17. Dezember 2018

Als Eltern gelassen bleiben

Als Eltern gelassen bleiben - meinefamilie.at

Gelassenheit in der Kindererziehung – oft ist es nicht einfach, ausgezahlt hat es sich aber schon sehr oft. Im Alltag kommen Eltern oft an ihre Grenzen. Sei es durch Kritik von außen oder durch verschiedene Verhaltensweisen und Angewohnheiten des Nachwuchses. Zwei Beispiele aus dem täglichen Leben verdeutlichen: Wer cool bleibt ist klar im Vorteil.

Kritik „wegstecken“, gelassen bleiben

So wie jeden Wochentag war ich gegen 07.45 Uhr auf dem Weg zum Kindergarten. Mein Ältester geht alleine zur Schule, so dass ich um diese Zeit immer mit meinen zwei Kleinen unterwegs bin. An besagtem Morgen war es kalt – trotzdem riss sich meine Tochter Celeste (2 Jahre) etwa 20 Mal ihre Haube vom Kopf. Ich setzte sie ihr 19-mal wieder auf, danach gab ich auf und versuchte an Gelassenheit zu denken. Wenn ihr kalt ist, wird sie schon Bescheid geben.

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Plötzlich kam uns eine ältere Dame mit entsetztem Blick entgegen. Entrüstet stoppte sie uns und wies mich erbost darauf hin, dass mein Kind keine Haube träg. Es sei doch viel zu kalt um ohne Kopfbedeckung aus dem Haus zu gehen! Man merkte ihr deutlich an, dass sie mich für eine Rabenmutter hielt.

In solchen Momenten muss man sich als Mutter oder Vater in Gelassenheit üben.

Ich hätte am liebsten vor Wut laut ausgerufen und die Dame lautstark gefragt, was sie die Kleidung meiner Kinder eigentlich kümmert. Ich war wirklich frustriert, wusste ich doch selbst ganz genau, dass es kalt war und dass Celeste eigentlich eine Haube tragen sollte.
Ich wollte aber nicht unhöflich sein also habe ich nur tief eingeatmet, gelächelt und bin dann mit meinen beiden Kindern weitergegangen.

Der Dame kann ich nur versichern, wir Eltern wissen, wenn unsere Kinder keine Haube auf dem Kopf haben! Wir können das sehen, zumal die betreffenden Kinder ja vor unseren Augen herumspazieren. Wenn es noch dazu kalt ist, hat es in den meisten Fällen sogar einen Grund, wenn das Kind keine Haube, Handschuhe oder keinen Schal trägt. In diesem Fall war der Grund, dass meine Tochter, mit ihren zwei Jahren, ein kleiner Sturkopf mit einem starken eigenen Willen ist.

In solchen Momenten muss man sich als Mutter oder Vater in Gelassenheit üben. Immerhin ist man auch für seine Kinder ein gutes Vorbild, wenn sie sehen, wie man mit ärgerlichen Mitmenschen umgeht – dass es sich nicht lohnt, wenn man unhöflich antwortet und einen Streit anzettelt und der Situation mehr Bedeutung zukommen lässt als notwendig.

Verhaltensmuster ändern

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In letzter Zeit beschäftigte mich eine weitere Sache in Bezug auf meine Kinder – auch hier wurde meine Gelassenheit auf die Probe gestellt, auch hier hat sich mir gezeigt, dass „cool“ bleiben sich lohnt.

Mein Mittlerer (Noel) wird im Januar 5 Jahre alt und ist der langsamste Mensch der Welt. Zumindest kommt mir das so vor. Speziell morgens. Alleine dem Kind zuzusehen mit welchem Schneckentempo er aus dem Kinderzimmer schleicht ist herausfordernd. Dann sitzt er mindestens 15 Minuten völlig regungslos auf der Couch – während ich versuche ihn dazu zu bringen, dass er sich anzieht und für den Kindergarten bereit macht.

