18. April 2018

Das ewige Leid der Hausaufgaben

hausaufgaben - meinefamilie.at

Es gibt ein Thema, das bei Eltern an der Tagesordnung steht. Auch untereinander diskutieren sie darüber. Hausaufgaben sind entweder manchmal „zu wenig“ oder meist „zu viel“. Doch das wahre Problem liegt woanders.

Am Anfang war es ein Desaster. Als unsere „Große“ einschulte gewöhnte sie sich nur schwer daran, täglich Hausaufgaben machen zu müssen. Dadurch wurde auch mir die Widernatürlichkeit dieser stets wiederkehrenden Pflicht stark bewusst. Doch es gibt natürlich Pflichten, die einem in bestimmten Kontexten auferlegt werden.

Doch wie erklärt man einem Kind, dass es nicht einfach so wollen kann, wie es gerne wollte? Dass es nicht möglich ist, die Hausaufgaben so lange aufzuschieben, bis es zu spät ist? Wie vermittelt man die Tatsache, dass es auch Wünsche „zweiter Ordnung“ gibt? Man wünscht sich dabei womöglich nicht, dass man Hausaufgaben machen muss, aber man wünscht sich, dass man über diese unerwünschte und manchmal auch lästige Pflicht das Lesen, Schreiben und Rechnen lernt und somit schon bald selbst Bücher lesen oder das eigene Taschengeld zählen kann.

Der Druck bleibt nicht aus

Das wäre eine schöne und einfache Situation. Mit zunehmenden Alter würden Kinder verstehen, dass auch zum Teil unerwünschte Aufgaben zum erwünschten Ziel führen können. Doch der Druck bleibt nicht aus. Leistungsdenken hält Einzug. Es geht sehr bald darum möglichst wenig Fehler zu machen, damit die Lehrerin zufrieden ist. Höchstwahrscheinlich gibt es dann auch Vergleiche mit Freundinnen, wie lange diese für die jeweilige Hausübung gebraucht haben. Angefeuert wird dieses seltsame „Zeitdenken“ auch noch dadurch, dass spätestens in der dritten Klasse Volksschule bestimmte Aufgaben in einer bestimmten Zeit erfüllt werden müssen und Kinder dazu angehalten werden, diese Zeit auch zu stoppen.

Wenn die Hausaufgabe kein „Spiel“ mehr ist

Sehr schnell wird Kindern auch dadurch bewusst, dass man die Hausaufgaben nicht isoliert von den anderen Erfordernissen sehen darf. Oft sind sie nur Vorbereitung auf die Schularbeiten. Wer bei den Hausaufgaben schlecht ist, wird es auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei den Schularbeiten oder bei sonstigen Leistungsbeurteilungen sein.

Das nimmt der Hausübung das letzte „spielerische“ Element, das man vielleicht noch etablieren könnte, wenn man sie den Kindern als eine Art von täglichem „Ritual“ verkauft, dass so schöne Nebenwirkungen wie perfektes Lesen oder Schreiben haben kann. Die Hausübung ist sodann „enttarnt“. Sie ist nicht mehr Mittel zum Zweck, sie ist ein beinhartes Mittel der Leistungssteigerung, die irgendwann im Laufe der Volksschulzeit im besten Fall dazu führt, dass das Kind Gymnasialreife erreicht.

Das Dogma der Gymnasialreife

Diese wiederum hat unsere Große erreicht. Der Preis dafür war nicht gering. Nach ersten Erfolgen in Sachen Hausübung ist die Sache manchmal gekippt. Spätestens in der zweiten Klasse Volksschule war sie eine gute und fleißige Hausaufgabenmacherin. Sie machte die Hausaufgaben gerne und verstand, dass sie Mittel zum sinnvollen Zweck sind. Ohne Übung kein Ergebnis. Ohne Pflicht keine anschließende Leichtigkeit beim Lösen von Aufgaben.

Spätestens als ihr, clever wie sie ist, klar wurde, dass die Hausaufgaben lediglich Teil eines Systems sind, das Kinder in Noten einteilt und in der Stadt fast nur Einser-Schülern den Zutritt zu Gymnasien ermöglicht, nahm der Eifer überhand. Aber es war nicht der Eifer, möglichst viel zu lernen und möglichst viel zu wissen, sondern es war der Eifer möglichst gut in dieses System zu passen und niemanden zu enttäuschen. Ab diesem Zeitpunkt gab es oft Kämpfe. Nicht darüber, dass sie zu wenig Hausübung machte, sondern dass sie zu viele der Hausaufgaben zu eifrig möglichst schnell und perfekt erledigen wollte.

Mittlerweile hat sich die Situation wieder einigermaßen normalisiert. Doch ich bin sicher, dass es auch anderen Eltern so geht oder ging. Wie könnte man dieses Problem lösen?

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EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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