21. Oktober 2018

Väter 4.0: Was für einen Vater braucht mein Kind?

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Wie viel Vater und welchen Vater brauchen Kinder? Vor welchen Herausforderungen und Aufgaben stehen Männer in ihrer Vaterrolle im Jahr 2018? Diesen Fragen geht eine Veranstaltung des Katholischen Familienverbandes im Rahmen seines Jahresthemas „Vater sein – verpass nicht die Rolle deines Lebens“ nach: „Väter 4.0 – Vom Mehrwert der Männer im Leben ihrer Kinder.“

Mal ehrlich – wie sieht er aus, der ideale Vater?
Ist es jener Vater, der sich aufgrund seiner Berufstätigkeit hauptsächlich am Wochenende um seine Kinder kümmert. Mit ihnen spielt, zum Fußballmatch fährt. Der vielleicht auch auf den Spielplatz geht oder in den Tiergarten. Der also nicht nur Zeit mit seinem Nachwuchs verbringt, sondern seiner Frau nebenbei auch eine Pause vom Alltag mit Kindern und Haushalt ermöglicht. Der unter der Woche im Hinblick auf die Kinder aber zu kaum mehr als dem “Guten Morgen”- und “Gute Nacht”-Sagen kommt.

Verschiedene Vaterbilder

Oder ist der ein idealer Vater, der sich auf seine Rolle als „Familienernährer“ konzentriert. Der sich kaum in die Erziehung der Kinder oder den Haushalt einbringt, weil er auch denkt, dass er das gar nicht kann – was aber für ihn, und seine Frau, in dieser Form auch passt. Der seine Kinder gut versorgt wissen will und deshalb der Meinung ist, nur seine Frau kann diese Aufgabe bewältigen.
Dann gäbe es da noch jene Väter, die im Familienalltag sehr präsent sind. Also ganz selbstverständlich Windeln wechselt, ihr Baby füttern oder baden. Jene Männer, die die Kinder zum Kindergarten oder zur Schule bringen und sie auch wieder abholen. Die für sie kochen, oder Schuhe einkaufen gehen. Die Zahnarzttermine ausmachen, die sich allen kindlichen Fragen und Diskussionen stellen und bei Hausübungen und bei der Schularbeitsvorbereitung unterstützen.

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Gerecht geteilt

Und es gibt jene Väter, die sich zwar alle Familienaufgaben gerecht mit ihrer Frau hätten teilen wollen, die aber dann merken mussten, dass sie sich das alles leichter vorgestellt hatten. Deren Chefs etwa gar nicht begeistert waren, als sie Karenz beantragt haben. Die schief angeschaut werden, wenn sie Pflegefreistellung für die kranken Kinder in Anspruch nehmen oder früher das Büro verlassen, um ihr Kind von der Ballettprobe abzuholen. Es sind jene Väter, die deshalb jetzt doch Vollzeit arbeiten, vielleicht Stunden reduzieren und deren Frauen teilzeitbeschäftigt sind und den größten Teil der Familienaufgaben übernehmen. Ist so jemand ein idealer Vater?

Voll engagiert

Oder ist der Vollzeit-Vater der ideale Vater? Teil einer Familie, in dem nur die Mutter arbeiten geht. Er ist bei den Kindern daheim und übernimmt sämtliche Aufgaben. Einfach alles, was im Bezug auf Kinder, Familie und Haushalt erledigt werden muss.

Auch gibt es jenen Vater, der nach der Trennung von seiner Frau die Kinder entweder ganz alleine großzieht und entsprechend von jetzt auf gleich für alles verantwortlich ist.

Oder jenen, der nach einer Trennung damit umgehen muss, seine Kinder nur noch jedes zweite Wochenende sehen zu können. Der da dann aber all das unterbringen will, was er als essentiell für das Vatersein ansieht.

Eine lebenslange Verbindung

Studien belegen, dass kaum ein junger Vater heute ausschließlich auf die Rolle des Ernährers festgelegt werden will oder festgelegt werden kann, sagt Erich Lehner, Psychotherapeut und „Männerforscher“.

80 Prozent der Männer sagen, sie wollen ein präsenter und zugewandter Vater sein.

“Also ein Vater, der aktiver Teil der Familie ist. Ein Vater, der eine echte Bezugspersonen für seine Kinder ist.“ Dabei, so Erich Lehner, gehe es in erster Linie um die Bindung, eine lebenslange Verbindung zwischen Vätern und ihren Kindern.

„Die Frage ist doch: Was ist für unsere Kinder das Beste? Und die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Für unsere Kinder ist es das Beste, wenn sie in ein verlässliches Umfeld eingebettet sind. Wenn sie Personen um sich haben, die echte Bezugspersonen sind und sein wollen.“ Die Psychologie spreche in diesem Fall von „sicherer Bindung“. Und sichere Bindung, so Erich Lehner, entstehe durch Präsenz.

Politik muss Präsenz ermöglichen

Seiner Einschätzung nach, definiere dieses Wissen auch einen klaren Handlungsbedarf für die Politik. Hier müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Vätern, eben diese Präsenz in der Familie ermöglichen. „Dass Väter in Karenz gehen, dass Väter sich um ihre älteren Kinder kümmern, darf eigentlich nicht immer nur über individuelle Impulse erfolgen, dort eben sein, wo ein Mann das unbedingt will und auch durchsetzen kann“, sagt Erich Lehner:

Dass es wichtig ist, dass Männer in den Familien präsent sind, davon müsste man Chefs, davon müsste man die Wirtschaft überzeugen.“

Der ideale Vater: Väter 4.0?

Der Katholische Familienverband lädt nun am 23. Oktober zu einer Veranstaltung, die sich mit dem Vatersein und dem Vaterbild heute auseinandersetzt. Bei „Väter 4.0: Vom Mehrwert der Männer im Leben ihrer Kinder“ werden sich zwei namhafte Referenten mit den unterschiedlichen Vaterbildern auseinandersetzen. Psychotherapeut und „Männerforscher“ Erich Lehner wird die Rolle eines aktiven Vaters beleuchten und dabei fragen: „Wie viel Mütterlichkeit braucht ein Vater?“ Psychiater und Psychotherapeut Raphael Bonelli widmet sich dem Thema „Väter sind keine Mütter“ und wird dabei unter anderem der Frage nachgehen: „Welchen Vater braucht ein Kind?“.
Im Anschluss an die Vorträge diskutieren die Referenten mit fünf Vätern in unterschiedlichen Familienkonstellationen. Auf dem Podium: ein traditioneller Familienvater, ein Patchworkvater, ein Alleinerzieher, ein Großvater. Sie alle werden über Herausforderungen und Glücksmomente in ihrem Alltag und ihre Wünsche für die Zukunft sprechen.

Väter 4.0: Vom Mehrwert der Männer im Leben ihrer Kinder
Dienstag, 23. Oktober 2018, 18.30 bis 21.00 Uhr, Leo-Saal, Stephansplatz 3, 1010 Wien.
Anmeldungen bitte per Mail unter info@familie.at oder telefonisch unter 01/ 515 52 3201. Kinderbetreuung auf Anfrage durch den Omadienst des Katholischen Familienverbandes Wien.

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EIN ARTIKEL VON
  • Andrea Harringer

    „Meine Mami schreibt das auf, was ihr andere Leute erzählen.“ Das sagte mein Sohn, als man ihn fragte, was seine Mama beruflich mache. Seit 2001 bin ich Redakteurin in der Erzdiözese Wien, schreibe für den „Sonntag“ und versuche, Themen wie Familie, Kinder und Erziehung auch aus einem christlichen Blickwinkel zu beleuchten.


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