9. Juli 2019

Vegetarisch mit Kindern?


Unsere große Tochter Valerie und ich sind Vegetarierinnen. Oftmals werde ich darauf angesprochen und gefragt, ob eine vegetarische Ernährungsweise für ein Kind überhaupt geeignet ist bzw. ob eine vegetarische Ernährung genug Nährstoffe für das kindliche Wachstum liefert.

Aus diesem Grund möchte ich Ihnen, liebe Leser, heute in diesem Beitrag berichten, wie es dazu kam, dass Valerie und ich uns fleischlos ernähren und einige Tipps geben, vorauf geachtet werden sollte, wenn Kinder keine Fleischspeisen essen. Soviel ist also vorab schon zu verraten: Vegetarisch mit Kindern ist möglich – das beste Beispiel ist unsere „sich-prächtig-entwickelnde“ Valerie.

Seit fast 13 Jahren ernähre ich mich nun selbst ausschließlich vegetarisch. Schon als Kind schmeckte mir Fleisch nicht wirklich und ich aß nur die Stückchen, die ich essen musste und dies mit einem gewissen Ekel. Als ich in die Pubertät kam, änderte sich das schlagartig: Ich konnte gar nicht mehr genug von jeglichen Fleischspeisen und Wurstarten bekommen. Es ging so lange, bis ich jeden Tag mit starken Magenschmerzen und Magenkrämpfen zu kämpfen hatte und meine Eltern und ich nicht wussten, woher diese kamen.

Vegetarisch der Gesundheit zu Liebe

(c) iStock

Auf den Rat einer Alternativmedizinerin hin verzichtete ich für eine Woche auf Fleisch. Als ich mich nach dieser Woche körperlich und geistig so fit wie schon lange nicht mehr gefühlt hatte, fasste ich den Entschluss mich weiterhin vegetarisch ernähren zu wollen. Innerhalb kürzester Zeit nahm ich fünf Kilo ab, hatte keine Magenschmerzen mehr und fühlte mich einfach wohl in meinem Körper – was sich auch positiv auf mein Gemüt umschlug. So konnte ich nur den bekannten Spruch „Tue deinem Körper etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat darin zu wohnen.“ bestätigen. Für meinen Körper war diese Ernährungsweise „etwas Gutes“.

Kein Fleisch während der Schwangerschaft?

Als ich mit Valerie schwanger wurde, wollte ich mich weiterhin vegetarisch ernähren, was jedoch viele Kritiken von Bekannten und Verwandten auslöste. Ihrer Meinung nach sollte ich um des Babys Willen doch Fleisch als Eisenlieferant in Betracht ziehen. Allerdings blieb ich bei meinem Entschluss. Rückblickend kann ich festhalten, dass ich die ganze Schwangerschaft unter keinem Eisenmangel litt (im Gegensatz zu anderen Schwangeren, die Fleisch aßen…), und auch in der zweiten Schwangerschaft keine Probleme diesbezüglich hatte. Bei unseren Kindern beschlossen wir allerdings, ihnen Fleischspeisen anzubieten, da ich ihnen nichts aufzwingen will, bzw. denke, dass jeder individuell ist und unterschiedliche Bedürfnisse hat, auf die eingegangen werden sollten. Mein Sport begeisterter Bruder zum Bespiel mit seiner 1,92 Meter Körpergröße sagt, er braucht Fleisch als Energielieferant.

Für alle kochen

Auch koche ich für meinen Partner Clemens Gerichte mit Fleisch – er möchte allerdings als leidenschaftlicher Umweltschützer nur einmal pro Woche eine Fleischspeise aufgetischt bekommen… Man sieht – so unterschiedlich die Menschen, so unterschiedlich die Bedürfnisse. So bot ich Valerie also von klein auf immer wieder Fleisch an – zu Beginn nahm sie es noch an, doch es dauerte nicht lange, bis sie anfing die Gerichte zu verweigern.

(c) iStock

Wieder hagelte es Kritik, weil ich ihr folglich nur mehr vegetarische Breie kochte. Zum Glück hatte ich einen tollen Hausarzt, mit dem ich dies besprechen konnte. Durch die Kritik hatte sich doch die Unsicherheit in mir ausgebreitet, dass Valerie im Wachstum vielleicht zu wenig mit Eisen und Nährstoffen versorgt sein würde. Mein Hausarzt sah das sehr gelassen und meinte, Valerie könne sich ruhig vegetarisch ernähren, wenn darauf geachtet wird, dass die Ernährung abwechslungsreich und ausgewogen sei. Seitdem ist auch Valerie Vegetarierin und ich muss sagen, sie ist eine „brave Esserin“. Sie isst jegliche Gemüse– und Obstsorten, diverse Bohnen- und Linsengerichte und ist dabei „pumperl gsund“. Ab und zu kostet sie sogar von ihren Freundinnen einen Bissen Fleisch – zum Beispiel beim „Knacker-Grillen“ über dem Lagerfeuer möchte sie auch immer wieder mal kosten – kommt aber dann zu dem Entschluss, dass es ihr einfach nicht schmeckt… Ich finde es dennoch toll, dass sie es zumindest kostet und ermutige sie weiterhin Speisen, die sie nicht kennt, zu probieren. Und wer weiß, vielleicht kommt ja bei ihr auch eine Phase, wo sie Fleischgerichte essen möchte – dies sei ihr frei gestellt.

Worauf muss geachtet werden, wenn Kinder sich vegetarisch ernähren

Zuallererst ist die Freiwilligkeit des Kindes das oberste Gebot. Es muss von sich aus wollen und darf zu nichts gezwungen werden!

Der Speiseplan soll abwechslungsreich und ausgewogen sein und es müssen alternative Eisen- und Nährstofflieferanten gefunden werden. Sehr gehaltvoll sind zum Beispiel Linsen, Bohnen, Nüsse, Vollkornprodukte, Milch, Eier, Fenchel oder Zucchini. Auch muss auf die Vitaminzufuhr geachtet werden, vor allem auf B12.

Tofu- und Soja-Speisen sollten nicht zu oft aufgetischt werden! Diese können bei übermäßigem Verzehr (vor allem bei Mädchen) auf den Hormonhaushalt einwirken.

Eine vegetarische Ernährung ist mit Kindern möglich. Eine rein vegane Ernährung sollte jedoch nicht in Betracht gezogen werden, da das Risiko eines Nährstoffmangels sehr hoch ist.



EIN ARTIKEL VON
  • Doris Dolezal

    Mit Herz, Hirn und Humor versuchen mein Partner und ich den Alltag mit unseren zwei wundervollen Mädels (8 Jahre und 5 Monate) und unserem Kater zu meistern. Doch nicht nur in der Familie sammle ich die unterschiedlichsten Erfahrungen mit Kindern, auch in meinem Beruf als Religionspädagogin.


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