27. Oktober 2017

Die Beziehung zu mir selbst stärkt jene zu den Kindern

Beziehung zu mir selbst stärkt jene zu den Kindern - meinefamilie.at

Eltern fragen sich, was sie für die Eltern-Kind-Beziehung tun können. Der erste Schritt ist, für mich selbst zu sorgen, denn wie Eltern mit sich selbst umgehen, prägt die Kinder. So gelingt BEziehung statt ERziehung.

Viele Eltern wollen ihre Kinder nicht mehr „klassisch“ erziehen und suchen neue Wege, ihre Kinder ins Leben zu begleiten und eine Frage wird immer gestellt: „Was kann ich TUN, damit dies gelingt?“. Nun gibt es schon etliche Modelle und Konzepte, die Antworten darauf geben. Viele Tipps und Anweisungen, was alles zu tun ist, damit z.B. die Bedürfnisse der Kinder bestmöglich erfüllt werden, weil dies ja die Basis einer guten Eltern-Kind-Beziehung ist.

Aber wo ist der Haken? Warum sind viele Eltern, insbesondere Mütter, die diesen Weg gehen, oftmals überfordert, gestresst, manchmal sogar am Ende ihrer Kräfte?

Weil jedes „Tun“, das nicht im Einklang mit den eigenen Bedürfnissen ist, anstrengend ist. Weil wir in unserer Kindheit nicht erlebt haben, dass alle unsere Bedürfnisse erfüllt wurden. Weil wir keine Vorbilder hatten und daher nicht wissen, wie es geht. Und weil wir unsicher sind, nicht genau wissen, was richtig und was falsch ist, die eigenen Bedürfnisse oft vollkommen ignorieren und uns daher überfordern. Das muss nicht sein.

Wie die Eltern sind, ist entscheidend – nicht, was sie tun

In punkto guter Eltern-Kind-Beziehung geht es (jegliche Formen von Gewalt ausgenommen) selten um das TUN der Eltern, nicht um Worte, Handlungen und nicht um den „Erziehungs-Stil“. Nein, es geht vor allem darum, wer die Eltern sind, wie sie das Leben sehen, welche Werte, Haltungen und Einstellungen sie haben und vor allem – und das ist für Kinder jeglichen Alters das Entscheidende – wie sie sich fühlen.

Kinder brauchen vor allem Liebe, Geborgenheit, Halt, Sicherheit und Vertrauen. Das sind Empfindungen, die jenseits von bestimmten Handlungen sind, sie aber entscheidend beeinflussen.

Die Beziehung zu sich selbst ist die Grundlage für die Beziehung zu unseren Kindern. © Pixabay

Eltern können noch so gute Vorsätze haben, das „Richtige“ zu tun. Sind sie selbst jedoch generell unglücklich und unzufrieden (mit ihrem Leben und vor allem mit sich selbst) und setzen sie sich selbst und damit auch ihre Kinder unter Druck, ihren Vorstellungen, Erwartungen, Wünschen oder auch Empfehlungen und Vorgaben anderer gerecht werden zu müssen, ist die Basis aller Handlungen Unzufriedenheit und Druck. Dabei haben Kinder oft das Gefühl, „nicht ok zu sein“, weil sie es – genauso wie die Eltern selbst – nicht schaffen können, all diesen Anforderungen zu genügen. Damit ist Scheitern und Versagen vorprogrammiert und ein negativer Kreislauf beginnt.

Eltern-Kind-Beziehung beginnt bei der Beziehung zu sich selbst

Beziehung zu anderen – und insbesondere zu den eigenen Kindern – beginnt bei der inneren Beziehung zu sich selbst. Dort, wo es darum geht, mit sich selbst, mit dem eigenen Tun, den eigenen Gefühlen, dem eigenen So-Sein zufrieden zu sein, sich selbst gut zu versorgen, die eigenen Bedürfnisse zu sehen und zu erfüllen.

Die Beziehung zu sich selbst (zum eigenen „inneren Kind“) ist die Grundlage für die Beziehung zu unseren („äußeren“, also leiblichen oder auch Adoptiv- und Stief-) Kindern.

Kleines Beispiel: Wenn uns etwas misslingt und wir werden ärgerlich, verurteilen und schimpfen uns selbst deswegen, dann zeigen wir unseren Kindern, dass es nicht ok ist, Fehler zu machen. Wenn das öfter passiert, wird unser Kind diese Reaktion auf Fehler als „so macht man es“ abschauen und wird, so ihm selbst etwas misslingt – was ja bei Kindern viel häufiger der Fall ist als bei Erwachsenen – es nachmachen. Es wird auf sich selbst ärgerlich werden und sich dafür verurteilen. Somit sind häufiger Frust und Ärger vorprogrammiert.

Selbst über unsere Fehler lächeln – dann können es auch die Kinder

Sagen wir hingegen: „Ach schau, Mama/Papa hat grad Unfug gemacht“ und lächeln dabei – nicht, weil „man das tut“, das wäre unehrlich und das merkt das Kind sofort, sondern weil wir uns trotz dieses Fehlers mögen und uns daher selbst zulächeln können – zeigen wir unserem Kind, dass man bei Fehlern über sich selbst lächelt und es wird dieses TUN nachahmen. Unser Tun hängt davon ab, wie gut wir uns selbst leiden können, wenn wir mal nicht perfekt sind, also von der Beziehung zu uns selbst. Wenn wir über unsere Fehler lächeln können, dann können wir auch über die Fehler unserer Kinder lächeln – und am Ende des Tages entscheiden all diese kleinen alltäglichen Handlungen darüber, ob sich unsere Kinder bei und mit uns sicher, angenommen und geliebt fühlen – und das ist die Basis einer guten Beziehung, in welcher jedes Kind, wenn es drauf ankommt, leichten Herzens und gerne kooperiert.

Die entscheidenden Fragen für eine gute Beziehung sind: Mag ich mich? Gehe ich achtsam mit mir um? Erfülle ich mir meine Bedürfnisse? Bin ich zufrieden mit mir? Vertraue ich mir? Darf ich Fehler machen? Kann ich mir verzeihen?

Alles, das ich mir selbst innerlich zugestehe, die eigene Wahrnehmung und Beurteilung, der tägliche Umgang mit mir selbst, zusammengefasst die Qualität der Beziehung zu mir selbst, ist Ausgangspunkt meiner Beziehung zu anderen Menschen.

Mag ich mich mit bzw. trotz aller „Unzulänglichkeiten“, bin ich mit mir zufrieden, dann gibt’s keine innere Verurteilung, keinen Ärger auf mich selbst und auch keinen Ärger, wenn mein Kind etwas falsch macht oder sich mal „daneben benimmt“. Kann ich ehrlich und aufrichtig zu mir selbst stehen, dann kann ich auch in jeder Situation zu und hinter meinem Kind stehen. Gehe ich achtsam und wertschätzend mit mir selbst um, dann mache ich das auch mit meinem Kind – und das ist das Beste, das Eltern für die Beziehung zu ihrem Kind TUN können!

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Die Autorin Margit Dechel bietet in ihrem Beratungszentrum „Bewusste Eltern“ Schnupperworkshops an. Die nächsten Termine:

Die  nächsten Workshop-Programme starten Mitte November.

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