23. Mai 2016

Die besondere Herausforderung: Buben erziehen

Buben erziehen - meinefamilie.at

Pädagoge Jan-Uwe Rogge über die „besondere Herausforderung“ und das „Geschenk“, Buben erziehen zu dürfen. Er erzählt, warum Buben authentische Mütter und echte Konsequenzen brauchen, wenn sie Grenzen überschreiten.

„Sie sind eine besondere Herausforderung“, sagt Pädagoge Jan-Uwe Rogge über Buben. „Was ich immer wieder erlebe: ‚Könnten die nicht anders sein?‘ Nein, sie sind Buben! Buben sind erst recht Geschenke!“ Eine Pädagogin habe ihm darauf einmal gesagt: „Manchmal denk ich mir, der Anführer könnte krank sein. Aber solche Kinder sind nie krank…!“ Die Eltern, die Rogges Vortrag lauschen, lachen. Sie können sich in die Pädagogin hineinversetzen, haben selbst die „besondere Herausforderung“ der Buben bei sich zuhause. Und Rogge betont noch einmal: „Buben sind Geschenke!“

Buben erziehen heißt authentisch sein

Wie können Eltern – und besonders Mütter – die Herausforderung meistern? Das erste Stichwort heißt: Authentizität. Was für Erziehung grundsätzlich wichtig ist, gilt für die Erziehung von Buben erst recht: „Buben lieben authentische Mütter. Also Mütter, die Erziehung nicht mit Yoga verwechseln“, erklärt Rogge überspitzt.

„Buben lieben Mütter, die klar und deutlich sind. Das kann man von den Buben lernen!“

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Klar und deutlich zu sein bedeutet im Alltag, den Buben nichts vorzuspielen. Rogge schildert ein Beispiel: „Da gibt es diesen Morgen, an dem du nicht aufstehen möchtest. Paul fragt: ‚Hast du was, Mama?‘ – ‚Nein!‘, ruft Mama. – Da denkt Paul: ‚Mensch, ist die geladen. Und bevor sie platzt, werde ich sie entladen…’“

Man könne Buben nichts vormachen, erklärt Rogge. 60 Prozent davon, was man Buben vermittle, sei Mimik und Gestik.

Warum sind Buben anders?

Buben sind anders, erklärt Erziehungsfachmann Jan-Uwe Rogge: „Buben brauchen viel mehr Zeit, um Empathie zu entwickeln. Die egozentrische Phase dauert länger. Buben leben diese Phase auch mehr aus. Buben reden nicht viel, Mädchen fangen früher an zu reden. Buben kommen mit Ein-Wort-Sätzen gut durch die Welt. Buben sind in ihrer Sprache auch deutlich. Buben grenzen sich im Kindergartenalter von Mädchen ab, ihre Spielformen sind anders. Buben sind im dritten und vierten Lebensjahr feinmotorisch eher ungelenk. Die Schere zu halten ist anstrengend. Wenn du zu Joe sagst: ‚Schau, wie Kathi ihren Adventsstern ausgeschnitten hat!‘, dann denkt er: ‚Dann werd ich ihr im Garten meine Muskelspannung zeigen…‘.“

Buben überschreiten die Grenzen

Was Rogge Eltern an Authentizität und Klarheit empfiehlt, gilt besonders für die Grenzen, die sie ihnen setzen müssen. Denn Buben brauchen Grenzen – und die Konsequenzen, wenn sie nicht eingehalten werden. Rogge erzählt: „Was ich bei Buben sehr häufig erlebe, ist, dass sie Grenzen überschreiten.“

„Buben überschreiten Grenzen und wollen auch erfahren, was das heißt. Sie wollen Konsequenzen und nicht Laberei!“

Buben probieren, was Grenzüberschreitung heißt: Sie lügen, erfinden Geschichten, lieben das Spiel mit Moral und Unmoral. Und sie wollen Konsequenzen, nicht Bestrafung.

„Buben fordern uns heraus und ich denke, es ist wichtig, die Herausforderung anzunehmen“, betont Jan-Uwe Rogge. Er schließt seinen Vortrag mit drei Überlegungen:

  1. Auch Pädagogen können von Buben Klarheit und Direktheit lernen. Sie können von ihnen lernen, durchzuhalten, auch mal „auszuzucken“ und neben sich zu stehen.
  2. Es ist gut, sich einmal in einen Buben hineinversetzen, versuchen, ihn zu verstehen. Das heißt aber nicht, alles zu akzeptieren – man muss sich nicht alles gefallen lassen.
  3. Wenn es schon so viele Frauen im Erziehungsbereich gibt, können sie den Männern Aufgaben übertragen. Buben lieben den Vater, weil er so anders ist. Er macht es auf seine Weise gut!

Jan-Uwe Rogge ist Bestsellerautor zahlreicher Erziehungsbücher und vielzitierter Erziehungsexperte. Beim Jako-o-Familienkongress referierte er zum Thema „Lauter starke Jungs“.

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EIN ARTIKEL VON
  • Lucia Reinsperger

    Bevor ich journalistisch tätig wurde, machte ich die Ausbildung zur Kindergarten- und Hortpädagogin, leitete verschiedene Kindergruppen und arbeitete als Medienpädagogin. Nach Abschluss meines Journalismus-Studiums unterstütze ich nun mit Freude die Redaktion von meinefamilie.at.


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