31. März 2021

„Erziehung ist (k)ein Kinderspiel“ – Streitschlichtdilemma trotz bester Absicht

streitschlichtdilemma - meinefamilie.at

Wie können wir unseren Kindern helfen, faires Streiten zu erlernen? Indem wir ihren Konflikt begleiten anstatt Lösungen vorzuschlagen oder aufzudrängen. Dieses Fallbeispiel möchten Mut zum Loslassen machen.

Fallbeispiel: Die Schwestern Birgit (11) und Anna (13) streiten viel und heftig. Die Mutter macht einen Elternkurs mit Streitschlichtprogramm. Beim nächsten Anlass will sie helfen, dass der Streit aus der Welt kommt und bittet ihre Töchter zum Gespräch. Sie fragt beide abwechselnd: Wie ist es dazu gekommen? Wie hast du das erlebt? Wie fühlst du dich dabei? Welche Lösung könnt ihr finden? Fällt euch etwas dazu ein? Jedes Mädchen legt ihren Standpunkt dar, es wird heftig diskutiert und weiter gestritten. Nach einer Weile meint die Mutter verärgert: „Jetzt bin ich frustriert: Da bemühe ich mich, dass ihr eine Lösung findet und es kommt nichts dabei heraus!“ Da meinen die Mädchen: „Mama, mach dir nichts draus, wir regeln das schon!“ Arm in Arm verschwinden sie in ihrem Zimmer. 

Die Eltern sind für den Prozess, die Kinder für die Lösung zuständig

Die Mutter ist perplex: Hat sie versagt? Im Gegenteil! Sie hat ihre Töchter angehört, emotional entlastet und dafür gesorgt, dass einander zugehört wird, dass alles „auf den Tisch“ kommt. Als es ihr zu lange vorkam, hat sie aus ihren eigenen Gefühlen kein Hehl gemacht. Genau diese beiden Faktoren haben die Lösung herbeigeführt. Auch wenn die Mutter sie zunächst nicht kennt. Hauptsache, sie wird gefunden! Noch dazu von den streitenden Töchtern selbst! Dazu hat sie entscheidend beigetragen. 

Nachdenkpause und Vertrauensvorschuss

Wenn die Lösung nicht sofort greifbar wird, hilft ein Anstoß oder eine Pause, mit Vertrauensvorschuss: „So jetzt haben wir alles gehört, was euch stört. Denkt einmal darüber nach! Danach findet ihr sicher eine Lösung!“ Anders als viele andere Eltern hat diese Mutter den Streit weder unterdrückt („Jetzt streitet nicht schon wieder!“) noch die Lösung diktiert. Sie hat das „klärende Gewitter“ moderiert und ihrem Frust Luft gemacht. Der Rest ergibt sich wie von selbst. Mit der Zeit werden diese Mädchen immer kompetenter und schneller miteinander klar kommen und viel für’s Leben dabei lernen. Und wenn sie überfordert sind, wissen sie, an wen sie sich wenden können. Denn die Mutter hat immer ein offenes Ohr für sie.


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