6. September 2017

Brauchen Kinder ein eigenes Kinderzimmer?

Brauchen Kinder ein eigenes Kinderzimmer? - meinefamilie.at

Wie viel Platz braucht ein Kind? Was gibt uns die Gesellschaft vor und was brauchen unsere Kinder wirklich? Warum wir unsere Kinderzimmer umbauen und welche Erfahrungen wir gemacht haben.

Wir haben gerade Großbaustelle im Haus. Im Obergeschoß wird fleißig gewerkt, da Fritz und Benni ein eigenes Zimmer bekommen. Sie haben bisher mit ihren zwei jüngeren Geschwistern in einem gemeinsamen, sehr großen Kinderzimmer gewohnt. Manche unserer Bekannten waren erstaunt, als sie das mitbekamen. Heute hat ja schon fast jedes Kind sehr früh ein eigenes Zimmer – manchmal sogar von Geburt an. Das ist wunderbar, wenn das für alle gut passt. Aber immer ist es nicht möglich.

Als wir Eltern wurden, wohnten wir in einer 52m2-Wohnung. Sie war sehr günstig, und so wollten wir vor dem Hausbau nicht nochmal umziehen, als die ersten beiden Kinder zur Welt kamen. Ich muss zugeben, es war ein paar Jahre lang sehr grenzwertig, auf so engem Raum zu viert zu leben. Andererseits war ich früher in Ländern unterwegs, wo es normal ist, dass eine 10-köpfige Familie in nur einem Zimmer lebt. Der individuelle Platzbedarf ist zum Teil kulturell bedingt. Aber ich muss zugeben, auch ich wünschte mir damals, mehr Platz zu haben. Ich war selbst in einem Haus mit Garten aufgewachsen und hatte ab zehn ein eigenes Zimmer.

Ein großes Kinderzimmer für alle

Für unser Haus hatten wir dann auch mehrere Kinderzimmer geplant. Doch im Gespräch mit einigen bekannten Großfamilien wurde klar, dass jüngere Kinder durchaus gern ein Zimmer teilen. So fassten wir zwei der geplanten Kinderzimmer zu einem großen zusammen, mit der Möglichkeit, es später abzuteilen. Ein anderes verwenden wir bis heute als Büro, das vierte war lange Zeit ein Gäste- bzw. Spielzimmer.

In der Praxis stellte sich auch bei uns heraus, dass die Kinder es liebten, gemeinsam in dem großen Zimmer zu schlafen.

Wir stellten 2 Stockbetten hinein, hängten eine Schaukel auf und sogar eine Rutsche hatte darin Platz. Ein Indoor-Spielplatz! Die Kinder liebten das Zimmer so sehr, dass sie nun einige Jahre zu viert darin lebten. Wir fragten unsere Großen ab und zu, ob sie denn kein eigenes Zimmer wollten, oder evt. das Spielzimmer zu zweit nützen wollten. Doch bis vor ca. einem Jahr war es für sie so ok.

Der Wunsch kommt von den Kindern

Jetzt, wo die Initiative von ihnen kommt, sind wir gerne bereit, Veränderungen vorzunehmen. Fritz und Benni sind nun Teenager und da unterstützen wir es natürlich, dass sie ihren eigenen Rückzugsbereich bekommen. Gregor und Sara teilen sich nach wie vor das nun etwas kleinere Kinderzimmer. Jeder der beiden hat einen kleinen eigenen Bereich und sie freuen sich, auch selbst mitzugestalten.

Der Umbau ist ein guter Anlass, um mal alle Spielsachen zu sortieren und einiges auszumustern. Manches wird weitergeschenkt, anderes zum Second Hand gebracht und Besonderes für später aufgehoben. Ich merke, es tut uns gut, die Dinge organisch wachsen zu lassen. Ich möchte mich nach den wirklichen Bedürfnissen der Kinder richten und nicht nach Maßstäben, die von außen – von unserer Kultur und Gesellschaft – aufgestellt wurden.

Diese Ansprüche, was jedes Kind haben müsste und sollte, erzeugen oft großen Druck und schrecken Jungfamilien davor ab, mehr als ein oder zwei Kinder zu haben.

Natürlich sind auch der Platz und die Wohnsituation wichtig zum Leben. Aber das Allerwichtigste für Kinder ist eine gesunde Atmosphäre, in der auch mit Konflikten offen und fair umgegangen wird. Wer es früh lernt, mit anderen gut auszukommen und ab und zu auch mal Kompromisse zu machen, lernt eine Menge fürs Leben!

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung zur Krankenschwester sozial in Indien tätig. Jetzt unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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