22. Januar 2015

Babys Baby sein lassen


Die Babyzeit ist viel kurz, sie verfliegt geradezu. Umso mehr sollte man diese genießen, auch wenn es manchmal anstrengend sein kann.

„Naaa, schläft sie schon durch?“ Ja natürlich schläft sie durch. Sie isst auch schon alles brav mit, Wiener Schnitzel, Pommes und so. Und vor ein paar Tagen hat sie mich überrascht und die ganze Wohnung für mich geputzt…

NEIN, natürlich nicht! Sie ist ein Baby. Von Durchschlafen kann keine Rede sein. Selbst die Begriffe „Nacht“ und „schlafen“ passen nicht mehr wirklich zusammen. Und essen? Das bisschen Brei, die trockene Brotrinde und das Stück Banane, das sie einmal am Tag in ihren Händen hält, sind eher eine willkommene (Spiel-)abwechslung als echte Nahrungsquelle. Was denn auch sonst, die Milchbar hat ja nach wie vor 24 Stunden an sieben Tagen die Woche geöffnet.

Wie die Zeit verfliegt

Wie gesagt, sie ist eben noch ein Baby. Aber andererseits eben auch nicht. Mit achteinhalb Monaten ist man kein wirkliches Baby mehr. Ganz ehrlich? Mit drei Monaten war im Grunde schon Schluss damit. Die Zeit verfliegt und wie das Ganze mit einem Jahr aussieht, das weiß ich noch nicht, bin ja „first time“-Mami. Aber fest steht, so lang und mühsam die Nächte und so anstrengend zum Teil die Tage auch sind, sie sind gezählt. Es handelt sich um Jahre, oder eigentlich Monate. Dann wird aus diesem Baby ein Kind, aus dem Kind ein Jugendlicher (oder kann man den Teil überspringen?) und aus dem Jugendlichen ein eigenständiger Erwachsener. So schnell wird es gehen und niemand wird mehr darum betteln beim Einschlafen unsere Hand zu halten, keiner wird mehr in Tränen ausbrechen, nur weil wir für ein paar Sekunden in der Küche verschwinden, wahrscheinlich wird uns auch niemand mehr so ansehen, als wären wir Superwoman, ja ein echter Held, nur weil wir uns hinter unseren Händen verstecken und plötzlich wie aus dem Nichts wieder auftauchen können.

Alles ändert sich mit einem Baby

Mein früheres Leben (im Grunde bis kurz vor der Geburt unserer Tochter) bestand zu einem schönen großen Teil aus wöchentlichen Kinoabenden, Restaurantbesuchen und gemütlichen Nachmittagskaffees bei Starbucks. Wie man das eben so kennt und macht und liebt. Inzwischen empfinde ich es als puren Luxus, meinen Frühstückskaffee ohne Babygeschrei und Zerren an meiner Pyjamahose auszutrinken oder auf die Toilette zu gehen und dabei die Tür zu schließen (was natürlich nur möglich ist, wenn mein Mann zuhause ist). Ganz allein in den Supermarkt zu gehen, fühlt sich an, wie ein kleiner Urlaub. Ruhe – Luxus für Mütter!

Die Babyzeit ist viel zu kurz

Aber auch hier: Wie lange wird das wohl so bleiben? Gar nicht lange. In wenigen Jahren höre ich bestimmt: „Mami, du kannst da nicht mitkommen, das ist sonst viel zu peinlich“, oder eben „Ich will noch nicht aufstehen, biiitte lass mich weiterschlafen“. Daher werde ich alles in meiner Macht stehende tun, um diese Momente mit meiner Tochter (die hoffentlich nicht unser letztes Baby sein wird…wär doch irgendwie langweilig!) zu genießen. Ihre klebrigen Hände in meinem Gesicht, nachdem sie wieder einmal eine Reiswaffel genüsslich in dessen Einzelteile zerlegt hat. Die überschwellende Freude in ihrem Gesicht, wenn sie ihr Papi an einem Sonntagmorgen (um 6? 7? Vielleicht sogar erst um 8!) eeendlich aus dem Bett holt um mit ihr zu spielen. Diese unvergleichbare Begeisterung, als könnte und würde jeder Tag auf’s Neue der schönste und beste in ihrem Leben werden. Vielleicht kann ich in dieser Hinsicht sogar noch einiges von ihr lernen…

Wie heißt es so schön: Let them be little.

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EIN ARTIKEL VON
  • Katharina Weinlich

    Ich komme aus Südtirol, studierte Geschichte in Rom und bin vor 5 Jahren in Wien sesshaft geworden. Seit Mai 2014 bin ich Vollzeitmami. Meine Begeisterung gilt meinem Mann, unserer Tochter, dem Sommer & Sonnenschein, Pizza, den USA (Ort all meiner Reiseträume) und dem lieben Gott.


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