30. Januar 2020

Erziehung ist (k)ein Kinderspiel – „Du, Du!“

erziehung ist (k)ein kinderspiel – „du, du!“

Wie nicht ernst gemeinte Drohungen zum Eigentor werden.

Klein Lotte, 16 Monate alt, ist vom Blumenstock fasziniert. Immer wieder geht sie hin, wühlt in der Erde und zupft an den Blättern. Die Mutter versucht, sie davon abzuhalten. Weil Lotte nicht folgt, droht sie halb ernst, halb lächelnd: „Du, du!“ worauf Lotte sie schelmisch imitiert: „Du, du!“ Sie kann ihrem herzigen Töchterlein nicht böse sein, doch spürt sie: Diesen kleinen Machtkampf hat sie verloren.

Zweideutige Botschaften verwirren und fordern heraus

Die zweideutige Botschaft fordert Lotte intuitiv heraus. Die drohende Geste erzeugt inneren Widerstand, das Lächeln sagt ihr: „Gar nicht ernst gemeint!“ Darum äfft sie lächelnd und provokant die Mutter nach: Ein Eigentor.

Freundlich und konsequent

Kinder brauchen klare Botschaften, freundlich und konsequent, z.B. „Nein, die Blume mag das nicht!“ „Nein, das darfst du nicht!“ „Komm!“ Wenn das Kind nicht weggeht, dann muss man es wegtragen, wiederholt und konsequent. Jede dieser Interaktionen erfordert große Konzentration seitens der Mutter.

Damit es Lotte leichter fällt, ein Verbot zu akzeptieren, ist es hilfreich, die Situation aus ihrer Perspektive zu beschreiben, in einfachen Worten auf den Punkt zu bringen und zwar so, dass Lotte innerlich zustimmen und sich verstanden fühlen kann: „Diese Blume gefällt dir so sehr. Darum willst du sie nicht nur ansehen, sondern auch angreifen.“ Dann Klartext in Form einer Ich-Botschaft: „Ich mag nicht, dass du Schmutz machst und die schönen Blätter beschädigst!“

Den Entdeckertrieb stillen lassen

Damit der Spiel- und Entdeckertrieb des Mädchens gestillt wird, sollte sich die Mutter gelegentlich Zeit nehmen, gemeinsam die Blume zu pflegen. Lotte darf mit ihr die Gießkanne halten oder die Blume besprühen. Vielleicht darf sie ein Blatt spüren, halten, riechen, sich daran erfreuen, vielleicht auch zerquetschen.

Mutter: „Das darfst du nur, wenn ich dabei bin!“ „Wir gehen achtsam mit dieser Blume um, damit sie sich wohl fühlt.“

Danach muss man Lotte auf andere Gedanken bringen. Wenn die Versuchung wieder einmal zu groß wird: „Willst du Blume schauen gehen?“ Der Kontakt mit der Blume soll ein kleines Erlebnis der Bewunderung, der Achtsamkeit und des Respekts vor dem Blumentopf und Mamas Botschaften werden und Lotte vermitteln: „Ich verstehe dich und traue dir etwas zu.“

 



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