18. Mai 2018

Warum Kinder (keine) Superhelden brauchen

superhelden - meinefamilie.at

Ich bin Vater. Das macht mich noch nicht zum Superhelden. Ich lasse mich zu oft stressen, verliere manchmal die Nerven und schaffe es nicht immer gerecht zu sein. Dennoch ist es wichtig, dass Kinder „Helden“ bewundern können.

Es ist der ganz normale Alltag. In diesem verliert man manchmal den Überblick. Dann gerät man ins Strudeln, Pläne werden über den Haufen geworfen, unerwartete Ereignisse verursachen Chaos. In diesem Chaos kommt einem als Vater immer wieder der Gedanke, dass sogenannte „Rahmen“ so wichtig sind. Kinder brauchen Halt. Eltern müssen eine Art „Geländer“ sein, an dem sie sich entlanghanteln können. Wie kann man das anbieten, wenn man selbst Mitten hineinstürzt in die Strukturlosigkeit und sich von einer Hiobsbotschaft zur nächsten entlang bewegt?

Die Helden des Alltags

In solchen wenig heldenhaften Momenten kommt mir immer wieder meine Faszination für Superhelden in den Sinn, die ich vor allem als Kind und als Jugendlicher hatte. Bis ins Heute kann ich diese aber noch nachvollziehen. Gut gemachte Superheldenfilme begeistern mit bis heute. Heute gehe ich aber reflektierter damit um und lasse mich nicht mehr einlullen. Ich träume nicht mehr, so zu sein wie die Superhelden. Ich ersehne mir keine Superheldenkräfte mehr. Ich sehe vielmehr, wie die Protagonisten solcher Geschichten über sich hinauswachsen. Wie sie den Alltag transzendieren und wie „Wunder“ und „Wunderbares“ geschieht.

Ein Held für seine Kinder

Bei einem genaueren Blick auf die Superhelden wird einem auch schnell klar, dass sie weniger eindimensional sind als man auf den ersten Blick vermutet. Auch sie zweifeln. Auch sie haben Rückschlagen zu verzeichnen. Auch sie hadern mit dem Alltag und trotzen diesem manchmal mit aller Kraft „Wunderbares“ ab.

So eine Art Held will ich auch für meine Kinder sein. Nicht der strahlende Held, der kontextlos zu Leistungen fähig ist, die einem als unmöglich erscheinen. Kinder sollen auch die Bedingungen sehen, die zu Höchstleistungen anspornen. Kindern sollen auch erkennen, dass Liebe dazu in der Lage ist, dass Väter und Mütter über sich hinauswachsen. Sie sollen aber auch mitbekommen, dass es trotzdem Situationen gibt, in denen ihre „Superhelden“ straucheln und nicht mehr weiterwissen. Aber dennoch nie aufgeben, weil es um alles geht, nämlich um die Familie.

Auch „Supertaten“ haben Bedingungen

Ich habe die Hoffnung, dass „Superhelden“ erst dann wirklich als Superhelden wahrgenommen werden, wenn sichtbar wird, wie es zu diesem „Superheldentum“ gekommen ist. Der weite Weg erkennbar wird, die Entbehrungen deutlich werden, die Kraftanstrengungen förmlich spürbar sind. Dann geht es darum, wenn der „Superheld“ an die Grenzen gelangt, zu einer unerwarteten Leichtigkeit zu finden. Dazu wider Erwarten doch noch alles gut, wenn schon nicht perfekt hinzubekommen. Das, ja das, sind dann Helden, zu denen Kinder aufsehen können.

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at