8. Juli 2016

Achtfacher Vater: “Es ist das Leben in Fülle”

Achtfacher Vater - meinefamilie.at

Ob seine acht Kinder alle von derselben Frau seien, werde er ständig gefragt. Und wie das zu schaffen sei, man ist doch selbst schon mit zwei Kindern gefordert. Der achtfache Familienvater Michael Prüller erzählt bei „Theologie vom Fass“ über das „Leben in Fülle“, das eine kinderreiche Familie bereitet, wie es dazu gekommen ist und wie es sich damit leben lässt.

Das Schema ist immer dasselbe. Wenn Michael Prüller bei einem Abendessen jemanden kennenlernt und auf Nachfrage erzählt, dass er acht Kinder hat, ist die typische Reaktion: „Alle von derselben Frau?“ Prüller ist achtfacher Vater und wurde vom Team der Vortragsreihe „Theologie vom Fass“ im Juni 2016 eingeladen, um darüber zu sprechen.

Wie ist das?, fragen die Leute als Nächstes, wenn sie von einer so großen Familie hören. „Es ist wirklich das Leben in Fülle“, betont Prüller.

„Unter acht Kindern gibt es immer ein Kind, das einem besondere Sorgen macht, aber auch immer ein Kind, das einem besondere Freude macht.“

Natürlich ist es auch eine besondere Herausforderung, aber: „Die eigentliche Schwierigkeit ist nicht, dass man so viele Kinder hintereinander hat – es ist kein großer Unterschied, ab man für zwei, vier oder acht Kinder Mittagessen macht. Das Problem ist eigentlich, dass man so lange Zeit hindurch Kinder zuhause hat. Wir haben 20 Jahre lang ununterbrochen pubertierende Kinder im Haus. Das ist dann schon ganz schön anstrengend.“

Das Leben ist nicht anders, ob zwei oder acht Kinder

Michael Prüller und seine Frau werden regelmäßig gefragt, wie sie das mit acht Kindern bloß machten – „wir sind ja schon mit zwei oder drei Kindern überfordert.“ Prüller relativiert: „Meine Frau sagt, am meisten überfordert war sie mit dem ersten Kind. Das ist die große Umstellung im Leben. In meiner Wahrnehmung war sie am meisten gefordert, als sie das zweite Kind erwartet hat. Doch ab dann hat sich das nicht mehr geändert. In meiner Erinnerung war das Leben mit zwei Kindern nicht einfacher als jetzt. Im Gegenteil, es gibt eine wunderbare Entschädigung! Wenn z.B. ein einziges Kind auf Skikurs gefahren ist, hat meine Frau das Gefühl gehabt, sie muss ja nicht einmal mehr kochen, es ist ja ‚niemand mehr zuhause‘. Das ist schon ganz faszinierend: Wenn ein Kind fehlt, hat man das Gefühl, die halbe Kinderschar ist aus dem Haus.“

Kaum ein Kind geplant, aber willkommen

Warum entscheidet sich ein Paar überhaupt für acht Kinder? „Wenn VW ein Erfolgsmodell hat, reproduziert es das zwei Millionen Mal, wir sind eh mit acht ganz bescheiden“, scherzt Michael Prüller. Ganz ernsthaft stellt er fest: „Nicht, weil es uns passiert ist. Ich würde jetzt sagen, keines unserer Kinder war geplant – zumindest nicht von mir – aber jedes von ihnen war willkommen. Eine kinderreiche Familie ist eine Familie, wo im Herz immer noch Platz für ein weiteres Kind ist. Es war für uns keine Pflicht als Katholiken, möglichst viele Kinder zu bekommen. Es war nicht, dass wir über Verhütung nicht Bescheid gewusst haben oder so ungeschickt waren. Es ist uns nicht passiert, sondern es ist wirklich reine Freude.“

Mit dieser Freude schwärmt Prüller von der Zeit zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr eines Kindes, einer Zeit, die „mit nichts zu vergleichen ist“, in der der Geist des Kindes aufblüht. Da hätten es aber die berufstätigen Väter auch besonders schön: „Wenn man abends nach Hause kommt, ist das wunderbar – man hat den ganzen Tag keine Windeln wechseln müssen, nicht versuchen müssen, mit einem Löffel, von dem alles heruntertropft, dem Kind irgendwie das halbe Hippglas ins Gesicht zu stopfen – und da erwartet einen ein Kind, das schon wieder zwei neue Worte kann, schon wieder eine neue Fertigkeit kann, plötzlich laufen kann, hüpfen kann, einem ein Gedicht aufsagen kann.“ Jedes Mal, wenn Michael Prüller und seine Frau diese „Wahnsinnszeit“ genossen haben, haben sie sich gesagt: Das soll nicht das letzte Mal in ihrem Leben gewesen sein.

