19. März 2016

Was ist das Beste für mein Kind?

Was ist das Beste für mein Kind? - meinefamilie.at

Eltern haben viele Wünsche und Vorstellungen, was aus ihrem Kind werden soll. Doch es ist nicht das Beste für ein Kind, sich aus Sorge um seine Entwicklung zu überfordern. Drei Gedanken helfen.

Meinem Kind soll es einmal gut gehen, es soll gesund sein, einen guten Beruf haben, sich im Leben durchsetzen können, es einmal leichter haben als ich. Mein Kind soll gläubig sein, eine gute Ehe führen und am Ende in den Himmel kommen.

Wir Eltern haben viele, viele Wünsche und Vorstellungen, was aus unserem Kind einmal werden soll – und die Sorge: Da kann ja viel schief laufen.

Und letztlich die Erkenntnis: Wir haben das nicht wirklich im Griff.

Trotzdem wollen wir uns in der Erziehung besonders bemühen, damit aus unserem Kind wirklich etwas werden kann. Wir stellen uns immer wieder die Frage: Was ist das Beste für unser Kind?

Erziehung heißt nicht, am Grashalm zu ziehen

„Leben wächst von innen“, sagt Josef Kentenich, der große Pädagoge des 20. Jahrhunderts. Klingt einfach und logisch, aber genau diese Tatsache bereitet uns immer wieder Schwierigkeiten in der Erziehung. Wir können einen Grashalm nicht durch Ziehen in seinem Wachstum beschleunigen. Genauso haben wir keine Möglichkeit, durch Ziehen, Drücken oder andere formverändernde Maßnahmen unsere Kinder zu dem zu machen, was wir uns für sie liebevoll ausgedacht haben.

Die zweite Schwierigkeit besteht darin, dass jeder Mensch von Gott als Original geschaffen ist. Bei der Frage „Was ist das Beste für MEIN Kind?“ muss also die Betonung auf „MEIN Kind“ gelegt werden. Eine allgemeingültige Antwort kann nicht gegeben werden. Wir können hier höchstens ein paar Dinge aufzählen, die eher gut für die Entwicklung eines Kindes sind, und solche, die sich eher ungünstig auswirken.

Zu viel Sorge muss nicht sein

Wenn wir einen Blick auf das Leben von Josef Kentenich werfen, dann sehen wir: Es ist eindeutig etwas geworden aus ihm. Er hat sozusagen ein sehr „erfolgreiches“ Leben geführt. Und das, obwohl in seiner Kindheit lauter Dinge passiert sind, die für die Entwicklung eines Kindes gar nicht gut sind: Er ist als uneheliches Kind ohne Vater aufgewachsen und musste dann in ein Waisenhaus, weil seine Mutter nicht mehr für ihn sorgen konnte.

Was können wir als Eltern davon lernen? Vielleicht, dass es auf uns gar nicht so sehr ankommt. Gott hat immer noch eine Möglichkeit, auch wenn wir als Eltern versagen oder es einfach aufgrund der Umstände nicht hinkriegen. Eine sehr tröstliche Erfahrung.

Nachdem wir Eltern uns ja auf jeden Fall Sorgen um die Entwicklung unserer Kinder machen, wollen wir drei Punkte nennen, die unseren Kindern und uns selbst gut tun können.

1. Beobachten

Nachdem es keine allgemeingültige Erziehungsmethode gibt, ist es notwendig, immer auf das eine Kind, auf mein Kind zu schauen, um zu wissen, was es jetzt braucht. Die komplette Frage heißt ständig:

Was braucht dieses Kind jetzt von mir? Welche Anlagen und Fähigkeiten hat mein Kind? Was bewegt mein Kind gerade? Welche Einflüsse strömen gerade auf mein Kind ein?

Wir haben in unserem Haus viele Blumen und alle gedeihen prächtig, nur eine Orchidee sieht immer wieder recht traurig aus. Und eine Bekannte von uns ist Spezialistin für Orchideen. „Wenn eure Orchidee wieder traurig ausschaut, dann bringt sie mir. Ich werde sie wieder aufpäppeln“, hat sie einmal gesagt. Und wirklich: Wir haben ihr die Orchidee gegeben und nach einiger Zeit hat sie sie uns blühend zurückgebracht. Die Bekannte hat uns genau erklärt, wie eine Orchidee zu behandeln ist. Obwohl wir scheinbar alles richtig gemacht haben, hat die Orchidee nach einiger Zeit wieder traurig ausgesehen. Wir müssen anerkennen: Die Bekannte ist Spezialistin für Orchideen. Wir sind es nicht.

