24. Juni 2016

14 Erziehungstipps von Papst Franziskus

Erziehungstipps von Papst Franziskus - meinefamilie.at

Von Wertevermittlung bis Sexualerziehung: Papst Franziskus schreibt in „Amoris laetitia“, wie die Erziehung der Kinder gestärkt werden kann. Eine Auswahl an 14 Erziehungstipps.

In den Vordergrund stellt der Papst die moralische Entwicklung, die bewusst oder unbewusst, zum Guten oder Schlechten sowieso passiere. Er rät den Eltern: „Deswegen ist es am besten, wenn sie diese unausweichliche Aufgabe akzeptieren und sie bewusst, begeistert, vernünftig und sachgerecht erfüllen. Da diese Erziehungsaufgabe der Familien so bedeutend ist und sehr kompliziert geworden ist, möchte ich speziell auf diesen Punkt ausführlicher eingehen.“ (259)

#1 Zeit mit den Kindern verbringen

Bei allen neuen Technologien und Geräten, die Kinder unterhalten, betont Papst Franziskus die Zeit, die Familien ohne alldem miteinander verbringen sollen. „Die Familie darf nicht aufhören, ein Ort des Schutzes, der Begleitung, der Führung zu sein, auch wenn sie ihre Methoden neu erfinden und neue Mittel heranziehen muss.

Man muss sich überlegen, welchen Dingen man seine Kinder aussetzen will.

Darum ist es unumgänglich, sich zu fragen, wer sich darum kümmert, ihnen Spaß und Unterhaltung zu verschaffen, wer über die Bildschirme in ihre Wohnungen eindringt, welcher Führung man die Kinder in ihrer Freizeit überlässt.“ (260)

#2 Kindern Freiheit lassen

Der Papst spricht sich für Gelassenheit in der Erziehung aus und dafür, Kindern Freiräume zu geben:

„Übertriebene Sorge erzieht nicht und man kann nicht alle Situationen, in die ein Kind geraten könnte, unter Kontrolle haben.

Hier gilt das Prinzip: » Die Zeit ist mehr wert als der Raum «.[291] Das heißt, es geht mehr darum, Prozesse auszulösen, als Räume zu beherrschen. Wenn ein Vater versessen darauf ist zu wissen, wo sein Sohn ist, und alle seine Bewegungen zu kontrollieren, wird er nur bestrebt sein, dessen Raum zu beherrschen. Auf diese Weise wird er ihn nicht erziehen, er wird ihn nicht stärken und ihn nicht darauf vorbereiten, Herausforderungen die Stirn zu bieten. Worauf es ankommt, ist vor allem, mit viel Liebe im Sohn Prozesse der Reifung seiner Freiheit, der Befähigung, des ganzheitlichen Wachstums und der Pflege der echten Selbständigkeit  auszulösen.“ (261)

#3 An die Kinder glauben

Die moralische Erziehung dürften Eltern nie völlig aus der Hand geben, argumentiert der Papst, und dafür brauchen Kinder die Erfahrung, dass ihre Eltern vertrauenswürdig seien. „Das stellt eine Verantwortung auf dem Gebiet der Erziehung dar: mit der Zuneigung und dem eigenen Vorbild Vertrauen in den Kindern zu wecken, ihnen einen liebevollen Respekt einzuflößen. Wenn ein Kind nicht mehr spürt, dass es seinen Eltern kostbar ist, obwohl es unvollkommen ist, oder wenn es nicht wahrnimmt, dass sie ehrlich um es besorgt sind, erzeugt das tiefe Verwundungen, die viele Schwierigkeiten in seiner Reifung verursachen.“ (263)

#4 Gutes Handeln fördern

Überzeugungen allein reichen nicht, um auch danach zu handeln. „Oft sind wir inkonsequent mit unseren eigenen Überzeugungen, selbst wenn diese gefestigt sind. Sosehr unser Gewissen uns ein bestimmtes moralisches Urteil eingibt, haben hin und wieder andere uns anziehende Dinge mehr Macht, wenn wir es nicht erreicht haben, dass das vom Verstand erfasste Gute sich als tiefe gefühlsmäßige Neigung in uns eingewurzelt hat. Es ist dann wie ein Wohlgefallen am Guten, das schwerer wiegt als andere Attraktionen, und es führt uns zu der Einsicht, dass das, was wir als gut erfassen, auch „für uns“ hier und jetzt gut ist.

