19. April 2019

Von Erstgeborenen, Sandwichkindern und Nesthäkchen (Teil 1)

geschwisterkonstellation - meinefamilie.at

Viele Studien und noch mehr Wissenschaftler beschäftigten sich im Laufe der Jahre mit dem Thema Geschwisterkonstellationen. Was macht es für einen Unterschied, ob ich als erstes oder letztes Kind in die Familie geboren wurde, oder irgendwo dazwischen drinnen? Welche Eigenschaften werden den Sandwichkindern nachgesagt und was ist eher typisch für die Erstgeborenen oder die Nesthäkchen? Und wem sind denn wohl die Einzelkinder am ähnlichsten?

Die Erstgeborenen

Das familiäre Umfeld sieht bei den Erstgeborenen so aus, dass sich für die Familie mit der Geburt (oder schon mit der Schwangerschaft) des ersten Kindes vieles verändert und neu ordnen muss. Die Eltern haben noch keine Erfahrung mit eigenen Kindern, auf die sie zurückgreifen können. Sie probieren aus, was funktionieren könnte, um das Kind beispielsweise zu beruhigen oder sind auf Tipps von außen (Verwandte, Freunde, Hebammen, Beratungseinrichtungen, Kinderärzte) angewiesen. Jeder erste Schritt, ist wirklich der erste Schritt für die Familie – erstes Mal sitzen, erstes Mal aufstehen, erstes Mal alleine ein paar Schritte gehen bis hin zum ersten Kindergarten– oder Schultag – alles ist neu und aufregend für die ganze Familie.

Laut Studien gibt es von Erstgeborenen die meisten Fotos (da hat man, so denke ich, einfach noch besser Zeit zum Knipsen) und sie bekommen mehr Zeit und Aufmerksamkeit (werden zum Beispiel häufiger auf den Arm genommen) als die Nächstgeborenen. Sie müssen also ihre Aufmerksamkeit anfangs nicht teilen und diese Umstellung kann dann später – bei der Geburt eines Geschwisterchens – manchmal besonders schwierig sein.

Unser Großer ist viel vorsichtiger, als der Kleine

Man sagt jeder Geschwisterposition besondere Eigenschaften nach. Erstgeborene sind laut Studien häufig etwas vorsichtiger, als die nachfolgenden Geschwister, weil sie vielleicht die Nervosität der Eltern (jeder erste Schritt ist wirklich eine ganz neue Situation und man weiß nicht immer genau, was zu tun ist) unbewusst gespürt  haben. Gleichzeitig haben sie aber oft eine schärfere Kommunikationsfähigkeit, da mit ihnen besonders viel gesprochen wurde und die Aufmerksamkeit anfangs nicht geteilt werden musste. Weitere Eigenschaften, die Erstgeborene besonders häufig besitzen sind: gesetzestreu, erbringen gute schulische Leistungen, konservativ, haben ein besonderes Bedürfnis nach Bestätigung, fürsorglich, verantwortungsbewusst, selbstkritisch, sind gut organisiert und nehmen gerne das Ruder selbst in die Hand.

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Die Einzelkinder

Früher war es noch ungewöhnlich – oder gar schon fast inakzeptabel – nur ein Kind zu haben, heutzutage gibt es sehr häufig Einzelkinder und die Familie ist mit dieser Konstellation zufrieden und glücklich. Dann ist das Kind vergleichbar mit einem Erstgeborenen. Anders ist dies, wenn sich Eltern eine große Familie wünschen und sich dieser Wunsch nicht erfüllt. Dann kann man das Einzelkind ganz oft mit einem Nesthäkchen vergleichen. Unabhängig davon wissen die Eltern heute sehr gut über die Bedürfnisse der Kinder und die Wichtigkeit der sozialen Kontakte Bescheid. Sie geben sich Mühe, dass das Kind regelmäßig mit (gleichaltrigen) anderen Kindern zusammenkommt. Dadurch fühlen sich Einzelkinder auch keinesfalls einsam oder „sozial isoliert“.

Sind Einzelkinder die besseren Schüler?

Besondere Eigenschaften, die den Einzelkindern nachgesagt werden, können sein: gute schulische Leistungen und gutes Ausdrucksvermögen, selbstbewusst, identifizieren sich mit Älteren, können sich gut alleine beschäftigen, starker Hang zum Perfektionismus, kommen mit Unwägbarkeiten schlechter zurecht, fühlen sich von Gleichaltrigen oft „missverstanden“ und denken sehr logisch und strategisch.

Im Beitrag nächste Woche befassen wir uns damit, was die Wissenschaft über Nesthäkchen und Sandwichkinder herausgefunden hat.



EIN ARTIKEL VON
  • Bettina Fauler

    Ich lebe mit meinem Partner und unserem Sohn in Tirol. Hauptberuflich bin ich Mama, auch wenn ich Teilzeit als Sonderkindergartenpädagogin, Elternbildnerin und Trainerin arbeite. Ich erlebe einen abwechslungsreichen (Erziehungs-)Alltag, den ich gerne mit anderen teile.


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