4. Juli 2018

Nahrungsmittel-unverträglichkeiten- Was tun, wenn der Bauch zwickt?

Nahrungsmittelunverträglichkeiten- Was tun, wenn der Bauch zwickt? - meinefamilie.at

Viele Kinder leiden unter Blähungen, Durchfall, Verstopfungen & Co. Auch wir Erwachsenen kennen diese Beschwerden oft nur zu gut. Besorgte Eltern diagnostizieren ihren Kindern immer öfter selbst eine Nahrungsmittelunverträglichkeit. Um die Situation besser einschätzen zu können, lohnt es sich aber zu wissen, ab wann die Verdauungsbeschwerden wirklich krankhaft sind.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind bei Kindern deutlich seltener als es viele Eltern wahrnehmen. Durch die starke Thematisierung in den vergangenen Jahren, wird oftmals vorschnell eine Unverträglichkeit bei physiologischen Verdauungsvorgängen vermutet. Die Frage ist nun, ab wann spricht man von physiologischen Verdauungsvorgängen und ab wann von einer Unverträglichkeit? Vereinfacht kann man diese Frage wie folgt beantworten: Ab dem Zeitpunkt, ab dem die Verdauungsbeschwerden für das betroffene Kind belastend werden und seine Lebensqualität einschränken, sollte man die Ursache professionell abklären lassen.

Wichtig ist, dass man bei einem Verdacht auf Allergien und Intoleranzen immer das Gespräch mit einem Arzt/ einer Ärztin sucht. Von Selbstversuchen und vom wahlweise Weglassen von Lebensmitteln ist aus ernährungsmedizinischer Sicht abzuraten. Eine Einschränkung oder Vermeidung von Nahrungsmitteln als Therapie bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergine und -intoleranz sollte nur auf einer gesicherten ärztlichen Diagnose basieren! Es ist also nicht sinnvoll, wenn man seinem Kind Lebensmittel aufgrund einer Selbstdiagnose verbietet. Suchen Sie aber bei Verdacht unbedingt einen Arzt auf. Dieser kann Ihnen als Eltern Sicherheit geben und weitere notwendige Schritte zur Abklärung einleiten.

Zu den Nahrungsmittelunverträglichkeiten zählen:

  • Alllergien
  • Intoleranzen

Bei Nahrungsmittelintoleranzen handelt es sich um Aufnahme- und Aufspaltungsstörungen. Es werden keine Antikörper gebildet und es kommt zu keiner Beteilung des Immunsystems.

Die Häufigsten Nahrungsmittelintoleranzen:

# Laktoseintoleranz:

Bei der Laktoseintoleranz handelt es sich um eine Aufspaltungsstörung der Laktose (des Milchzuckers). Es besteht ein Mangel des Enzyms Laktase. Der Grad der Unverträglichkeit ist von betroffenem Kind zu Kind unterschiedlich. Ausgetestet wird mittels einem H2-Atemtest oder mit einem Gentest.

# Fructosemalabsorption:

Bei einer Fructosemalabsorption handelt es sich um eine Aufnahmestörung des Fruchtzuckers, der Fructose. Auch hier kann der Grad der Unverträglichkeit von Person zu Person unterschiedlich sein. Die Austestung erfolgt mittels H2-Atemtest.

# Sorbitintoleranz:

Eine Sorbitintoleranz ist die Unverträglichkeit von Sorbit(ol) -E420 und ist ein Zuckeralkohol. Auch hier wird bei der Austestung auf einen H2-Atemtest zurückgegriffen.

# Histaminintoleranz:

Bei einer Histaminintoleranz besteht ein Mangel des Enzyms Diaminoxidase (DAO), welche im Körper dafür zuständig ist, Histamin abzubauen. Histamin ist eine körpereigene Substanz, die bei allergischen Reaktionen wie Beispielswiese Heuschnupfen produziert wird. Verzehren betroffene Kinder zusätzlich histaminhaltige Nahrungsmittel, steigt die Histamin-Konzentration im Körper an. Nicht jeder reagiert auf die gleichen Histaminreichen Lebensmittel – manche Kinder können gewisse Lebensmittel problemlos verspeisen während andere Kinder stark auf das gleiche Lebensmittel reagieren. Bei Verdacht auf eine Histaminintolleranz  gibt ein detailliertes Ess-Beschwerde-Protokoll, das mit der Unterstützung einer Diätologin/eines Diätologen angefertigt wird, Auskunft über die Verträglichkeit des Histamins.

Rücksprache mit dem Arzt

Abschließend ist zu wiederholen, dass im Falle eines Verdachts auf Unverträglichkeiten Rücksprache mit einem Arzt/ einer Ärztin gehalten und keine Selbstdiagnose gestellt werden sollte. Nur ein Arzt oder eine Ärztin kann sicher feststellen, woher die Beschwerden kommen und ob es sich um eine Lebensmittelunverträglichkeit handelt.

Bei vorliegender Diagnose können Diätologen helfen, die richtigen und vor allem geeigneten Lebensmittel für Ihr Kind, zu eruieren.

Richtiges Vorgehen bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit

  1. Ernährungs- und Beschwerdeprotokoll führen (Wann hat das Kind was gegessen? Wie hat es sich dabei gefühlt? Wann sind welche Beschwerden aufgetreten?)
  2. Fachliche Beurteilung des Protokolls durch eine Diätologin/ einen Diätologen
  3. Abklärung möglicher Intoleranzen über den Arzt/ die Ärztin
  4. Abklärung eines Reizdarmsyndroms über den Arzt/ die Ärztin
  5. Durchführung einer abgestimmte Ernährungsumstellung mit einer Diätologin/ einem Diätologen.

 

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EIN ARTIKEL VON
  • Martina Heigl

    "Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen" - frei nach diesem Zitat von Sokrates ist es mir als Diätologin ein Anliegen, gesunde Kost in den Alltag einzubauen. Das Ganze ohne Verbote aber mit viel Genuss.


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