4. Oktober 2018

Mehr Harmonie am Familientisch

familientisch - meinefamilie.at

In der Theorie klingt ein harmonischer Familientisch ja ganz einfach. Doch leider ist es in der Realität nicht immer so, denn nicht selten essen die Kleinen liebend gerne Süßes, verzichten aber nur allzu oft auf Gemüse und Tischmanieren. Wie löst man hier Konflikte noch bevor sie entstehen?

Eigentlich klingt gesunde Kinderernährung ja ganz einfach! Frühstück – Mittagessen – Abendessen mit viel Gemüse, am besten selbstgekocht und aus dem eigenen Garten, eingenommen am Familientisch in bester Harmonie gemeinsam mit den fröhlichen Familienmitgliedern. Dazu noch zwei Obstjausen, ergänzt mit einem Vollkornweckerl, ab und zu mal eine kleine Nascherei … In der Praxis aber erleben viele Familien dabei Schwierigkeiten, die sich zu veritablen Konflikten bis hin zu regelrechten Machtkämpfen auswachsen können:

  • Es fehlt die Zeit zum Kochen
  • Das Kind bleibt bei Tisch nicht sitzen
  • Die Arbeitszeiten lassen kaum gemeinsame Mahlzeiten zu
  • Jegliches Gemüse wird verweigert
  • Die Lieblingsspeisen heißen Palatschinken und „Nudeln ohne alles“

Tatsächlich ist die Sache mit der gesunden Ernährung nicht ganz so einfach und schnell, wie es uns so manches Hochglanzmagazin oder Experten im Internet weismachen wollen. Gestehen wir uns ein, mit „so ganz nebenbei“ ist es wohl nicht getan – aber megakompliziert muss es aber auch nicht sein und damit komme ich gleich zum ersten von fünf Impulsen und Ideen, die ich Ihnen mitgeben möchte, um die Stimmung am Familientisch zu verbessern. (Noch viel mehr davon gibt es übrigens beim Workshop am 11. Oktober in Wien)

Beziehen Sie Ihr Kind mit ein!

Das gilt für alle Belange rund ums Essen – Menüplanung, Vorratshaltung, Einkaufen, Kochen, Abwaschen … Natürlich dauert dann alles viel länger, aber es ist ein wunderbares Lernfeld und kann Qualitätszeit im gemeinsamen Tun sein. Und mindestens genauso wertvoll wie die Zeit mit dem pädagogisch wertvollen Spielzeug! Schon ganz kleine Kinder können zum Bespiel Bananen für den Obstsalat schneiden (geht wunderbar mit einem völlig ungefährlichen Plastikmesser!) oder die Servietten fürs Abendessen aussuchen und falten.

Anbieten, anbieten, anbieten!

Kleinkinder sind oft nicht gerade experimentierfreudig, Neophobie (Angst vor Neuem) heißt der Fachausdruck dazu. Tourismusexperten kennen das Phänomen allerdings auch von Erwachsenen: auf den Buffets der Ferienhotels wird am liebsten zum bekannten Schnitzel gegriffen, bevor man sich an die Paella oder das Moussaka traut! Probieren Sie deshalb immer wieder mal was Neues, obwohl Sie vorher schon damit rechnen, dass es nicht gegessen wird.

Ablehnung von Speisen nicht persönlich nehmen!

Dieser Punkt ergibt sich ganz automatisch aus dem vorigen – und ja ich weiß, das klingt leichter als es tatsächlich ist. Machen Sie sich immer wieder klar, dass es nicht an Ihren Kochkünsten liegt, sondern dass wir neue Geschmäcker öfter probieren müssen, bis wir endgültig entscheiden, ob es uns schmeckt oder nicht. Geschmack ist übrigens trainierbar, was bedeutet: wir essen unsere Lieblingsspeisen nicht deshalb so oft, weil sie uns so gut schmecken, sondern sie schmecken uns so gut, weil wir sie oft essen!

Auf Vorlieben Rücksicht nehmen – extra kochen ist nicht notwendig!

Es ist völlig normal, dass jeder Mensch Vorlieben und Abneigungen beim Essen hat. Deshalb ist auch ok, wenn wir bei Kindern darauf Rücksicht nehmen. Großer Aufwand braucht daraus aber nicht entstehen. Mag das Kind beispielsweise die Hauptspeise nicht, dann kann es auch gerne einen zweiten Teller Suppe essen oder eine Restportion vom Vortag. Werden Bohnen nicht gemocht, dann kann man eine Portion des Eintopfes für das Kind schon aus dem Topf nehmen, bevor selbige untergerührt werden. Oder es darf aussortiert werden …

Das große Ganze nicht aus den Augen verlieren

Stellen Sie sich kurz vor, wie eine Familienmahlzeit in 20 Jahren aussehen soll. Denken Sie da an eine fröhliche Runde, die gemütlich zusammensitzt oder an die Nährwertangaben der verspeisten Mahlzeit? Vermutlich an ersteres, oder? Überlegen Sie dann, mit welcher Wahrscheinlichkeit Ihr momentaner Umgang am Familientisch zu diesem Ziel führt. Oft ist es wesentlich entspannender mal „Fünfe gerade sein“ zu lassen als ständig am Kind herum zu nörgeln. So lange Ihr Angebot an Speisen stimmt, darf das Kind entscheiden, was und wie viel es davon isst!

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EIN ARTIKEL VON
  • Vera Rosenauer

    Ich bin Elternbildnerin, Ernährungstrainerin, Autorin und biete bei Abenteuer Erziehung praxisbezogene Workshops, Vorträge und Beratung für werdende Eltern und Eltern von Babys und Kleinkindern (0 bis 6 Jahre) an. Was Sie davon haben? Einen "Rucksack" voller Fachwissen, Tipps und Tricks, Spielen und Ritualen für Ihr ganz persönliches Abenteuer Erziehung!


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