28. Juni 2018

Wie man den großen Familienstress im Alltag bewältigt

alltagsstress familien - meinefamilie.at

Im Familienalltag gibt es immer wieder Situation, in denen so gut wie alle Familienmitglieder gestresst sind, was zwangsläufig zu noch mehr Stress führt. Doch es gibt (mögliche) Lösungen.

Gleich am morgen beginnt es. Die älteste Tochter hat vergessen einen Teil der für sie so wahnsinnig wichtigen Hausaufgaben zu machen, die sie zwar erst in zwei Tagen abgeben muss, aber unbedingt bis gestern fertig haben wollte. Währenddessen versucht der Vater sie davon zu überzeugen, dass die Hausaufgaben nicht das Wichtigste der Welt sind und vor wenigen Tag ohnehin schon Notenschluss gewesen ist.

Unterdessen probiert die Mutter konzentriert zu packen, da sie in knapp 40 Minuten dienstlich wegmuss. Auch die Laune der Jüngsten, ansonsten überaus geduldig, ändert sich langsam und sie beginnt zu nörgeln. Fast so, als ob sie auch „dabei“ sein müsste und nicht die einzige sein will, die nichts zu beanstanden hat und die keinen wirklichen Stress hat.

Das Wesen des Stresses

Der Stress ist ein seltsames Wesen. Manch einer behauptet gar, er existiere gar nicht per se, sondern werde in unübersichtlichen Momenten generiert, um diese Augenblicke noch unübersichtlicher zu gestalten und damit quasi gänzlich vor der Überkomplexität eines Zeitraumes zu kapitulieren. Stress sind die Phasen, in denen man vor lauter Drunter, Drüber, Daneben und Auch-Noch keinen roten Faden mehr findet und die Überlastung sich in akuten Stress inklusive Absenz der Vernunftbegabung transformiert.

Wenn es aber den Stress objektiv gar nicht gibt, er uns also nicht in seiner objektiven Wesensartigkeit hinterrücks und völlig unvorhersehbar überfällt und wir davon emotionalen Schaden nehmen, warum lassen wir ihm dann immer wieder Raum in unserem Familienalltag? Vermutlich deshalb, weil wir nicht so recht wissen, wie wir eingeschliffene Mechanismen zur Erzeugung seiner temporären Anwesenheit ablegen können.

Wie wir den Stress loswerden

Die schlechte Nachricht: Es geht nicht, ohne dass etwas an unseren Familienritualen ändern. Denn Stress entsteht, paradoxerweise, da, wo einst Ordnung war. Denn der Alltag braucht natürlich auch Ordnung. Wann soll das Kind im Kindergarten sein, wann werden die Hausaufgaben gemacht, wann ist dann Zeit zum Spielen und wann ist der wöchentliche Tanzkurs und wann genau muss also die Hausaufgabe fertig sein, damit an diesem Tag nicht danach noch etwas abgearbeitet werden muss?

Stress dringt dann ein, wenn diese Ordnungssystem aus dem Gleichgewicht geraten. Dann, wenn uns unser Zeitplan inklusive synchronisiertem Kalender der Eltern unsere Fragen nicht mehr beantworten können. Dann auch, wenn wir bemerken, dass wir unser Leben und unseren Familienalltag nicht nur geordnet, sondern vielleicht der Ordnung auch vieles untergeordnet haben. Dann, wenn wir sehen, dass uns nicht nur Erleichterung, sondern ein kleines Korsett geschaffen haben.

Von daher ist die Reaktion der ältesten Tochter im Familienkreis verständlich. Man merkt ihr an, dass sie gerne aus dem Korsett ausbrechen würde und eben den unabsichtlich gekappten Zeitplan als nicht so wichtig ansehen wollte. Da aber ihre Eltern diesen Zeitplänen so großen Wert beimessen, ist er auch für sie allzu wertvoll. Zwischenzeitlich bemerkt sie, dass auch ihre Eltern nicht mit den straffen Zeitplänen glücklich sind und ihr auch noch einreden wollen, dass das alles nicht wichtig ist. Die Verwirrung ist perfekt. Und der Stress ist mitten im Familienalltag angekommen, versetzt alle in helle Aufregung und bringt alles aus dem Gleichgewicht.

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Wie verhalten wir uns anders?

Die Lösung ist die Meta-Ebene. Dann wenn wir mitten in unseren selbstgeschaffenen Strukturen stecken können wir die Funktion und Wirkungsweise ebendieser zumeist nicht vollständig erkennen. Wenn wir merken, dass sie zeitweise gar nicht mehr funktionsfähig sind, dann können wir die Ursachen dafür nicht ausreichend benennen.

Die Benennung der Strukturen ist schon mal ein richtiger Schritt. Das Erkennen der Situationen, wo diese prekär werden ebenfalls. Es braucht aber insgesamt eine ganz andere Bewertung dieser „Ordnungssysteme“; die zeitweise in so viel Unordnung münden.

Womöglich gelingt das, wenn Eltern sie anders einschätzen und ihnen einen etwas spielerischen, nicht todernsten und vor allem auch nicht fehlerlosen Charakter umhängt. Auch die Erhöhung der „Abweichungsquote“ ist empfehlenswert. Wenn etwas, soweit möglich und nicht an unbedingte Termine gekoppelt, von der Ordnungs-Norm abweicht, sollte das nicht mit Panik, sondern mit einer gewissen Gelassenheit beantwortet werden. Auch Interventionen helfen. Unter Umständen sollte man Zeitpläne auch mal außer Kraft setzen und etwas Unvorhergesehenes Tun oder einen kleinen Ausflug vom Alltag machen.

Bleibt dann der Stress völlig aus?

Und nicht zuletzt: Nicht vergessen, dass uns Ordnungssystem frei und glücklich machen sollen, da wir dann auch noch Zeit haben Dinge zu tun, die uns wirklich glücklich machen. Wenn sie die Kontrolle über sämtliche Bereiche unseres Familienlebens übernehmen, wird es Zeit sie insgesamt und deren Form im speziellen zu überdenken.

Ob der Stress dann vollständig ausbleibt? Vermutlich nicht. Aber er ist zumindest erkannt und kann teilweise beachtlich reduziert werden.

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EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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