9. Oktober 2018

Erzwungene Zärtlichkeiten

erzwungene zärtlichkeiten - meinefamilie.at

Kindliche Zärtlichkeiten sind Balsam für die Seele nicht nur für Mama und Papa, sondern auch für Onkel, Tante, Oma, Opa, etc. Doch ist es wichtig, die Freiheit und Grenze des Kindes zu achten. Hier ein besonders anschauliches Beispiel.

„Na, krieg’ ich denn heute kein Bussi?“ Das Kind widersetzt sich verlegen oder schmollend den angeordneten Zärtlichkeiten. „Da bin ich aber traurig!“ verstärkt Oma mit einem gekünstelten, vorgetäuschten Weinen. Als das auch nichts nützt, droht sie: „Dann kriegst aber kein Zucki!“ und zieht lockend die Packung mit den Süßigkeiten aus der Tasche. Damit kann sie schließlich ihr Enkelkind überzeugen. Zuckerllutschend und steif lässt es sich von seiner Oma abschmusen.

Echte Zuneigung kann nur in freier Hingabe entstehen

Auch wenn wir kindliche Zärtlichkeiten noch so sehr lieben. Es ist wichtig, dass wir Kindern von klein auf den Freiraum lassen, den sie brauchen, um Zuneigung spontan und herzlich zeigen zu können. Erwachsene müssen ehrliches Interesse zeigen und warten können, bis ein Kind innerlich bereit ist. Gefühle lassen sich nicht erzwingen, schon gar nicht erkaufen. Damit verderben wir nur den unschuldigen kindlichen Charakter. Sie durchschauen Berechnung, Zwang und vorgetäuschte Gefühle. Sie gehen auf innere Distanz und verlieren früher oder später die Achtung vor Erwachsenen, die ihre Zuneigung erzwingen, erschleichen oder erkaufen wollen.

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Die Grenze des Kindes achten

Wer auch negative Gefühle eines Kindes akzeptieren kann und seine Zuneigung nicht von dessen Wohlverhalten abhängig macht, gewinnt ganz von selbst die Herzen der Kinder. Die Freude über deren spontane Herzlichkeiten ist dann umso schöner.

 

Haben wir es nötig, Zärtlichkeiten zu erzwingen oder zu erkaufen?

Was geht in einem Erwachsenen vor, der unschuldige Liebe erschleichen möchte? Ist es nicht das Eingeständnis einer gewissen Liebes- und Beziehungsunfähigkeit? Kindliche Zärtlichkeiten als Ersatz für misslungene Beziehungen? Bei Frust in der Partnerschaft? Seien wir ehrlich zu uns selber und scheuen wir uns nicht, auch auf die Schattenseiten unserer Seele zu schauen – um dabei zu entdecken, dass wir es gar nicht nötig haben, zu buhlen. Jeder von uns ist auf seine Weise liebenswürdig – wenn wir damit beginnen, uns selbst von Herzen zu mögen, so wie wir sind – um daraus die Kraft für Entwicklung zu schöpfen.

Schutz vor Missbrauch: Kinder müssen Nein sagen lernen

Der Wunsch, Kindern einen respektvollen Umgang mit Erwachsen zu vermitteln, darf nicht so weit gehen, dass sie nicht mehr zu widersprechen wagen. Einem Kind einzutrichtern, dass „es sich gehört“ sich von Erwachsenen angreifen oder abschmusen zu lassen, kann gefährlich werden: dann lernt es nicht, sich in gesunder Weise abzugrenzen und wird leicht zum Missbrauchsopfer. Auf jeden Fall wird es sich schwer tun, seinen eigenen Gefühlen zu trauen und gesunde Ich-Stärke zu entwickeln – obwohl  Kinder im Normalfall ein Gespür dafür haben, wenn jemand eine Grenze überschreitet, noch lange bevor es zu einem tatsächlichen Übergriff kommt. Erschlichene Zärtlichkeiten können das psychische Immunsystem des Kindes beschädigen – das kann doch nicht unsere Absicht sein?!

 

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