15. Januar 2020

Die Kunst, keine perfekte Oma zu sein

die kunst, keine perfekte oma zu sein

Ich bin Oma geworden. Ich habe keinen grauen Dutt und keine Zeit zum Stricken. Ich habe ein Enkelkind, das ist wunderbar. Ansonsten bin ich ganztags arbeitende Mutter eines Teenagers.

„Und wie geht es dir damit“, fragte mich eine gute Freundin, als ich ihr die Neuigkeit unterbreitete. „Fühlst du dich jetzt alt?“ Ich hatte mit allem gerechnet: Neid, Eifersucht, Desinteresse bei der kinderlosen Gleichaltrigen, aber nicht damit. Meine Freundin blieb nicht die einzige Fünfzigjährige, die meine neue Lage so kommentierte. „Wenigstens siehst du nicht wie eine Oma aus….“, „Man könnte dich ja für die Mama halten, es gibt ja auch ältere Mamas…“

Kinder machen alt und Enkelkinder noch älter – Warum?

Nun ja,  ich bin 53 und meine Tochter ist mit knapp 26 nun nicht gerade eine Teenager-Mum. Im Übrigen war ich genauso alt, als sie auf die Welt kam und damals war das das durchschnittliche Alter für das erste Kind.  Offensichtlich hat sich da die Einstellung geändert, Kinder machen alt und Enkelkinder noch älter …. Warum eigentlich?

Stimmt schon, Kinder machen einen erst mal „erwachsen“, vor allem wenn man es bis 30 nicht war, aber Enkelkinder halten einen jung….  das war wohl noch nie anders. Mit meinem Enkelkind werde ich Lego spielen und schwimmen gehen und ich darf mir endlich wieder die Kindervorstellungen im Theater anschauen oder die Kinder-Märchen im Kino.

Und wer sagt uns ständig, wann nun wirklich der perfekte Zeitpunkt ist,  Mutter oder Vater, Oma oder Opa zu werden. Haben nicht zu viele schon ihr Leben damit vergeudet, auf den rechten Zeitpunkt zu warten, der doch ständig da war und dann ist er für sie nie gekommen.

Und wer sagt, was eine perfekte Oma ist?

Eine Freundin – freilich eine mit Kindern –  hat mir beim ersten Baby das Buch „Die Kunst keine perfekte Mutter zu sein“ geschenkt. Es hat mich vier Kinder lang begleitet und immer wieder mal zum Hinterfragen meines eigenen Perfektionismus gebracht. Eine Familienwohnung muss nicht immer aussehen wie im Möbelhauskatalog und wenn es mal schnell gehen soll, darf es auch Tiefkühlpizza geben, das nächste Mal wird wieder gesund gekocht!

In einem Kinder-Auto dürfen Brösel auf den Hintersitzen liegen, aber auf den Lesersitzen im Opa-Auto geht es auch mal ohne Keks. Der Papa und heutige Opa hatte dabei auch nie Skrupel, das Auto ungesaugt und die Kinder in den dreckigen Stiefeln zu lassen.

Wir hatten uns spätestens beim dritten Kind an ein bisschen Chaos gewöhnt.

Ja, eine unfrisierte Mutter mit löchriger Seidenstrumpfhose kann völlig perfekt sein, aber es kann auch eine gestylte Frau im Kostüm eine wunderbare Mutter sein. Vergessen wir die Klischees und schauen wir auf die Kinder!

Genauso ist es mit uns Omas. Ich werde auch keine perfekte Oma sein, denn meine Torten sind unförmig, ich kann keine Nähmaschine bedienen und mein Musikgeschmack ist etwas ungewöhnlich. Aber wer sagt denn schon, was für mein Enkelkind, meine Enkelkinder „perfekt“ ist?

Was, wenn es gar keine Zuckerguss-Torten mag und gern mit mir „Nini aus Wien“ hört? Hauptsache, beide Seiten fühlen sich wohl in ihrer Haut!

Die freundliche Dutt-Trägerin, die perfekte Kekse bäckt, und die flippig gekleidete, berufstätige Oma … sie sind für ihre Enkel gleich viel wert, wenn sie sie lieben und für sie da sind, wenn sie gebraucht werden.

 

 



EIN ARTIKEL VON
  • Kerstin Kordovsky

    Ich bin verheiratet mit einem Religions- und Geschichtelehrer und Mutter von 4 Kindern und habe ein Enkelkind. Familie ist für mich das Netz, auf das ich mich verlasse, die Menschen, die ich liebe, der Ort, an dem man auch eine Krise überwinden kann. Seit 27 Jahren stecke ich meine Energieüberschüsse in die Öffentlichkeitsarbeit der Aktion Leben Salzburg.


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