13. März 2015

Aufstehen mit Kindern


Vor dem Wecker aufstehen – mit Kindern leicht gemacht. Sind sie klein, wollen sie den Tag frühmorgens beginnen, sind sie groß, bekommt man sie nicht wach.

Vor dem Wecker aufstehen – mit Kindern leicht gemacht

Ich spüre heute noch den Schmerz, den mir „Die kleine Raupe Nimmersatt“ beschert hat, als sie sich in mein linkes Auge bohrte. Es war ein lehrreiches, zugleich aber auch klobiges Bilderbuch mit verdammt harten Ecken. „Bitte vorlesen!“ Es ist Benedikts süßes Stimmchen, das mir zu dieser Zeit dennoch recht gepresst und hart vorkommt. „Später, es ist noch ganz finster. Komm, schlaf noch ein bisschen!“, murmle ich und versuche meinen dreijährigen Sohn zuzudecken.

Blitzschnell strampelt er sich von der Tuchent frei, ich decke ihn wieder zu, er strampelt sich wieder frei, immer und immer wieder, und mit jedem Mal wilder und jauchzender.

Das Spiel beginnt

Ein (für ihn) lustiges Spiel hat begonnen, an dessen Ende ein noch muntererer Sohn und ein noch müderer Vater zurückbleiben. „Ich bin durstig!!“ Ich stelle mich tot, Benedikt ist davon völlig unbeeindruckt, wühlt in meinen Haaren, brüllt mir ins Ohr: „Ich mag was zu trinken, biiiiiiiiiiitte!“

Also musste ich aufstehen. Ich taumle in die Küche, ziehe an der Lasche der Lattella-Packung so ungeschickt, dass Fruchtmolke über den rechten Ärmel des Pyjamas auf meine Hand rinnt. Tappe im Stockfinsteren zu meinem Kleiderkasten nach einem neuen Pyjama-Oberteil. (Es gibt nämlich kaum etwas, was ich weniger mag, als pickige Pyjama-Oberteile.) Schleiche zurück ins Schlafzimmer.

Zuerst einer, dann zwei, dann drei

Astrid hält jetzt tapfer „Die kleine Raupe Nimmersatt“ in ihren Händen, Nikolaus, der inzwischen auch wach geworden ist, fährt mit einem Matchboxauto (roter Ferrari). Driftet auf dem linken Oberschenkel meiner Frau wilde Kurven und unterstreicht akustisch eindrucksvoll, wenn er in einen niedrigeren Gang zurückschaltet: „Wuuuuuuuummm!!“ Nun sickert auch Dominik in unser Ehebett, in den kleinen Händen den großen gelben Lego-Bagger. Es ist Samstag, 6 Uhr 15, draußen tiefe Finsternis und Stille, drinnen gleißendes Licht und helles Kinderlachen. Die Stimmung (der Kleinen) ist ausgesprochen gut.

Zwanzig Jahre später

Samstag Mittag, die Suppe steht auf dem Tisch – nur die großen Knaben fehlen. Also gehe ich in ihre Zimmer, Sonnenstrahlen durchfluten sie. Irgendwie bin ich immer noch gerührt, wie sie so friedlich daliegen, deshalb sage ich mit milder Stimme: „Aufstehen, liebe Kinder, das Essen ist fertig!“ Mein Erfolg ist bescheiden: Meine Söhne rühren sich nicht. Also brülle ich: „Aufstehen!!!“ Benedikt und Nikolaus sind weiterhin völlig unbeeindruckt, zeigen keinerlei Reaktion. Dritter Versuch: Die brutale Methode! Ich reiße ihnen die Bettdecke vom Körper und ziehe sie in eine einigermaßen vertikale Lage hoch. Nur ja nicht die Nerven verlieren, denke ich, nur jetzt keine Grundsatzdiskussion beginnen über Schlaf- und Aufstehgewohnheiten.

Leicht haben es die Kinder nicht mit ihren Erzeugern. Sind sie klein und wollen sie frühmorgens (vorwiegend am Wochenende) voller Tatendrang den Tag beginnen, werden sie mit allerlei Tricks (sanftes im Arm-Wiegen, Vorsingen langweiliger Kinderlieder, Vertrösten auf später) daran gehindert. Sind sie groß, dürfen sie nicht ausschlafen, sondern sollen (um 13 Uhr) Mittagessen. Nie können sie es Eltern recht machen!
Tipps:

  • Wenn Sie sicher gehen wollen, dass Ihre Kinder tatsächlich aufstehen, vertrauen Sie auf keinen Wecker. Auch die lautesten Klingeltöne (Schiffs-, Feuerwehr-, Polizeisirenen) verhallen ungehört.
  • Bleiben Sie so lange im Zimmer, bis sich Ihr Kind aus dem Bett gewälzt hat. Verhalten Sie sich in dieser ganz besonders kritischen Phase völlig unauffällig und schweigend.
  • Vermeiden Sie am Morgen jegliche Grundsatzdiskussion und denken Sie daran, wie es sein wird, wenn kein Kind mehr im Haus ist.

Siehe auch: Schlaflose Nächte – Teil des Elterndaseins

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EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


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