16. Mai 2019

„Als der Urliopa starb“ – Wie wir mit kindlicher Trauer umgingen


Valerie war fünf Jahre alt, als ihr Urliopa krankheitsbedingt starb. Es war das erste Mal, dass sie mittelbar mit dem Thema „Tod“ konfrontiert wurde. Sie war sehr traurig über den Verlust ihres geliebten Urlis und wollte viel darüber sprechen.

Kinder trauern sehr individuell: Während die einen, wie Valerie, sehr viel über ihren Kummer sprechen wollen, neigen andere zum Schweigen. Oft kann es sein, dass sich der Schmerz erst Wochen oder Monate später zeigt. Das heißt, als Elternteil sollte ich mein Kind und sein Verhalten beobachten und sensibel für seine Bedürfnisse sein.

Gemeinsam nachdenken

Bei Valerie tauchten viele Fragen auf, die sich mit Sorgen vermischten. Einige ihrer Fragen waren: „Stirbst du auch einmal, Mama?“ „Wer ist für mich da, wenn du stirbst?“  „Muss auch ich einmal sterben?“ „Was passiert, wenn man stirbt?“ „Tut das weh?“ „Ist man dann irgendwo anders?“

(c) iStock

Ich nahm mir viel Zeit für ihre Fragen – selbst für die, die mich verunsicherten, weil ich keine richtige Antwort darauf hatte. Aber ich wollte Valerie zeigen, dass ich sie ernst nahm und es zumindest die Möglichkeit gab, gemeinsam darüber nachzudenken.

Vor allem auf die Frage, wer für sie da sein würde, wenn wir Eltern frühzeitig sterben sollten, wollte ich ihr Antwort und somit Sicherheit geben. Denn der Tod stellt für Kinder immer eine existentielle Bedrohung dar. Durch den Verlust einer nahestehenden Person fällt für sie nicht nur der geliebte Mensch sondern auch automatisch ihre Verpflegung, Versorgung weg. Wer kocht für mich? Wer bringt mich zu Bett? Wer hat mich einfach nur lieb? Um Valerie diese Angst zu nehmen bastelten wir eine „Notfallkette“. Dazu schnitten wir aneinander hängende „Maxerl“ aus und schrieben auf jedes den Namen einer Person, die für sie da sein würde. Bei uns waren es: Oma, Opa, Patentante, Patenonkel, Tanten, Onkeln und Freunde von uns. Mit jedem neu beschriftetem „Maxerl“ wurde Valerie bewusster, dass es ja so viele Menschen gab, die sie lieb hatten und auf die sie sich verlassen konnte.

Bei Gott im Himmel

Auf die Frage nach dem „Was kommt nach dem Tod?“ wollte ich unserer Tochter das christliche Bild vom Leben nach dem Tod anbieten. So sprachen wir davon, dass der Urli jetzt im Himmel bei Gott wäre, er nun keine Schmerzen mehr hätte und wieder glücklich wäre. Lächelnd fügte Valerie – wissend um die Lieblingsbeschäftigung ihres Uropas – hinzu: „Jetzt fährt er mit Gott halt im Himmel Traktor“.

Die Vorstellung vom Leben nach dem Tod kann Kindern in ihrem Kummer Trost und Halt bieten. Durch den Jenseitsglauben ist die verstorbene Person nicht endgültig aus dem Leben verschwunden, sondern in einer anderen Art und Weise weiterhin verfügbar. Es kann eine Beziehung über den Tod hinaus aufgebaut werden. So spricht Valerie beim Beten noch oft mit ihrem Urliopa, erzählt ihm etwas, oder bittet, dass er gut auf alle aufpassen solle. Bei der Taufe unserer jüngeren Tochter Anna wurde eine Fürbitte, in der mein Opa vorkam formuliert.

Hinzu hat Valerie das Wissen bekommen, dass Geboren werden und Sterben fester Bestandteil unseres Lebens sind. Das heißt, sie weiß, dass sie ihn irgendwann einmal wieder sehen wird. Wichtig war mir, ihr diesen Glauben nicht aufzuzwingen und als die absolut einzige Wahrheit aufzudrängen, sondern ich formulierte es mit den Worten: „Wir Christen glauben, hoffen, dass der Uropa jetzt im Himmel bei Gott ist…“

Abschied nehmen

Für das Begräbnis wollte sich Valerie auch irgendwie einbringen. Deshalb malte sie ein Bild vom Uropa mit Jesus und einem Engel. Dieses wurde unter der Trauermesse mit einem Beamer auf eine Leinwand projiziert.

Andere Möglichkeiten, wie sich Kinder bei Verstorbenen verabschieden können, wären eine Kerze zu gestalten, welche sie zum Grab bringen, etwas Persönliches zu basteln, oder wenn sie schon schreiben können, einen Brief zu verfassen.

Geschichten und Bilderbücher können Kindern bei ihrer Trauerbewältigung helfen. Mittlerweile gibt es schon eine große Reihe an Büchern zu diesem Thema, weshalb dazu ein eigener Artikel folgen wird.

Wichtig bei dem Umgang mit Schmerz war mir noch, Valerie meine eigene Trauer zu zeigen und sie nicht vor ihr zu verstecken. So weinte ich vor ihr, damit sie wusste, der Schmerz muss nicht runtergeschluckt werden. Sie sollte wissen, es war Platz für Trauer, aber dass diese nicht ewig anhielt. Nach dem Kummer folgt wieder eine Zeit der Freude.

Was man unbedingt noch wissen sollte:
  • Beim Sprechen über den Tod sollte man die Phrase „Er/Sie ist eingeschlafen“ vermeiden. Kinder können deswegen Ängste vorm Schlafen gehen entwickeln.
  • Das Leben nach dem Tod sollte nicht überverherrlicht werden. Es kann sonst Todessehnsüchte auslösen.
  • Als Elternteil sollte ich auf das Verhalten meines Kindes achten, wenn bei Freunden, jemand aus dem Kindergarten oder aus der Schule gestorben ist. Ich habe es selbst in meinem ersten Dienstjahr miterlebt, als zu Schulbeginn die Mutter einer Schülerin starb, dass die Mitschüler sehr betroffen waren und ebenfalls eine Aufarbeitung ihrer Trauer benötigten.
  • Wenn man als Mama oder Papa merkt, dass einem die Auseinandersetzung mit dem Tod zu schwer fällt, oder es das Kind psychisch total aus der Bahn wirft, sollte man sich dies ehrlich eingestehen und professionelle Hilfe suchen. Eine tolle Organisation, die es in jedem Bundesland gibt wäre „Rainbows“.
Auf zwei Bilderbücher möchte ich noch kurz verweisen:
(c) Verlagsgruppe Oetinger
(c) Hanser Literaturverlage


EIN ARTIKEL VON
  • Doris Dolezal

    Mit Herz, Hirn und Humor versuchen mein Partner und ich den Alltag mit unseren zwei wundervollen Mädels (8 Jahre und 5 Monate) und unserem Kater zu meistern. Doch nicht nur in der Familie sammle ich die unterschiedlichsten Erfahrungen mit Kindern, auch in meinem Beruf als Religionspädagogin.


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