4. Januar 2017

Meine berufliche Neuorientierung in der Karenz

Berufliche Neuorientierung, Stillmania - meinefamilie.at

Die Familienpause war für mich die perfekte Zeit, um das eigene Herzthema (wieder) zu finden. Heute mache ich Mode für Mütter und möchte auch andere Mamas motivieren, in der Karenz über berufliche Neuorientierung nachzudenken.

Kaum etwas verändert unser Leben so stark wie die Geburt eines Kindes. Auch wenn vorab immens bestritten und als nicht vorstellbar abgetan, so schlägt das Phänomen flächendeckend und ohne Rücksicht auf das Bildungsniveau oder Alter der Eltern zu. Der neue Weltankömmling zieht die komplette Aufmerksamkeit auf sich. Das Tagesprogramm orientiert sich an dem Schlafintervall des Babys, die Auswahl des optimalen Kinderwagens wird zum Masterprojekt, die Gesprächsthemen kreisen um die Entwicklungsschritte, das Zahnungsverhalten und die saugfähigsten Windelsorten. Das bisher gewohnte Lebenskonstrukt wird erschüttert. Auch wenn im Laufe der Wochen und Monate ein Stück der altbekannten Normalität zurückkehrt, so gibt es Lebensbereiche,

die durch die Geburt eines Babys nachhaltig verändert bleiben. Manchmal sind die Auswirkungen durch den Familienzuwachs von so einer starken Ausprägung, dass langfristig nichts mehr ist, wie es vorher war.

Karenz als Gelegenheit zur Entschleunigung

Zweimal bin ich aus dem beruflichen Hamsterrad ausgestiegen. Das erste Mal 2009, um eine mehrmonatige Weltreise zu machen. Zwei Jahre später, um für ein Jahr in die Elternzeit zu gehen. Auch wenn ich meinen Beruf richtig gerne gemacht habe, so sehr genoss ich die neugewonnene Freiheit: Keine Meetings, die ein halbes Jahr im Voraus geplant waren, keine Projekte, die mich mit ihren Deadlines immer auf Trab hielten. Auch nicht mehr das ständige, ziemlich gehetzte „On-the-road“ sein – von einem Termin zum anderen, quer durch Deutschland. Natürlich, ich hatte ein kleines Baby, das viel Aufmerksamkeit von mir abverlangte und der Schlafmangel zerrte an meinen Kräften. Gleichzeitig war ich noch nie in meinem Leben so sehr im Hier und Jetzt. Meine Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf den Moment. Auf einmal fielen mir Dinge in meiner Umgebung auf, die ich vorher nicht wahrgenommen habe.

Ich wurde aufmerksamer gegenüber den Dingen, die um mich herum passierten, aber auch mir selbst gegenüber.

Langsamer zu werden und aus der Hektik zu entkommen ist eine wichtige Voraussetzung, um das eigene Leben mit all seinen Facetten beleuchten zu können. Wo stehe ich gerade, was füllt mich aus, sehe ich in dem, was ich beruflich tue, einen Sinn und schöpfe ich daraus Energie? Passen meine berufliche Ausrichtung und meine bisherigen Ziele zu neuem Leben mit Baby? Lebe ich MEIN Leben? Diese Fragestellungen sind gerade nach einem so einschneidenden Erlebnis wie der Geburt eines Kindes nicht ungewöhnlich. Die neue Rolle der Eltern geht oft mit einer veränderten Sicht und einer Neuausrichtung der Prioritäten einher. Für mich wäre es undenkbar gewesen, mein altes Berufsleben nach der Geburt meines Sohnes fortzusetzen. Durchschnittlich lebte ich 3-4 Tage pro Woche aus dem Koffer. Meine Veranstaltungen, die ich an Hochschulen im ganzen Land durchführte, verlangten viel Mobilität und zeitliche Flexibilität. Das konnte und wollte ich mit Kind nicht mehr bieten.

Berufliche Neuorientierung, Stillmania - meinefamilie.atMarktlücke gefunden und Produkt entwickelt

Mit meinem Sohn machte ich außerdem die Erfahrung, dass ich ihn in der Öffentlichkeit stillen wollte – diskret. Auf dem Markt fand ich keine praktikable Lösung. Also nähte ich

kurzerhand meinen eigenen Stillschal: die Geburtsstunde von Mania Stillmode. Alles weitere

war wie das Zusammenfügen eines Puzzles. Es war nicht mein Plan, mich in der Elternzeit selbständig zu machen. Aber die Idee des Stillschals, aus dem eigenen Bedarf heraus geboren, schien auch andere Mamas zu überzeugen. Also blieb ich dran. Bastelte in den Abendstunden an einer Homepage. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich mich für etwas „Technisches“ begeistern. Tagsüber mit Baby in der Trage suchte ich in Läden nach passenden Stoffen. Es tat mir gut, neben der Fürsorge für mein Baby auch ein anderes Projekt zu haben. Das positive Feedback meiner ersten Kundinnen motivierte mich.

Zeit für dich, zum Reflektieren und Nachdenken

Die meisten Mütter nehmen mindestens ein Jahr Elternzeit in Anspruch, viele Frauen kümmern sich drei Jahre um ihr Kind. Eine lange Zeit, die Raum und Möglichkeit bietet, auch Zeit für sich selbst Zeit zu nehmen. Wünsche, die in uns sind, haben deutlich bessere Chance wahrgenommen zu werden, wenn wir nicht von einem Meeting zum anderen hetzen. Vielleicht wird die Erkenntnis sein, dass der aktuelle Beruf und der Arbeitgeber alles bieten, damit nach der Familienpause berufliche und persönliche Ziele optimal verwirklicht werden können. Großartig! Unter Umständen war die frisch gebackene Mama aber bereits vor der Schwangerschaft nur mittelmäßig zufrieden. Genau diesen Frauen möchte ich Mut machen, in der Elternzeit nicht nur dem Baby zu begegnen, sondern auch sich selber.

Fragen, die ich für solche Überlegungen empfehle – am besten im Austausch mit einer guten Freundin oder dem Partner:

– Wie müsste mein Arbeitsumfeld aussehen, damit ich mich richtig wohl fühle?

– Wo, mit wem und wann möchte ich gerne arbeiten?

– Welche Aufgaben / Tätigkeiten mache ich so gerne, dass ich dabei die Zeit vergesse?

– Was bringt meine Augen zum Leuchten?

Bei der Beantwortung brauchst du nicht nur im beruflichen Kontext denken. Hast du eine Leidenschaft, eine richtige Herzenssache, der Du – wenn Du könntest – zeitlich

viel mehr nachgehen würdest? Der wohl größte Erfolgsfaktor für jedes Tun ist, viel Herzblut für eine Sache zu haben, denn dann kommt die Motivation von innen. Es fällt leichter, andere damit anzustecken, denn einem brennenden Herz kann man sich nur schwer entziehen. So geht es mir mit meinem Unternehmen. In der Zwischenzeit konnte ich das Sortiment im Onlineshop von Mania Stillmode von Stillschals auf Blusen, Tops und Kleider ausweiten.

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EIN ARTIKEL VON
  • Anna Orlinski

    Anna Orlinski ist Gründerin des Labels Mania Stillmode. Mit der Geburt ihres Sohnes hatte sie 2011 die Idee, einen Stillschal zu entwickeln, der diskretes Stillen in der Öffentlichkeit ermöglicht, gleichzeitig aber auch ein hübsches Accessoire ist. Als Fortsetzung dieser Idee folgten Kleidungsstücke.


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