„Wir waren bis zu einem gewissen Grad unersättlich, was Kinder betroffen hat“, erzählt Prüller. „Ich bin bis zu einem gewissen Grad auch erblich belastet und meine Frau hat mir einfach vertraut, dass das irgendwie gehen wird.“

Vertrauen in Gottes Familienplanung

Dieses Vertrauen war auch wichtig, um die Aufgabe der großen Familie überhaupt auf sich nehmen zu können. „Irgendwann gab es die Zeit, wo wir dazu gefunden haben, dass wir dem lieben Gott unsere Familienplanung anvertraut haben. Da hat die weitaus beste Zeit unserer Ehe angefangen. Eine unglaubliche Zeit der Freiheit, wo man nicht mehr überlegen muss: ‚Schaffen wir das, was wir uns vorgenommen haben?‘  Sondern: ‚Gibt der Herr ein Haserl, gibt er auch das Graserl.‘ Wir werden das schaffen können, weil uns der liebe Gott nicht in etwas hineinjagen wird, das wir nicht schaffen“, erzählt Prüller.

In diesen Jahren habe sich auch „für uns alles bestätigt, was die Kirche lehrt, was das Leben als Ehepaar mit Kindern an Freiheit und Lebensfreude bringt.“ Das Gottvertrauen werde außerdem wichtiger, je größer die Kinder werden.

Die Erfahrung ‚kleine Kinder – kleine Sorgen, große Kinder – große Sorgen‘ haben Prüller und seine Frau ausführlich gemacht – Gottvertrauen ist die Stütze.

Achtfacher Vater: Freude überwiegt das Opfer

Wenig Geld, wenig Zeit, viele Sorgen – dass für Michael Prüller und seine Frau die große Familie vor allem Freude bedeutet, liegt an der an „Leichtsinn grenzenden Unbekümmertheit“, die sie hätten. Dafür brauche es das Gottvertrauen oder „zumindest die vage Idee, dass es funktionieren könnte“.

Viele Kinder seien zudem ein Garant für das Unvorhergesehene. „Man muss das Leben als Abenteuer sehen können, als Aufgabe sehen können und die Ehe als Berufung wahrnehmen können.“ Den Partner also als Lebensaufgabe sehen und damit die Beziehung als eine auf Dauer, nicht auf Zeit. In eine solche Beziehung „kann man investieren, die kann man auch mit vielen Kindern belasten. Weil man nicht darüber nachdenken muss.“ Damit das Familienleben mit vielen Kindern gelingt, müssten sich beide Eltern über diesen Weg einig sein.

„Wenn jemand die Versuchung hat zu sagen, ich habe meinen Kindern die besten Jahre meines Lebens geopfert, dann ist es eine Einstellung, mit der es nicht gehen wird, weil das Opfer zu groß ist.“

Wichtig ist Michael Prüller und seiner Frau die Loyalität. „Wir haben uns vorgenommen, uns für unsere Kinder nie zu genieren. Oder für den Ehepartner. Man darf sich auch nicht wundern, wenn die Ehefrau nach dem achten Kind nicht mehr genauso fit ist wie vor dem ersten, oder dass der Ehemann entweder keine Karriere macht, weil er viel zuhause ist oder nie zuhause ist, weil er acht Kinder ernähren muss.“ Können Eltern überhaupt die Zeit für jedes der acht Kinder aufbringen?, fragt ein Zuhörer. Natürlich nicht, Zeit könne man nie genug haben, aber: „Es gibt nichts Schöneres als Geschwister, die einander helfen. Das kompensiert hoffentlich, was die Eltern zu wenig an Zeit haben.“

Viele Kinder zu haben ist ein Lebensweg

Zum Thema, wer für den Weg vieler Kinder geeignet ist, zitiert Prüller abschließend Papst Franziskus: „Niemand hat die Pflicht, sich wie Karnickel zu vermehren.“ Kinderreichtum ist dann ein Segen, wenn man ihn als Freude betrachten kann und nicht als Pflicht.  Es ist kein Weg für jemanden, der sich leicht Sorgen macht, der die Nerven nicht hat, der die Kraft nicht hat, der eine andere Berufung spürt – jeder andere Lebensweg kann auch Leben in Fülle sein. Aber: „Meine eigene Erfahrung: Wenn man die Möglichkeit hat zu sagen, ich lasse mich so reich mit Kindern beschenken, wie es der Schenker für möglich hält, dann ist das eine wunderbare Sache.“

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EIN ARTIKEL VON
  • Lucia Reinsperger

    Bevor ich journalistisch tätig wurde, machte ich die Ausbildung zur Kindergarten- und Hortpädagogin, leitete verschiedene Kindergruppen und arbeitete als Medienpädagogin. Nach Abschluss meines Journalismus-Studiums unterstütze ich nun mit Freude die Redaktion von meinefamilie.at.


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