28. Dezember 2017

Bummeln und trödeln – haben wir Zeit dafür?

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Eine alltägliche Situation: Am Weg ist das Kind abgelenkt und bleibt andauernd stehen, die Eltern möchten weitergehen. Wichtig ist, die kindliche Wahrnehmung zu verstehen.

Ein kleiner Bub schlendert gemütlich dahin. Er entdeckt so manches zum Betrachten und Verweilen, untersucht ein Mauereck, hebt einen Stein auf, spielt Fußball mit einer weggeworfenen Limonadendose. Unglaublich, was Kinder auf einem ganz gewöhnlichen Weg unterwegs zum Supermarkt alles entdecken können.

Die Mutter, vor ihm hergehend, mahnt ihn fortlaufend: „Andreas, bleib doch nicht dauernd stehen!“, „Musst du schon wieder den Müll aufheben?“, „Beeil dich endlich!“, „Wie lange soll ich noch warten?“, „Andreaaas!“ – Das Kind kommt ihren Aufforderungen nur schleppend nach, widerwillig, einmal versteckt es sich sogar trotzig im Hauseck.

Verständnis für kindliche Entwicklungsbedürfnisse haben

Zunächst ist es wichtig, dass Eltern Verständnis für die Entwicklungsphasen und Bedürfnisse ihrer Kinder haben. Der alltägliche Weg zum Geschäft, in den Kindergarten, etc. ist für ein Kind eine wahre Entdeckungsreise – lustvoll, spannend und anregend. Sie sollten auf solch normale und entwicklungsfördernde Bedürfnisse Ihres Kindes nicht mit genervten Botschaften reagieren.

Oft ist Eltern nicht bewusst, wie sehr sie ihren Kindern durch den Tonfall und die Häufigkeit ihrer kritischen Äußerungen tatsächlich Schaden zufügen und der Beziehung schaden.

Denn diese Negativ-Äußerungen, die häufig wie saurer Regen hernieder prasseln, beeinträchtigen das Selbstwertgefühl und die Motivation des Kindes und begünstigen Trotzreaktionen. Daher ist es wichtig und notwendig, Kindern für die nötigen Alltagserledigungen einen ihnen entsprechenden Spielraum einzuräumen, der den Rhythmus und die Bedürfnisse des Kindes berücksichtigt.

Wenn die Zeit fehlt

Immer auf die Bedürfnisse des Kindes Rücksicht zu nehmen, wird, realistisch gesehen, nicht möglich sein. Das ist auch nicht schlimm, denn das Kind soll durchaus erleben, dass sich seine Wünsche nicht immer mit den Bedürfnissen und Zeitvorgaben der Eltern decken. Wichtig ist nur, dass Sie Grenzen setzen, ohne zu verletzen.

Geben Sie dem Kind das Gefühl, dass es ernst genommen wird und dass Erwachsene Verständnis statt Missachtung für seine Bedürfnisse haben: „Ich kann mir vorstellen, wie lustig es ist, mit der Dose Fußball zu spielen!“ Sie sollten auch den Grund für Ihre Eile nennen: „Aber das Geschäft sperrt bald zu“, „Die Omi wartet zu Hause“, etc. Wenn Sie dem Kind die Hand geben, ihm beim Marschieren eine spannende Geschichte erzählen, vielleicht sogar ein Spiel anregen: „Komm jetzt laufen wir ein bisschen“, „Mal sehen, wer zuerst bei der nächsten Laterne ist…“, wird es positiv motiviert, zu kooperieren.

Ist heute Zeit zum Bummeln?

Sinnvoll ist auch, wenn Sie sich schon vor dem Weggehen mit dem Kind ausmachen, ob es heute Zeit zum Bummeln und Entdecken gibt oder nicht. Dann hat es sich innerlich auf die Notwendigkeit zügigen Marschierens eingestellt.

Wenn Ihr Kind Verständnis und Führung spürt, wird es sich Ihren Anliegen gegenüber kooperativ verhalten und einen Sinn für Disziplin entwickeln – gerade weil Sie ihm die nötigen Freiräume einräumen.



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