im Trend liegen würden… Auf der Suche nach einem passenden Vornamen für unser achtes Kind durchforstete ich auch die Annalen unserer Vorfahren und stieß dabei auf Rochus. Erwartungsvoll brachte ich diesen älplerisch klingenden Bubennamen in die Familiendiskussion ein, allerdings mit geradezu durchschlagendem Misserfolg: Meine Kinder erkannten das Wort nicht einmal als Vornamen.„Was ist das?“, fragten sie und warnten mich vor sicher auftretenden Spätfolgen: „Hast du schon einmal darüber nachgedacht, wie es einem in der Schule geht, wenn man Rochus heißt?“

Namensvorbild Fußballer

Auch Anselm, der Vorschlag meiner Frau, stieß auf allgemeines Unverständnis. Meine zweitältester Sohn Benedikt, Fußballnarr und Fan des SK Sturm, plädierte für Kazimir, einen Namen, mit dem wiederum ich nicht gerechnet hatte. „Kazimir, wie der Sidorczuk, wär’ geil, weil wir noch keinen Goalie haben.“ Zur Erklärung: Alle meine sechs Buben spielen im Fußballverein, aber keiner im Tor. Trotzdem: Der polnische Legionär war unbestritten ein exzellenter Schlussmann, aber seine Strafraumherrschaft, wie mir damals schien, zeitlich doch begrenzt. Es war zu befürchten, dass sie bereits zu Ende sein würde, ehe unser kleiner Kazimir einen Ball fangen würde können. Zuletzt hatte sich eine Art Favoritenkreis herauskristallisiert, aus dem zwei Namen wenige Tage vor dem Geburtstermin die besten Chancen eingeräumt wurden: Lukas und Leopold.

Unser Baby kam gesund zur Welt. Es war entzückend – und heißt Sophie. Alle unsere Kinder bekamen von ihren Geschwistern bzw. Freunden Spitznamen, mit denen sie nicht gerechnet hatten. Dominik nennen eigentlich nur mehr Verwandte der Generation 50+ bei seinem Taufnamen. Seit seiner Gymnasialzeit heißt er bei seinen Brüdern, Freunden und Kickerkollegen Willi, was sich zweifelsfrei von seinem Familiennamen „Wellenhof“ = Welli = Willi ableitet.

Sonderanfertigungen für Namen

Unsere Jüngste, die sich mit ihren nächstälteren Geschwistern derzeit in der Experimentierphase einer familieninternen Geheimsprache befindet, hört auf den indoeuropäisch nicht belegbaren Namen „Savastsi“ – eine Namenssonderanfertigung, auf die sie zu Recht stolz ist. Anna, unser sechstes Kind, wurde von ihren großen Brüdern eine Zeitlang „Franz“ genannt. Die befanden, dass eine zweite Schwester eine Zumutung sei, und setzten sich über die biologischen Gegebenheiten zwanglos hinweg. Bald jedoch akzeptierten sie ihre kleine Schwester und nannten sie fortan bei ihrem richtigen Namen. Irgendwie bin ich froh darüber. Denn ein Mädchen namens Franz ist doch noch immer eher ungewöhnlich.

Tipps:

  • Bedenken Sie, dass Sie Ihrem Kind nichts Gutes tun, wenn Sie es allzu originell taufen (Winnetou, Jesus Maria, Brooklyn).
  • Auch Namen derzeitiger Pop- und Sportgrößen (Justin, Rihanna, Lionel) haben unter Umständen ein kurzfristiges Ablaufdatum.
  • Vor- und Familiennamen sollten zusammenpassen und sich doch voneinander unterscheiden. Ich kenne einen Peter Peter, der mit seinem Namen nicht recht glücklich ist.
  • Manche Namen aus dem Englischen oder Französischen haben den Nachteil, dass man die entsprechende Sprache einigermaßen beherrschen sollte, um sie richtig auszusprechen. Schakeline und Renne werden in Österreich vielfach bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt.

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EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


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