Eine wirkungsvolle ethische Erziehung bedeutet, dem Menschen zu zeigen, wie weit es ihm selbst nützlich ist, gut zu handeln.

Heute ist es gewöhnlich wirkungslos, etwas zu verlangen, das Anstrengung und Verzicht erfordert, ohne deutlich das Gute zu zeigen, dass man damit erreichen kann. (265)

#5 Gewohnheiten entwickeln

„Es ist notwendig, Gewohnheiten zu entwickeln. Auch die Angewohnheiten, die man sich seit der Kindheit angeeignet hat, haben eine positive Funktion, da sie dazu verhelfen, dass die großen verinnerlichten Werte sich in gesunden und gefestigten äußeren Verhaltensweisen niederschlagen. Es kann jemand eine verträgliche Gesinnung und eine gute Bereitschaft gegenüber den anderen haben, wenn er sich aber nicht über lange Zeit durch die Eindringlichkeit der Erwachsenen daran gewöhnt hat, „bitte“, „darf ich?“ und „danke“ zu sagen, wird seine gute innere Bereitschaft schwerlich in diesen Formen zum Ausdruck kommen. Die Stärkung des Willens und die Wiederholung bestimmter Handlungen bilden die moralische Grundhaltung, und ohne die bewusste, freie und gewürdigte Wiederholung bestimmter guter Verhaltensweisen kommt man mit der Erziehung zu besagter Grundhaltung nicht zum Ziel.“ (266)

#6 Konsequenzen setzen

Während das gute Handeln verstärkt und in Gewohnheiten eingeübt werden soll, brauchen schlechte Taten Konsequenzen. „Zudem ist es unerlässlich, das Kind oder den Heranwachsenden zu sensibilisieren, damit er merkt, dass die schlechten Taten Folgen haben.

Man muss die Fähigkeit wecken, sich in die Lage des anderen zu versetzen und sein Leiden schmerzlich zu empfinden, wenn man ihm wehgetan hat.

Einige Strafen – für unsoziales, aggressives Verhalten – können diesen Zweck teilweise erfüllen. Es ist wichtig, das Kind mit Nachdruck dazu zu erziehen, um Verzeihung zu bitten und den Schaden, den es anderen zugefügt hat, wieder gutzumachen.“ (268)

#7 Liebevoll zurechtweisen

„Ein liebevoll zurechtgewiesenes Kind fühlt sich beachtet, nimmt wahr, dass es jemand ist, und merkt, dass seine Eltern seine Möglichkeiten anerkennen. Das erfordert nicht, dass die Eltern makellos sind, sondern dass sie demütig ihre Grenzen einzugestehen wissen und ihre eigenen Bemühungen zeigen, sich zu bessern. Doch eines der Zeugnisse, die die Kinder von den Eltern brauchen, ist, dass sie sich nicht vom Zorn leiten lassen. Das Kind, das eine schlechte Tat begeht, muss zurechtgewiesen werden, aber niemals wie ein Gegner oder wie der, an dem man die eigene Aggressivität auslässt. Außerdem muss ein Erwachsener anerkennen, dass einige schlechte Taten mit der Anfälligkeit und den Grenzen zu tun haben, die für ein bestimmtes Alter typisch sind.“ (269)

#8 Kleine Forderungen stellen

Papst Franziskus spricht vom notwendigen „geduldigen Realismus“: „Die moralische Erziehung beinhaltet, von einem Kind oder einem Jugendlichen nur das zu verlangen, was für ihn kein unverhältnismäßig großes Opfer bedeutet, und von ihm nur ein Maß an Anstrengung einzufordern, das keinen Unwillen auslöst oder rein erzwungene Handlungen veranlasst. Der gewöhnliche Weg besteht darin, kleine Schritte vorzuschlagen, die verstanden, akzeptiert und gewürdigt werden können und einen proportionierten Verzicht einschließen. Durch übermäßiges Fordern erreichen wir dagegen nichts: Sobald der Mensch sich von der Autorität befreien kann, wird er wahrscheinlich aufhören, gut zu handeln.“ (271)

