15. Juli 2016

Buchrezension: „Kindern liebevoll Grenzen setzen“

Kindern liebevoll Grenzen setzen

Der Erziehungsratgeber „Kindern liebevoll Grenzen setzen“ von Maria Neuberger Schmidt verspricht ihren Lesern ein Kochrezept für das Endresultat „positive Führungsrolle gegenüber ihrem Kind“ – auf einfühlsame und konsequente Weise. Hält die Autorin, was sie verspricht?

Das Buch beginnt mit einem Selbsteinstufungstest für Eltern: In zehn Fragen wird evaluiert, zu welchem Erziehungstyp der Lesende gehört: Der Strenge, der Begleiter, der Beschützer oder der partnerschaftliche Leiter. Darauffolgend ist das Buch in drei Teile strukturiert: Die Grundlagen, die Praxis und eine Vertiefung.

Entspanntes Erziehen

Es geht um ein entspanntes Erziehen und die Wichtigkeit, Respekt und Liebe für das Kind nach vorne zu stellen, sich selbst dabei aber nicht zu vergessen: Das Kapitel Grundlagen mit den Unterteilungen „Eine liebevolle Beziehung aufbauen“, „Erziehung, eine Frage des Stils“, „der Generalschlüssel : Kommunikation“, „richtig Grenzen setzen“, „Regeln festlegen“ und „passende Konsequenzen finden“ stellt die Grundideen dieses Buches zu größten Teilen vor. Verständlichkeit und Anschaulichkeit entstehen durch Vergleichsbilder wie die Familie als Betrieb oder Eltern als gute Gärtner veranschaulichen sowie gelegentliche Beispiele aus dem Alltagsleben.

Grün, Gelb oder Rot?

Der nun folgende Praxisteil stellt das von der Autorin schon in der Einleitung erwähnte Ampelprinzip vor: Rot steht für elterliche Autorität, gelb für Diskussionsbereitschaft und grün für Akzeptanz und Freiheit. Die Kunst, die Ampel richtig zu schalten, wird hier von der Autorin als „Knackpunkt“ sehr richtig ins Zentrum gestellt, und je nach Lebensphase des Kindes unterschieden. Im Detail liegt die Perfektion: Die Autorin lädt den Leser ein, für eine authentischen Vermittlung der Regeln an ihrer Ausdrucksweise zu arbeiten: Konkretes Formulieren, Sachlichkeit und Ich-Botschaften sowie Nachfragen sind die Geheimtipps. Das Kapitel wird abgerundet mit Tipps zu den Konsequenzen bei Regelüberschreitung, auch hier steht die Nachvollziehbarkeit an erster Stelle.

Die Autorin weiß, wovon sie spricht

Der letzte Teil des Buches, eine Vertiefung über das erfolgreiche Managen von Konflikten, verdeutlicht noch einmal, wie praxisorientiert dieser Ratgeber ist: Die Autorin hat für ein Spektrum verschiedenster, vielbekannter Situationen – vom „Anziehtheater“ bis zum „Gute-Nacht-Theater“ und dem „Du bist gemein“ eines pubertierenden Teenagers Ratschläge, Erklärungen und No-Gos. Zu jeder Entwicklungsphase eines Kindes gibt es abschließend eine „Merkbox“ für die Eltern. Damit reagiert die Autorin wohl auf die Tatsache, dass bestimmte konkrete Situationen vermutlich jede Generation aufs Neue beschäftigen. So wird der Ratgeber zielgruppengerecht und es stört nicht weiter, dass der größte Teil des Inhalts bereits in den ersten beiden Teilen des Buches abgedeckt wurde und sich kleine Wiederholungen einschleichen.

Stets positiv, aber realistisch

Stets positiv, aber realistisch: So könnte man die Vision des hier beschriebenen Erziehungsstils nennen. An erster Stelle sollte immer die Liebe für das Kind stehen, alles andere reiht sich hinten an – diese Faustregel macht dem Lesenden Mut, in Zukunft auch in Situationen, die die Geduld auf die Probe stellen, nun mithilfe von Intuition gelassen zwischen Loslassen oder Nein zu entscheiden. In diesem Sinne ist es auch nicht unbedingt zwingend, sich jedes Detail dieses Buches zu Herzen zu nehmen. Interessant zu sehen ist auch, dass die Autorin an der persönlichen Einstellung der Eltern arbeitet: Als Übung sollen die Eltern sich morgens 20 Münzen in einer Hosentasche stecken. Für jedes positive Verhalten des Kindes wandert dann eine dieser in die andere Hosentasche – Tricks wie diese wiederbeleben Optimismus und Elan.

Ein erfrischender Ratgeber, angenehm zu lesen, der uns zurücklehnen lässt und das vor wenigen Sekunden angestimmte Geschrei vielleicht mit einem Lächeln quittieren lässt…

Kindern liebevoll Grenzen setzen

Maria Neuberger-Schmidt
Kindern liebevoll Grenzen setzen
Gräfe-und-Unzer-Verlag
ISBN 978-3-8338-3393-9

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