22. Januar 2019

Nachhaltig leben als Familie: Lebensmittel

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Einer der ersten Punkte, die mit Nachhaltigkeit assoziiert werden, sind unsere Lebensmittel. Die Mittel, die wir zum Leben brauchen, kommen zu einem großen Teil aus dem nächsten Supermarkt und entspringen schon lange nicht mehr unserer unmittelbaren Lebensumwelt. Was essen wir und wie schaffen wir es also, dass Umwelt, unsere Gesundheit und auch noch das Konto davon profitieren?

Der Trend geht in den letzten Jahren dahin, sich wieder mehr damit auseinander zu setzen, was wir eigentlich zu uns nehmen. Die Lebensmittel sollen ja immerhin unseren Körper nähren, uns Energie geben und gesund halten.

Pestizide in der Nahrung, abnehmende Nährstoffdichte (zB Magnesium) und immer mehr Zusatzstoffe machen vor allem Eltern nachdenklich. Ist es das, was wir unseren Kindern zu essen geben wollen?

Warum wir uns nachhaltiger ernähren möchten

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Der große Bio-Boom in den 2000ern wird mittlerweile kritisch betrachtet. Bio schneidet nicht immer besser ab, oft wirkt es so als wäre das bloße Verkaufsmasche. In den letzten Jahren kam mit den „Superfoods“ der Versuch, besonders wirksame Nahrungsmittel bekannt zu machen – und zu verkaufen. Doch wie sinnvoll ist es, Kokosöl, Chiasamen oder Jackfruit aus fernen Ländern zu kaufen, wo dafür Regenwälder abgeholzt werden und Monokulturen im Vormarsch sind? Und wie natürlich ist es, wenn Kunstfleisch „gezüchtet“ wird um die Massentierhaltung zu vermindern?

Gleichzeitig sterben langsam aber sicher unsere Bienen aus, weil so viel gespritzt und gedüngt wird, dass sie nicht überleben können. Alte Obst- und Gemüsesorten werden seltener und die Bauern bekommen immer weniger Geld für ihre Ernte. Das wirft ein düsteres Bild auf Artenvielfalt, die zukünftige Landwirtschaft und dadurch unsere Nahrungsmittelversorgung.

Bewusste Ernährung – regional & saisonal

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Alle diese Überlegungen haben auch bei uns dazu geführt, dass wir viel mehr auf die Herkunft und Entstehung unserer Nahrung achten.
Wir haben das Glück, in unserer Nähe einige (Bio-)Bauern zu haben, die geduldig ihren Weg gehen und nicht aufgeben. Der Zuspruch ist erstaunlich groß! Für uns ist es einerseits beruhigend, dass wir wissen woher unsere Lebensmittel kommen, andererseits haben wir ein gutes Gefühl, da wir so direkt die Bauern unterstützen.
Vor Ort haben wir zwei Milchbauern, wo wir Frischmilch in Glasflaschen selbst abfüllen können. Direkt neben unserem Grundstück wurde gerade eine Verkaufshütte unseres benachbarten Bio-Bauern aufgestellt, der vorerst Erdäpfel, Zwiebel und Traubensaft anbietet und sein Sortiment stetig erweitern möchte. Nicht weit entfernt gibt es eine Eierbox, einen Verkaufsstand mit Kürbissen, Äpfeln und Wein und etwas weiter weg einen Hofladen mit regionalem und saisonalem Obst und Gemüse. Dort staunen wir immer wieder, was sogar jetzt im Winter angeboten wird: verschiedenfarbige Karotten, Erdäpfel, Salate, unterschiedliche Apfelsorten, Birnen, Wintergemüse… vieles davon findet man in den Supermärkten nicht!

Der Bonus ist auch, dass man mit den Bauern und Besitzern ins Gespräch kommt. Wir wissen nun viel mehr über Hummelbestäubung, Frostschäden an Erdbeeren oder den Preisdruck. Wir bekommen aber auch immer wieder Tipps, was mit den verschiedenen Obst- und Gemüsesorten gekocht werden kann und tauschen mit einer der Bäuerinnen regelmäßig Lieblingsrezepte aus. Gerade wenn man beginnt regional und saisonal einzukaufen, hat man oft das Gefühl, dass nichts übrig bleibt.