#9 Warten lernen

„In dieser Zeit, in der die Ängstlichkeit und die Hast der Technik regieren, besteht eine äußerst wichtige Aufgabe der Familien darin, zur Fähigkeit des Abwartens zu erziehen. Es geht nicht darum, den Kindern zu verbieten, mit den elektronischen Geräten zu spielen, sondern darum, die Form zu finden, um in ihnen die Fähigkeit zu erzeugen, die verschiedenen Denkweisen zu unterscheiden und nicht die digitale Geschwindigkeit auf sämtliche Lebensbereiche zu übertragen. Der Aufschub bedeutet nicht, einen Wunsch abzulehnen, sondern seine Befriedigung zu verschieben. Wenn die Kinder oder die Jugendlichen nicht dazu erzogen sind, zu akzeptieren, dass einige Dinge warten müssen, werden sie zu rücksichtslosen Menschen, die alles der unmittelbaren Befriedigung ihrer Bedürfnisse unterwerfen, und wachsen mit dem Laster des „Ich will und ich bekomme“ auf.“ (275)

#10 Soziales Lernen fördern

„Die Familie ist der Bereich der primären Sozialisierung, denn sie ist der erste Ort, wo man lernt, gegenüber dem anderen eine Stellung zu beziehen, zuzuhören, mitzufühlen, zu ertragen, zu respektieren, zu helfen und zusammenzuleben. Es ist die Aufgabe der Erziehung, das Empfinden der Welt und der Gesellschaft als einer Familie zu wecken; es ist eine Erziehung, die befähigt, jenseits der Grenzen des eigenen Hauses zu „wohnen“. Im familiären Kontext wird gelehrt, Dinge wie den Sinn für Nachbarschaft, die Umsicht, das Grüßen wiederzuerlangen. Dort wird der erste Kreis des tödlichen Egoismus aufgebrochen, um zu erkennen, dass wir gemeinsam mit anderen leben, mit anderen, die unsere Aufmerksamkeit, unsere Freundlichkeit und unsere Zuneigung verdienen.“ (276)

#11 Gemeinsam durch Krisen gehen

„Die schwierigen und harten Momente im Familienleben können ebenfalls sehr erzieherisch wirken. Das geschieht zum Beispiel, wenn eine Krankheit eintritt, denn » angesichts der Krankheit entstehen auch in der Familie Schwierigkeiten aufgrund der menschlichen Schwäche. Aber im Allgemeinen stärkt die Zeit der Krankheit die familiären Bindungen […] Eine Erziehung, die gegen die Einfühlsamkeit für die menschliche Krankheit abschirmt, verhärtet das Herz. Und sie führt dazu, dass die Kinder gegenüber dem Leiden anderer „narkotisiert“ werden, unfähig, sich mit dem Leiden auseinanderzusetzen und die Erfahrung der Grenze zu machen. «[295] (277)

#12 Technologien sinnvoll einsetzen

„Die erzieherische Begegnung zwischen Eltern und Kindern kann durch die immer raffinierteren Kommunikations- und Unterhaltungstechnologien sowohl erleichtert als auch beeinträchtigt werden. Wenn sie gut verwendet werden, können sie nützlich sein, um die Familienmitglieder trotz der Entfernung miteinander zu verbinden. Die Kontakte können häufig sein und helfen, Schwierigkeiten zu lösen.[296] Es muss aber klar sein, dass sie die Notwendigkeit des persönlicheren und tieferen Gesprächs, das den physischen Kontakt oder zumindest die Stimme der anderen Person verlangt, weder ersetzen, noch ablösen. Wir wissen, dass diese Mittel manchmal voneinander entfernen, statt einander zu nähern, wie zum Beispiel wenn zur Essenszeit jeder mit seinem Mobiltelefon herumspielt oder wenn einer der Ehegatten einschläft, während er auf den anderen wartet, der sich stundenlang mit irgendeinem elektronischen Gerät die Zeit vertreibt. Auch das muss in der Familie Anlass zu Gesprächen und Abmachungen sein, die erlauben, der Begegnung ihrer Mitglieder den Vorrang einzuräumen, ohne in unvernünftige Verbote zu fallen.

