27. Mai 2015

Chaos im Kinderzimmer


Die Ansichten der Kinder und Mutter punkto Chaos im Kinderzimmer sind sehr verschieden. Ein humorvoller Beitrag zum brisanten Familienthema Ordnung.

Zentrum für Chaosforschung vs. Kampf um Ordnung: Chaos im Kinderzimmer

Chaos ist ein Wort von biblischer Wucht. Es bezeichnet den Zustand der Welt, bevor Gott sich daran machte, Wasser und Erde zu scheiden, um Flora, Fauna und schließlich den Menschen zu erschaffen.

Natürlich haben meine Kinder prinzipiell recht, wenn sie es als Überreaktion bezeichnen, dass meine Frau angesichts des Zustands ihrer Wohnhöhlen von Chaos spricht. Tatsächlich sind darin Flüssiges und Festes tadellos voneinander geschieden. (Wobei meinen halbwüchsigen Söhnen zugute kommt, dass verschüttete Getränke mit der Zeit zu hochgradig pickigen Flecken mutieren und damit den Aggregatszustand wechseln.)

Der Kampf um Ordnung – gegen das Chaos im Kinderzimmer

Einer der zahlreichen Vorteile für Eltern, mehrere Kinder zu haben, besteht darin, aus an älteren Kindern begangenen Erziehungsfehlern so rechtzeitig zu lernen, dass die jüngeren – aber vor allem sie selbst – davon profitieren. So lieferte sich Astrid mit unserem ältesten Sohn einen – wie ich heute weiß – aussichtslosen Kampf um die Ordnung in seinem Zimmer. Minutiös vereinbarte Sanktionen, lange Gespräche, in Aussicht gestellte Belohnungen – nichts konnte Dominik zu einer auch nur annäherungsweisen Aufarbeitung der Unordnung in seinem kleinen Revier bewegen.

Nun ist meine Frau Astrid selbst zwar eine geradezu manische Sauberkeitsfanatikerin, was die gemeinsamen Räumlichkeiten wie Bad, Küche oder Esszimmer betrifft – in einem Haushalt, in dem zu Spitzenzeiten zwölf Menschen und acht Tiere leben, ist das ein Wesenszug, für den sie durchaus dankbar ist, lässt aber in den Kinderzimmern durchaus fünf gerade sein.

Ohne Mama ist Chaos pur

Um aber wenigstens einen europäischen Minimalstandard aufrecht zu halten, sah sie in den Zimmern der Knaben auf den Tag genau bis zu deren mündlicher Matura wenigstens zwei Mal wöchentlich nach dem Rechten. Leerte Schulrucksäcke aus, förderte Bananenschalen, zerknüllte Elternverständigungen, feuchte Badesachen zutage. Erneuerte schokoladeverschmierte Polsterüberzüge, wischte undefinierbare Verkrustungen vom Boden, räumte auf den Schreibtischen eine wenigstens notdürftige Arbeitsfläche frei. Am schönsten war es für sie, sich einen Weg zum Fenster zu bahnen und dieses zwecks gründlicher Lüftung weit aufzureißen.

Nach dem Ankauf stylischer Schmutzwäschebehälter in Fußballdesign für jedes einzelne Zimmer dauerte es noch Monate, bis sich deren für Jugendliche offenbar zu komplexe Funktion – die Aufnahme schmutziger Wäsche – eingespielt hatte.

Jedes Halbjahr zieht meine Frau einmal erfolgreich die Gefühlskarte: zum Muttertag und anlässlich ihres Geburtstages (der leider unmittelbar vor den Heiligen Abend fällt) wünscht sie sich tadellos saubere Kinderzimmer – und bekommt sie auch. Den Rest des Jahres hängen lustige Plakate („Zentrum für Chaosforschung – nicht stören!“) an den Türen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


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