29. Juni 2018

Geschwisterrivalitäten – Wege zurück zur Familienharmonie

geschwisterrivalitäten - harmonie für eltern

Rangelei und Wortgefechte zwischen Geschwistern gehören zu jenen Bereichen, die Eltern im Erziehungsalltag am meisten belasten. Hässliche Beschimpfungen, aufreibende Vergleiche, zickiges Ankreiden der Anderen, trotz aller Bemühungen jedem Kind Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken, lassen viele Eltern frustriert auf das Miteinander ihrer Kinder blicken.

Was können Eltern hier tun, um etwas Harmonie in das Familienleben zu bringen, außer sich damit zu trösten, dass Konflikte in der Familie Kinder auf das Leben vorbereiten?

Zwischen Geschwistern wirken gegensätzliche Kräfte, ihr Verhältnis ist geprägt von dem Gefühl der Zusammengehörigkeit einerseits und dem Wunsch nach Differenzierung und Abgrenzung andererseits. Das macht es möglich, dass ein Kind x-mal nach seinem Bruder frägt, wenn dieser einmal nicht da ist und gleichzeitig unzählige Mal betonen muss, um wie viel toller, schneller und besser er etwas gemacht hat als sein Bruder.

Geschwister leben in dem Spannungsverhältnis von Konkurrenz und Bündnis und je nach Geschwisterfolge, Charakter, Selbstwertgefühl und Entwicklungsphase, zeigt sich die eine oder die andere Seite stärker.

Einmal haben sie sich sehr gern und finden Spaß daran, sich gegen ihre Eltern zu verbünden. Ein anderes Mal kämpfen sie wiederum gegeneinander um ihren Platz in der Familie, um Anerkennung und Bedeutung in den Augen ihrer Eltern. Hat ein Kind ein geringeres Selbstwertgefühl als seine Geschwister, so wird die Konkurrenz eher im Vordergrund stehen, als das Bündnis.

# Ursachen richtig erkennen

Den Streitigkeiten zugrundeliegende Ursachen zu erkennen und entsprechend darauf einzugehen, wird ein wichtiger Lösungsansatz sein. Hier ist es für Eltern wichtig, sich zu fragen, ob man einem Kind helfen sollte, mehr Selbstwertgefühl aufzubauen, oder ob es eher darum geht, Verständnis dafür zu haben, dass das Kind durch eine Krise begleitet werden muss. Oder vielleicht wird es eher notwendig sein, den einzelnen Kindern mehr Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken. Wichtig ist zu erkennen, dass wir Geschwisterrivalitäten nicht lösen, indem wir Streitigkeiten einfach unterbinden oder abblocken, sondern auf die eigentlichen Probleme eingehen. Das ist oft nicht einfach und kann uns über eine lange Zeit beschäftigen.

# Die echten Gefühle zulassen

Eltern geht es häufig nur darum, dass es keinen Streit gibt. Sie tun die Reibereien als lächerlich und Kinderkram ab, die es abzuschalten gilt. Eltern sollen daher Angriffe von Geschwistern nicht einfach nur kleinreden. „Wenn du nicht reagierst, wird er dich in Ruhe lassen.“ „Nimm das doch nicht ernst, was sie sagt, das ist doch nur Unsinn.“ Doch das ist für ein Kind selten hilfreich, denn es ist aus der Erwachsenenperspektive gedacht. Denn für Kinder ist der Geschwisteralltag das echte Leben „in Kleinformat“.

Eltern tun die Reibereien als lächerlich und Kinderkram ab.

Liebe und Hass, Neid, Konkurrenz oder Akzeptanz gegenüber Verschiedenartigkeit, alles kommt hier vor. Und mit allem müssen sie lernen umzugehen. Auf positiven Gefühlen zwischen Geschwistern zu bestehen, erzeugt erst recht negative. Erst wenn Eltern schlechte Gefühle zulassen und Verständnis dafür signalisieren, dass man sich mit dem anderen schwertut – dass man „ihn manchmal am liebsten an der Decke kleben sehen würde“-,  ermöglicht das positive Gefühle. Versucht man sich als Eltern in die Sichtweise der einzelnen Kinder hineinzudenken und aus dieser Perspektive das Verhältnis zu den Geschwistern zu sehen, werden Rivalitäten oft verständlicher und können dann besser angesprochen werden.

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# Schwierigen Geschwisterkonstellationen entgegenwirken

Besonders heftig können Geschwister gleichen Geschlechts mit geringem Altersunterschied rivalisieren, da hier der Wunsch nach Differenzierung stärker ist. Brüder rivalisieren oft auf unangenehmere Weise als Schwestern, da es bei Buben grundsätzlich mehr um das Erkämpfen von Machtpositionen geht und es schneller zu körperlichen Auseinandersetzungen kommt. Jedes Kind möchte individuell wahrgenommen werden. Daher ist es wichtig, die beiden nicht immer „ins selbe Boot zu stecken“, nur weil es einfacher ist, die fast Gleichaltrigen überall gemeinsam hinzuschicken. Unterschiedliche Interessen und Aktivitäten, aber auch getrennte Freundschaften können förderlich sein. Auch bei der Wortwahl kann es hilfreich sein, wenn wir nicht immer von den beiden Mädchen oder Buben sprechen, sondern die Kinder bei ihrem jeweiligen Namen nennen. Körperliches Gerangel ist, insbesondere für viele Buben, ein wichtiger Energieausgleich und sollte von Eltern daher nicht zu sehr als zu negativ empfunden werden, sofern mehr oder weniger ein Kräftegleichgewicht vorhanden ist.

Ein schwieriges Verhältnis besteht auch meist zwischen einem älteren Bruder und einer zwei bis drei Jahre jüngeren Schwester, da beide von der Reifeentwicklung her auf einem ähnlichen Niveau sein können und der Bruder sich von der kleinen Schwester in seiner Position „bedroht“ fühlen kann. Hier ist es wichtig darauf zu achten, dass der Bub in seiner Position als Älterer wahrgenommen wird und nicht unbewusst auf dieselbe Ebene wie die kleine Schwester rutscht. „Schau die Lisa, kann auch schon so gut zeichnen wie du, was sagst du?“, wird eher dazu führen, dass der ältere Bruder seine kleine Schwester als Konkurrenz empfindet, als die Aufforderung „Möchtest du Lisa zeigen, wie ein Purzelbaum geht, sie weiß das noch nicht?“

# Unterschiedliche Charaktere

Schwierig gestaltet sich auch oft das Miteinander stark unterschiedlicher Charaktere. Hier ist es ebenso nicht zielführend, Harmonie erzwingen zu wollen, frei nach dem Motto „Geschwister müssen sich einfach gut verstehen, sie sind nun mal Geschwister.“ Oft wirkt dieser starke Wunsch vieler Eltern auf die Situation noch verschlimmernd. Hilfreicher ist es, den Blick des Kindes für die positiven Seiten des Bruders oder der Schwester zu schärfen und die Vorteile zu vermitteln, die daraus entstehen, dass man Geschwister hat, auch wenn diese anders sind, als man sich das manchmal wünscht.

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