Jedenfalls darf man die Gefahren der neuen Kommunikationsformen für die Kinder und Jugendlichen, die manchmal zu willensschwachen, von der realen Welt abgeschotteten Wesen werden, nicht ignorieren. Dieser „technische Autismus“ setzt sie leichter den Machenschaften derer aus, die versuchen, mit egoistischen Interessen in ihr Innerstes einzudringen.“ (278)

#13 Ja zur Sexualerziehung

„Es ist schwierig, in einer Zeit, in der die Geschlechtlichkeit dazu neigt, banalisiert zu werden und zu verarmen, eine Sexualerziehung zu planen. Sie könnte nur im Rahmen einer Erziehung zur Liebe, zum gegenseitigen Sich-Schenken verstanden werden. Auf diese Weise sieht sich die Sprache der Geschlechtlichkeit nicht einer traurigen Verarmung ausgesetzt, sondern wird bereichert. Der Sexualtrieb kann geschult werden in einem Weg der Selbsterkenntnis und der Entwicklung einer Fähigkeit zur Selbstbeherrschung, die helfen können, wertvolle Fähigkeiten zur Freude und zur liebevollen Begegnung zu Tage zu fördern. (…) Die Sexualerziehung bietet Information, jedoch ohne zu vergessen, dass die Kinder und die Jugendlichen nicht die volle Reife erlangt haben. Die Information muss im geeigneten Moment kommen und in einer Weise, die der Phase ihres Lebens angepasst ist. (…) Eine Sexualerziehung, die ein gewisses Schamgefühl hütet, ist ein unermesslicher Wert, auch wenn heute manche meinen, das sei eine Frage anderer Zeiten. (…) Die Sexualerziehung muss auch die Achtung und die Wertschätzung der Verschiedenheit einbeziehen, die jedem die Möglichkeit zeigt, die Einschließung in die eigenen Grenzen zu überwinden, um sich der Annahme des anderen zu öffnen.“ (280-282, 285)

#14 Den Glauben weitergeben

„Die Erziehung der Kinder muss von einem Weg der Glaubensweitergabe geprägt sein. Das wird erschwert durch den aktuellen Lebensstil, durch die Arbeitszeiten und durch die Kompliziertheit der Welt von heute, wo viele einen hektischen Rhythmus leben, um überleben zu können.[306]

Trotzdem muss das Zuhause weiter der Ort sein, wo gelehrt wird, die Gründe und die Schönheit des Glaubens zu erkennen, zu beten und dem Nächsten zu dienen.

Das beginnt mit der Taufe, wo – wie der heilige Augustinus sagte – die Mütter, die ihre Kinder bringen, » an der heiligen Geburt mitwirken «.[307] Danach beginnt der Weg des Wachstums dieses neuen Lebens. Der Glaube ist ein Geschenk Gottes, das in der Taufe empfangen wird, und nicht das Ergebnis eines menschlichen Tuns, doch die Eltern sind Werkzeuge Gottes für seine Reifung und Entfaltung. » Es ist schön, wenn Mütter ihre kleinen Kinder anleiten, Jesus oder der Gottesmutter einen Kuss zu senden. Wie viel Zärtlichkeit liegt darin! In jenem Augenblick wird das Herz der Kinder zu einem Ort des Gebets. «[308] Die Weitergabe des Glaubens setzt voraus, dass die Eltern die wirkliche Erfahrung machen, auf Gott zu vertrauen, ihn zu suchen, ihn zu brauchen. Denn nur auf diese Weise verkündet ein Geschlecht dem andern den Ruhm seiner Werke und erzählt von seinen gewaltigen Taten (vgl. Ps 145,4), nur so erzählt der Vater den Kindern von Gottes Treue (vgl. Jes 38,19). Das erfordert, dass wir das Handeln Gottes in den Herzen, dort, wo wir nicht hingelangen können, erflehen.“ (287)

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