Irgendwann erkannte ich, dass meine alten Lösungsansätze zu nichts führten – Umdenken und alte Vorgehensweisen durchbrechen war angesagt.

Bisher habe ich ihm alle paar Minuten zugerufen, dass er sich anziehen soll. Dreimal dürft Ihr raten: Er tut es natürlich nicht, sitzt weiter regungslos am Sofa. Ich hatte sogar den Eindruck, dass er durch jedes Rufen noch langsamer wurde.

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Aber was soll man in dieser Situation tun? Wenn man morgens selbst Termine wahrnehmen muss, ist ein solch langsames Kind wahrlich eine Geduldsprobe. Herum „kommandieren“ und ihn drängen hilft jedenfalls nicht weiter. Schreien und Wütend werden hilft sowieso niemandem – auch wenn manchmal das Verlangen danach groß ist. Auch hier muss ich mich regelmäßig in Gelassenheit üben.

Irgendwann erkannte ich, dass meine alten Lösungsansätze zu nichts führten – Umdenken und alte Vorgehensweisen durchbrechen war angesagt. Es ist schwierig, die eigenen Muster zu erkennen und zu ändern, ruhig zu bleiben und nach einer besseren Lösung zu suchen. Vorige Woche aber habe ihr mir die Rufe „zieh Dich an“ endgültig erspart. Dass dies nichts bringt habe ich ja die letzten Monate leidvoll gelernt. Ich wollte mir diese nervenaufreibende Prozedur ersparen.

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Nun musste ich mir aber was überlegen, Noel muss sich ja trotzdem anziehen und in den Kindergarten gehen. Ich habe also meine Rufe durch Zeitangaben ersetzt. Zum Beispiel „Wir gehen in 20 Minuten“. Und dann alle fünf Minuten im Countdown die Info. In 15 Minuten – in 10 Minuten. Zu guter Letzt habe ich die Eieruhr aufgedreht und Noel gesagt, wenn die Eieruhr abläuft , ziehen wir uns die Jacken an und gehen aus dem Haus.

Unglaublich aber wahr – es hat funktioniert!

Langzeiterfolge kann ich zwar noch nicht bestätigen, aber ich verfahre jetzt seit gut einer Woche nach diesem System und es läuft:

a) reibungsloser
b) stressfreier für Noel und für mich.

Es gibt zwar wirklich schöneres in der Früh als das Geräusch der Eieruhr… Aber vom Prinzip her bin ich völlig überrascht wie gut es klappt!

Fazit

Ich kann nur allen Eltern empfehlen: Ruhe bewahren. Sei es bei Kritik am Erziehungsstil oder im Alltag mit den Kindern: Schreien, Toben, sich zum tausendsten Mal wiederholen bringt selten etwas. Wenn etwas hundert Mal nicht funktionier, wieso sollte es beim einhundertundersten Mal klappen? Erfolgsversprechender wäre, sich zu überlegen, was man anders machen kann. Einen Streit mit Außenstehenden beginnen zum Beispiel, geht nur an die persönliche Substanz, höflich nicken und die Kritik nicht an sich heran lassen ist manchmal einfach der bessere Weg. Tief einatmen, ruhig werden und die angewöhnten Muster ändern, das bringt viel mehr – und falls es doch nichts hilft, ist auch nicht mehr verloren als beim „herunterratschen“ der alten Muster. Probieren lohnt sich.



EIN ARTIKEL VON
  • Karina Muhr

    Ich bin ich alleinerziehende Mama von drei kleinen Kindern. Durch meine Erfahrungen in der Tourismusbranche weiß ich, dass ich jeder Herausforderung gewachsen bin - auch denen, vor die mich meine Rasselbande noch stellen wird. Als Mama muss man manchmal auch abschalten - mit einem guten Buch, Ausflügen mit Freunden oder einem netten Nachmittag im Kreise der Familie.


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