30. Juni 2018

Unterschätzte Anstrengung frisch gebackene Mama sein

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So schön es auch ist mit dem ersten Kind zur Mama zu werden, doch die Zeit mit dem Baby ist anders. Denn der Sprung von Paar auf Eltern, wenn das Baby auf die Welt kommt, ist überhaupt die allergrößte Veränderung im Laufe des gesamten Elternlebens.

Oft fragen mich frisch gebackene Eltern, wie man das denn überhaupt mit vier Kindern schaffen kann, sie seien mit einem Kind schon so ge- und manchmal auch überfordert. Und ich kann sie so gut verstehen!

Unabhängig davon, ob und wie viele Kinder dann noch kommen werden. Alles ändert sich mit der Geburt des ersten Kindes! War man vorher noch Chefin im eigenen Leben, bestimmt jetzt jemand anders. Ein kleines Wesen, das ganz und gar abhängig von einem ist. Diese Wucht an Verantwortung kann einen schon mal umhauen. Spontane Entscheidungen, abenteuerliche Reisen, entspannte Vollbäder sind für viele Mütter erst einmal passé. Morgens aufstehen, in Ruhe duschen, anziehen, frühstücken und dann mit voller Kraft in den Tag starten? Diese Zeiten sind vorbei. Ich erinnere mich  noch genau: Den Schlafentzug der vergangenen Nächte noch tief in den Knochen sitze ich am Esstisch, lasse zuerst einmal das Baby frühstücken und ahne schon, dass der Pyjama das Outfit für den Rest des Tages bleiben wird.

Einsam mit dem Baby

Hatte man als kinderlose Frau gut angefüllte Tage auf der Uni oder in der Arbeit, sitzt man dann zu Hause mit dem kleinen Knirps. Vielleicht ganz verloren in einem elendslangen Tag, wartend bis abends der Mann aus der Arbeit kommt. Wie sehr habe ich meinen Mann beneidet, weil der konnte ja in Ruhe aufs Klo, war in Gesellschaft anderer Erwachsener und hat selbst bestimmt, welcher Aufgabe er sich als nächstes ungestört widmen will. Es kann für Mütter ganz schön einsam und  – seien wir ehrlich – öde sein, auch wenn sie ihr Baby natürlich lieben und grundsätzlich gern Zeit mit ihm verbringen. Aber zehn Stunden alleine können ewig lang sein. Und wenn das Wetter dann schlecht ist, es keine Zeit zum Duschen gibt und sich in der Küche das Geschirr der letzten Tage stapelt, sitzt so manche Mama ganz tief im dunklen Loch.

Ich hatte zwar im ersten Babyjahr auch meine Freundinnen, eine Krabbelgruppe und bin jeden Tag zumindest einmal raus. Die  Momente der Einsamkeit hat es trotzdem gegeben. Denn auch wenn Kommunikation mit Babys von Geburt an möglich ist, ein richtiges Gespräch kann man mit ihnen natürlich nicht führen. Mit meinem Sechsjährigen oder meiner Vierjährigen ist das heute schon ganz anders. Mit denen kann ich mich richtig unterhalten.

anstrengung mutter sein - meinefamilie.atImmer beschäftigt und trotzdem nichts erledigt

Die Tatsache, mit so einem Baby rund um die Uhr beschäftigt zu sein und trotzdem so viele Dinge nicht zu erledigen, fand ich phasenweise echt zermürbend. Es gab Tage, da konnte ich absolut nichts von meiner (inneren) To-Do-Liste abhaken, weil das quengelnde Baby ständig getragen werden wollte, und alle Versuche, es endlich schlafend im Bett zurück zu lassen kläglich gescheitert sind. Ich habe mir zwar gesagt, dass eben genau das jetzt meine wichtigste Aufgabe ist: Mich um mein Kind kümmern, weil seine Zähnchen drücken, der Bauch wehtut oder die Welt an diesem Tag einfach nicht so freundlich ausschaut. Frustriert hat es mich an diesen Tagen aber trotzdem, dass ich so gar keine ‚sichtbaren‘ Erfolge aufweisen konnte.

Gleichzeitig schön und mühsam

Kinder sind verschieden und brauchen unterschiedlich intensive Betreuung. Mamas sind auch verschieden und kämpfen unterschiedlich intensiv mit den an sie gestellten Anforderungen. Und häufig ist es so, dass Freude und Mühsal ganz nah beieinander liegen. Wie oft habe ich mich durch einen zähen Vormittag gewurstelt und fand mein Leben am Nachmittag mit Baby und Eis im sonnigen Park dann einfach wunderschön. Die Zeit mit dem Baby kann wirklich bilderbuchmäßig sein, wenn es aber nicht so ist, müssen wir Mamas das nicht verstecken. Auch wenn rein ‚objektiv‘ betrachtet alles in Ordnung ist, weil das Baby gesund, die Geburt gut gelaufen, der Partner liebevoll ist und auch sonst keine großen Sorgen drücken, kann es sein, dass man sich emotional wie in einer Achterbahn fühlt. Bei mir gab und gibt es die eine Strategie, um aus einem Tief wieder raus zu kommen, nicht. Als Erste-Hilfe-Maßnahme bewährt hat sich aber immer, mir eine Schulter zum Anlehnen und Ausweinen zu suchen. Und so mute ich – damals wie heute – meinem Mann und meinen besten Freundinnen mich und meine Stimmungen zu. Ungefiltert und ungeschönt.

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EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.


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