Neue Wege: Foodcoop’s, Fairteiler, Foodsharing

Lebt man nicht wie wir am Land, gibt es trotzdem eine Menge Möglichkeiten. In den meisten Städten gibt es Wochenmärkte und auch die Verkäufer geben sehr gern Tipps. Ebenso gibt es die Gemüsekisten, die man bestellen kann und an die Haustür geliefert werden. Teilweise können sie mit Obst, Milchprodukten oder sogar Fleisch erweitert werden, oft gibt es auch Rezepte dazu. Dass weniger mehr ist, gilt natürlich auch für tierische Produkte. Nachhaltig sind sie selten und daher sollte hier Qualität vor Quantität stehen. Lieber weniger oft, dafür aus besserer Herkunft.
Auch „Foodcoop“s werden immer mehr, bei denen man als Gemeinschaft aus mehreren Käufern direkt bei den Herstellern bestellt. Wenn es gegen die Lebensmittelverschwendung geht, zahlt es sich aus nach „Fairteilern“ oder Foodsharing zu suchen. Für naturnahe Ernährung gibt es zB Kurse um Wildobst oder Kräuter zu sammeln und verwerten… das Angebot wird immer größer.

Schmackhafte Ernährung für Familien

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Für viele Eltern stellt sich dann aber die Frage: wie machen wir das den Kindern schmackhaft? Hier gilt: ausprobieren. Wir überlegen immer mit den Kindern, was wir gerne essen möchten und planen für eine Woche im Voraus. Wir gehen oft miteinander einkaufen und lassen unsere Kinder im Hofladen auswählen, welches Obst und Gemüse wir kaufen. Klar, das Einkaufen dauert so länger und ist nicht immer stressfrei. Aber wir geben unseren Kindern so die Wertschätzung weiter.

Wenn man die Möglichkeit hat Gemüse oder zumindest Kräuter auch selbst anzupflanzen, fördert auch das bei Kindern das Interesse. Auf jeden Fall gilt: neue Lebensmittel müssen bis zu 15 Mal probiert werden, bis man sich an den Geschmack gewöhnt hat. Nicht aufgeben, wenn es nicht allen gleich schmeckt! Gerne würzen wir unterschiedlich und so sind die einfachsten Gerichte wie zB Erdäpfel immer wieder abwechslungsreich und spannend. Es muss nicht jedes Essen anders, neu und besonders sein. Einfache Gerichte und bunte Teller machen Appetit!

Natürlich dauert die Umstellung von Wurstsemmel und Milchschnitte zu belegtem Vollkornbrot mit Obst und Gemüse. Das Auge isst mit! Die nett gepackte Jausenbox für die Schulpause ist irgendwann (oft mit viel Geduld) auch für das skeptischste Kind normal.

Zum Schluss einige unserer schnellen Lieblingsrezepte, wobei die meisten auch gleich in größeren Mengen gekocht eingefroren werden können:

  • Vollkornpalatschinken mit selbst gemachter Marmelade, Topfen-Obstmus oder pikant mit Gemüse gefüllt
  • Ofenerdäpfel mit Kräutertopfen oder Joghurtsauce
  • Apfelstrudel, selbst gemachte Germknödel, Obstknödel, Milchreis…
  • Chili oder Gemüseeintopf (Kinder das Gemüse aussuchen und mithelfen lassen!)
  • Vollkornpasta mit selbst gemachter Paradeissauce oder Pesto
  • „Verstecksuppe“ als Hauptspeise: Gemüsecremesuppen mit Toppings zum Selberaussuchen, zB Erdäpfel-, Käse oder Schinkenwürfel, Backerbsen, Maiskörner, Sonnenblumenkerne, geröstete Brotwürfel…
  • Erdäpfelpürree und am nächsten Tag „Nester“
  • Erdäpfelgulasch mit oder ohne Wurst
  • geröstetes Ofengemüse
  • Gemüsereis mit Sauce
  • gebackenes Gemüse oder Schwammerl
  • gefülltes Gemüse wie Zucchini, Kohlrabi, Paprika
  • Gemüseomelette
  • Krautfleckerl
  • Lasagne mit und ohne Fleisch
  • Spinat-Polenta-Auflauf
  • Erdäpfel-Apfel-Auflauf
  • Käsespätzle, Eiernudeln
  • selbst gemachte Pizza


EIN ARTIKEL VON
  • Elisabeth & Johannes Hackl

    Elisabeth und Johannes Hackl leben mit ihren Kindern, Hunden und Hühnern in Niederösterreich. Sie sind begeisterte Familienmenschen, Kindergartenpädagogen, Referenten für Natürliche Empfängnisregelung, Teilzeit-Selbstversorger, im Glauben verwurzelt und noch immer sehr verliebt ineinander!


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