26. April 2021

Erziehung ist (k)ein Kinderspiel – Richtig streiten von Kind an lernen

richtig streiten - meinefamilie.at

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!?“ Man muss die Unfehlbarkeit dieser Aussage in Frage stellen – fest steht jedenfalls, dass wir Verhaltensmuster, die wir seit frühester Jugend eingeübt haben, nur schwer korrigieren können. Dazu gehört unser Verhalten im Konfliktfall. 

Ob ein Kind scheu oder mutig, aggressiv oder defensiv in einen Konflikt hinein geht, hängt nicht nur von seinem persönlichen Temperament, sondern auch vom Vorbild der Eltern ab. Es kommt nicht nur darauf an, wie oft in der Familie gestritten wird, sondern vor allem auf die Art und Weise, wie Eltern ihre Konflikte austragen.

Unterschwellige Konflikte machen Angst und Schuldgefühle

Wenn Eltern peinlich Konflikte vermeiden, weil sich Streiten „nicht gehört“ oder weil sie selbst Angst vor Auseinandersetzungen haben, neigen sie häufig zu indirekter Aggression. Die Familienatmosphäre ist dann permanent mit Gewitterwolken verhangen, die dem Kind Angst machen – umso mehr, als es nicht verstehen kann, was hier „gespielt“ wird. Ängstlichkeit, Konfliktscheue, das Gefühl, mit ihm selber sei etwas nicht in Ordnung, sind die Folgen – nicht selten begleitet von psychosomatischen Symptomen wie Bettnässen, Alpträumen, etc.

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Beleidigungen und Gewalt sind Gift für die Kinderseele

Der andere Extremfall wären Familien, in denen hemmungslos und aggressiv gestritten wird, die einander mit Vorwürfen und Beleidigungen bekämpfen und womöglich auch nicht vor körperlicher Gewalt zurückscheuen. Dies löst beim Kind Angst, Aggression und gestörtes Sozialverhalten aus.

Sicher ist es nicht anzuraten, jede Meinungsverschiedenheit unter Erwachsenen bedenkenlos im Beisein der Kinder auszutragen, es ist aber auch nicht nötig, jeden Konflikt vor ihnen zu verbergen.

Sicher ist es nicht anzuraten, jede Meinungsverschiedenheit unter Erwachsenen bedenkenlos im Beisein der Kinder auszutragen, es ist aber auch nicht nötig, jeden Konflikt vor ihnen zu verbergen. Wichtig ist, dass die Kinder einen offenen und achtungsvollen Umgang der Eltern miteinander erleben, dass es eine gewisse partnerschaftliche „Streitkultur“ gibt. 

Partnerschaftliche Streitkultur vorleben!

Dazu gehört das Bemühen um gegenseitiges Verständnis und um für beide Seiten faire Lösungen, anstatt Machtkämpfe auszutragen, sei es durch Aggressionen, Intrigen oder Manipulationen. Kinder sollen erleben, dass die Eltern eigene Fehler einsehen können und auch bereit sind, Fehler des Partners zu verzeihen.

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Sie sollen erleben, dass es manchmal ratsam sein kann, nachzugeben oder wie befriedigend es ist, Ansprüche durchzusetzen, wenn es uns gelingt, den anderen zu überzeugen – oder auch, ihn in seiner Andersartigkeit zu akzeptieren. 

Lebenslanges Lernen

Wie man richtig streitet, also Konflikte fair austrägt, haben Eltern oft selbst weder gelernt, noch erfahren, und es bedarf auch einiger Übung. Selbst wer aus einem guten Elternhaus kommt, hatte oft wenig Gelegenheit, sich sein eigenes Konfliktverhalten bewusst zu machen und zu hinterfragen. Dabei kann „Gewaltfreie Kommunikation“ nach dem amerikanische Psychologen Marshall Rosenberg eine Hilfe sein. Es lohnt sich, Seminare zu besuchen, bei denen Eltern lernen, alte Verhaltensmuster abzulegen und durch erfolgreichere, bewusst gewählte Strategien zu ersetzen – denn lernen können wir ein Leben lang!



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