Wenn wir eine Orchidee geschenkt bekommen, heißt das noch lange nicht, dass wir Spezialisten dafür sind. Aber wenn Gott uns ein Kind schenkt, dann sind wir die „Spezialisten“ für dieses Kind. Wir sind Werkzeuge Gottes, damit dieses Kind das entfalten kann, was Gott vorgesehen hat. Und so, wie unsere Bekannte bei Orchideen erkennen kann, was sie brauchen, können wir durch Beobachten bei jedem unserer Kinder feststellen: Was braucht das Kind jetzt von mir?

Pater Kentenich empfiehlt uns: „Lebendige Fühlung halten“ mit dem Kind. Wie geht das?

Das Kind beobachten, Zeit haben für das Kind, dem Kind zuhören. Die Gefühlswelt des Kindes durchs eigene Herz gehen lassen.

Je mehr es uns gelingt, lebendige Fühlung mit unserem Kind zu haben, desto leichter fällt uns das richtige Erziehen. Wir wissen dann, was das Kind gerade jetzt von uns braucht und können es ihm geben. Da braucht es keinen Erziehungsratgeber, sondern einfach ein Vertrauen in die eigene Intuition und die eigenen Erziehungsfähigkeiten.

2. Vor allem aber mein Herz

Eine Frau hat erzählt, dass sie verzweifelt war, weil die Tochter im Streit zu Hause ausgezogen ist. Bei einem Gespräch hat ihr ein Priester gesagt: „Die ganze Liebe, die Sie ihrer Tochter geschenkt haben, die wirkt weiter.“

Unsere Kinder haben immer einen Platz in unserem Herzen, auch, wenn sie noch so falsche Wege gehen. In unserem Herzen sind sie immer aufgehoben.

Wenn wir unsere Kinder lieben, dann ist das eine Kraft, die wir ihnen auch über große Entfernungen schenken – egal, ob diese Entfernungen körperlich oder seelisch sind.

Der Hl. Augustinus, der am Beginn seiner Karriere ein ziemlich arges Leben geführt hat, hat später immer dankbar betont, wie seine Mutter ihn durch ihre Liebe und ihr Gebet auf den richtigen Weg zu Gott gebracht hat.

3. Weniger ist mehr

Wir beobachten immer mehr Eltern, die sich in der Sorge um das Beste für ihr Kind überfordern. Es wird mit viel Aufwand die „ideale“ Schule gesucht und dann viel Mühe auf sich genommen, damit das Kind diese Schule besuchen kann (lange Wegzeiten, hoher finanzieller Aufwand,…). Und wenn das Kind sich in dieser Schule schwer tut, dann wird mit Nachhilfe und Förderung versucht, das Kind auf das richtige Niveau zu bringen.

Jede verkrampfte Maßnahme, einen gewünschten Zustand herzustellen, ist letztlich kontraproduktiv. Es ist wie das Ziehen am Grashalm, damit er schneller wächst.

Es gibt heute viele Angebote für Kinder, die alle damit werben, dass sie für die Entwicklung des Kindes sehr vorteilhaft sind. Um hier nicht in die „Ja, aber wir müssen doch“-Falle zu kommen, ist eine gute Haltung: Weniger ist mehr.

Welche Fähigkeiten und Talente hat unser Kind und was tut ihm daher wirklich gut? Noch besser: Wo hat mein Kind echte Freude daran? Wenn mein Kind gerne Fußball spielt, dann wird es möglicherweise kein Musiker werden, nur weil ich ein Musiker bin.

Wenn Mama und Papa zu Taxifahrern werden, die das Kind ständig von einer wichtigen Sache zur nächsten führen, dann ist es Zeit nachzudenken, was weggelassen werden kann. Wer vielen Hasen nachläuft, erwischt am Ende keinen einzigen.

Können wir etwas falsch machen?

Ja, aber können wir nicht etwas übersehen? Die ganz wichtige Sache, die mein Kind weiter gebracht hätte, und die am Ende dann abgeht? Wo mein Kind sein ganzes Leben darunter leiden wird?

Natürlich können wir etwas übersehen und/oder etwas falsch machen. Wenn wir uns aber als Werkzeug Gottes sehen, dann können wir uns immer auf ihn berufen. Wir können darauf vertrauen, dass Gott immer noch eine weitere Möglichkeit hat, das Kind dort hinzuführen, wo es hingehört.

Dieser Artikel ist in der Zeitschrift Familie als Berufung erschienen. Autoren sind diesmal Hertha & Martin Schiffl, Familientrainer aus Wien. 

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