29. Juli 2015

Abenteuer Elternschaft – Grundprinzipien der Erziehung


Folgende Grundprinzipien sollten bei der Erziehung beachtet werden – Erziehung, die auch aus Eltern bessere Menschen macht.

Basierend auf einem Vortrag von P. Luc Emmerich, Juli 2015.
Wenn wir Kinder bekommen, wird aus unserer Liebe Leben. Großartig! Aber dieses neue Leben bringt uns oft an unsere Grenzen. Und an Grenzen zu stoßen tut weh. Die Lösung liegt darin, solche Erfahrungen als Aufruf verstehen, mehr zu lieben, geduldiger zu werden, tiefer in Beziehung zu treten und stärker auf Gott zu vertrauen.

Folgende Grundprinzipien sollten bei der Erziehung beachtet werden:

Sich an den eigentlichen Grund erinnern, warum wir Kinder haben

Warum haben wir Kinder? Was ist unsere erste Absicht? Altersvorsorge? Sinnsuche? Oder finden wir Babies einfach herzig? Nein! Unsere erste Absicht ist das Wohl unserer Kinder! Wir wollen sie glücklich machen. Elternschaft ist ein Dienen. Hier liegt der Unterschied zwischen Autorität und Macht: Macht verfügt über ein Eigentum – Autorität ist ein Dienen, selbst wenn dabei ein Machtwort gesprochen werden muss.

Zeit, Liebe, Aufmerksamkeit schaffen moralische Autorität, der man oft auch ohne Zwang gehorcht. Glück empfängt man, man kann es sich nicht nehmen: Man findet das Glück nur, wenn man es nicht sucht.

Die Nähe als Paar und Eltern vertiefen

Die Kinder brauchen und suchen die Liebe und das Einssein der Eltern. Worte fallen dann nicht auf fruchtbaren Boden, wenn unterbewußt Spaltung empfunden und erlebt wird. Als Eltern eins zu sein ist ein Dienst an den Kindern. Das Beste, was Eltern für ihre Kinder tun können, ist es, einander zu lieben.

Maßstäbe setzen und die Kinder bewusst anleiten

Als Eltern müssen wir aktiv erziehen wollen. „Die Schule macht das schon“, ist zu wenig. In der Erziehung gibt es keine Abkürzungen. Zu oft handeln wir zwar nach Instinkt aber doch unüberlegt. Es ist unerlässlich zu überlegen und zu definieren, welche Regeln, welcher Rahmen unser Standard sein soll. Beide Elternteile müssen hier unbedingt an einem Strang ziehen und konsequent sein. Konsequenzen umzusetzen kann manchmal auch dem Erzieher weh tun. Aber wer nachgibt, denkt letztlich nur an sich selbst. Das Wohl des Kindes erfordert die Konsequenz – und sogar das Kind wünscht sich eigentlich diesen stabilen, berechenbaren Rahmen.

Wenn wir einem Kind sagen, was es anders machen sollte, und sogar wenn wir es zurechtweisen, sollen wir ihm immer das Warum und das Wozu erklären. Wir müssen die Intelligenz der Kinder in die Erziehung mit hineinnehmen!

Vorbild sein

Ein böses Sprichwort sagt: „Es ist sinnlos, die Kinder zu erziehen, sie machen uns sowieso alles nach.“ Schwester Elvira, Gründerin des Cenacolo, sagte: „In der Erziehung gibt es drei Regeln: Vorbild sein, Vorbild sein, Vorbild sein.“ Mehr als durch unsere Worte erziehen wir durch all das, was wir selbst sind und tun.

Vatersein bewusst leben

Jeder kennt den Titel „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“. Gerade heute, wo Identität und Unterschiedlichkeiten der Geschlechter teils vergraben oder oft sogar abgelehnt werden, ist es wichtig, dass sich ein Vater traut, Vater zu sein. Viele Verletzungen der Kinder stammen aus dem Fehlen des Vaters.

Was kann ein Vater tun? In zwei Worten: Zeit schenken. Je nach Alter und Kind sieht Zeit schenken verschieden aus. Babies brauchen Zärtlichkeiten. Für kleine Kinder ist Spielzeit unendlich wertvoll, die für uns Eltern vielleicht langweilig ist. Dennoch tun wir es aus Liebe. Wenn Kinder größer werden, brauchen sie Anerkennung und Ermutigung. Geschenke werden heutzutage inflationär verteilt – außer, sie kommen aus der Liebe heraus. Das sind dann Geschenke, die überlegt sind und die das Kind ernst nehmen (dazu empfehlen wir das Buch Fünf Sprachen der Liebe / bzw. fünf Sprachen der Liebe bei Kindern)

Leben wir also unser Mannsein – und auch unser Frausein in der heutigen Zeit besonders bewusst – für unsere Kinder und für uns selbst.

Wer besondere Schwierigkeiten mit Teenagern hat, sollte sich an eines erinnern: Ein Teenager sieht oft rau aus, aber innen drinnen ist er noch das gleiche Kind. Ein Teenager testet die Liebe der Eltern: „Ich war bisher wie du. Nun muss ich anders sein um zu überleben. Liebst du mich weiter?“ Die einzige Wand, die der Teenager hat, um dagegen zu laufen, sind die Eltern. Lieben wir sie ungebrochen auch in dieser Lebensphase. Denn Erziehung ist eine Lebensaufgabe, die dann gelungen ist, wenn sie auch uns Eltern erzogen und zu besseren Menschen gemacht hat.

Weitere Texte von P. Luc Emmerich: Gott schuf den Menschen als Sein Abbild, als Mann und Frau schuf Er sie

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EIN ARTIKEL VON
  • Gudrun Kugler

    Ich bin Juristin, Theologin und Mutter von vier Kindern. Im Wiener Landtag und Gemeinderat bin ich Politikerin, leite die Online-Dating-Agentur www.KathTreff.org für katholische Singles und bin Autorin von Büchern über Menschenrechte sowie Lebensfragen, z.B. „Niemand ist eine Insel – wie man den Partner fürs Leben findet“.


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