17. Juni 2015

Babys Schreie – Attachment Parenting (Teil 3)


Die Bindung zu den Eltern ist für Kinder lebensnotwendig. Teil 3 behandelt Schlafen in Babys Nähe“, „Babys Schreie“ und „Vorsicht vor Erziehungstipps“

Attachment Parenting: Babys Schreie, Erziehungstipps & Co

Die Bindung zu den Eltern ist für Kinder nicht nur wichtig, sie ist lebensnotwendig. Die gesamte Erziehung bindungsorientiert zu gestalten, dafür steht „Attachment Parenting“ (AP), vor allem geprägt vom US-amerikanischen Kinderarzt Dr. William Sears und basierend auf den sogenannten 7 „Baby Bs“. Nach „Bindung“, „Stillen“&Co. folgt nun der letzte Teil mit „Schlafen in Babys Nähe“, „Babys Schreie“ und „Vorsicht vor Erziehungstipps“.

Schlafen in Babys Nähe

Das muss natürlich nicht zwangsläufig „Familienbett“ bedeuten, denn diese „Erweiterung“ des Ehebetts kann sich für den einen zwar als herrlich kuschelig, für den anderen aber auch als recht unbequem herausstellen. Ein Beistellbett oder die Wiege in unmittelbarer Bettnähe tun es ebenfalls. Ziel ist es (wie übrigens bei den anderen bereits erwähnten Punkten auch) allen Familienmitgliedern etwas Gutes zu tun. Für das Baby und Kleinkind ist das die Nähe (und meistens eben je näher desto besser) zur Mutter, für die Mutter (vor allem die stillende) ist es unter anderem die stets praktische Erreichbarkeit ihres Babys. Für den Vater ist es einerseits das Baby, das nicht endlos im Nebenzimmer schreien muss um gehört zu werden, und andererseits die Mutter (oder gar er selbst), die andernfalls unzählige Male pro Nacht leidend und schimpfend von Tür zu Tür laufen muss. Win-win!

Vertrauen und Reagieren auf Babys Schreien

Wichtig. Wichtig deshalb, weil es zwar stimmt, dass „Babys eben schreien“, es aber nicht stimmt, dass sie das meistens „vollkommen ohne Grund“ tun, wie so oft gehört. Nach einem Jahr mit meiner Tochter habe ich gelernt, dass es zwar sehr wohl Unterschiede zwischen ihren vielen (sehr, sehr vielen und lauten…) Schreien gibt, es aber doch immer (naja, sagen wir fast immer) einen Grund gibt. Während ich bei ihrem inzwischen bereits perfektionierten „wuterfüllten Zornschrei“ (wenn sie beispielsweise – wieder einmal – nicht wie ihre Mutter mit dem scharfen Küchenmesser hantieren darf) natürlich nicht so einfach nachgeben kann, so finde ich, macht es sehr wohl Sinn, den verschiedenen Schreien eines Neugeborenen und Babys (wenn möglich immer) Gehör zu schenken. Wie soll jemand, der weder sprechen noch gehen noch sich richtig bewegen kann, um Hilfe rufen, Hunger und Durst zum Ausdruck bringen, seine Angst kundtun oder eben einfach nur mal wieder ein bisschen Mami-Nähe einfordern? Darauf zu vertrauen und zu reagieren ist also angebracht und in meinen Augen lieber ein paar Mal zu viel, als einmal zu wenig.

Vorsicht gegenüber falschen „gut gemeinten Erziehungstipps“

Dazu bleibt kaum etwas zu sagen, denn sie sind jeder Mutter und jedem Vater bestens bekannt: Die gutgemeinten, aber viel gehassten falschen Erziehungstipps. Meistens eingebracht von Personen, die selbst gar keine Kinder haben (oder schon lange nicht mehr hatten) und natürlich immer dann, wenn man sie am wenigsten hören will, kann und sollte. Sollten sie dennoch dem ein oder anderen bisher erspart geblieben sein, hier eine Kostprobe: „Lass es doch einfach schreien“ (oft gepaart mit: „Das stärkt die Stimme“), „Du verwöhnst dein Kind“, „Du trägst sie zu viel“, äußerst beliebt auch „Der ist ein kleiner Tyrann, der tanzt dir auf der Nase herum“ oder – oft gehört, immer wieder mühsam – „Was? Du stillst immer noch?“. Solche und andere Ratschläge (oft eher schon Befehle) gibt es natürlich nicht nur von Seiten Bekannter, Verwandter oder Fremder, sondern auch aus unzähligen Magazinen, Büchern und Internetseiten. Der gesunde und „nicht-um-den-Verstand-bringende“ Umgang damit sollte in etwa wie folgt aussehen: Leben und leben lassen. Einmal mehr auf seinen Mutterinstinkt zu hören, als auf andere. Wenn weghören unvermeidbar ist, dann lieber mit Humor und einem Hauch Verständnis reagieren, als sich auf eine Diskussion einzulassen und zu riskieren, dabei den letzten Nerv zu verlieren. Diesen verschenkt man schließlich viel lieber immer wieder aufs Neue an sein Kind! 😉

Fazit von Dr. Sears (Kinderarzt, aber vor allem Vater von acht Kindern): Wenn man sich voll Vertrauen darauf einlässt und es richtig angeht, kann man eines Tages zufrieden sagen „Kleine Kinder, große Sorgen, große Kinder, kleine Sorgen“, und nicht – wie so oft gepredigt – umgekehrt.



EIN ARTIKEL VON
  • Katharina Weinlich

    Ich komme aus Südtirol, studierte Geschichte in Rom und bin vor 5 Jahren in Wien sesshaft geworden. Seit Mai 2014 bin ich Vollzeitmami. Meine Begeisterung gilt meinem Mann, unserer Tochter, dem Sommer & Sonnenschein, Pizza, den USA (Ort all meiner Reiseträume) und dem lieben Gott.


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