31. Oktober 2018

Wie geht man mit Überforderung um? Gewalt ist keine Lösung.

überforderung - meinefamilie.at

Es gibt Situationen, in denen Eltern zu leichter körperlicher Gewalt greifen, um vermeintliche Grenzen aufzuzeigen. Die eigene Überforderung wird in diesem einen „Akt“ kanalisiert und ist definitiv falsch. Die Frage ist aber: Wie reagiert man richtig, damit es erst gar nicht so weit kommt?

Es klingt provokant. Aber man kann sich durchaus vorstellen, vor allem wenn einen Kinder zur sprichwörtlichen Weißglut bringen, dass ein Klaps auf den Hintern helfen kann. Ganz sicher nicht dem Kind, das in dieser Situation nur erlebt, dass die Eltern zu leichter körperlicher Gewalt greifen, um vermeintliche Grenzen aufzuzeigen. Aber es ist eine Erleichterung für die Eltern, wenngleich nur temporär. Man kann die eigene Überforderung in diesen einen „Akt“ kanalisieren.

Zweifellos fühlt man sich danach, zu Recht, schlecht. Schnell wird man bewusst, dass man falsch gehandelt hat. Die Frage ist aber: Wie sonst hätte man handeln sollen – im besten Fall so, dass es zu der „Situation“ erst gar nicht gekommen wäre? Keine einfache Antwort. Schließlich hat man ja deutlich gemerkt, dass Worte nicht mehr geholfen haben.

Was tun?

Was also tun? Zuerst einmal: Sich selbst die Überforderung eingestehen und, sofern emotional noch möglich, auf eine Meta-Ebene gehen. Welche Situationen überfordern mich in welchem Kontext wann? Ein „Tagebuch der Überforderungen“ wäre eine Idee. In dieses schreibt man, welche Situationen einen wann völlig überfordert haben.

Durch das Niederschreiben bekommen die Situationen ein Gesicht, werden bewertbar und analysierbar. Kommt man wieder einmal nahe an die Grenzen, dann hilft womöglich eine Erinnerung an den verfassten Tagebucheintrag. Die Situation wird so als quasi schon-einmal-erlebt und als damals-abgeschlossen erlebt. So wird alles betrachtbar, wie mit einem leicht kühlen Außenblick auf sich selbst und die gegenwärtige Situation.

Außerdem: Eltern müssen keine unfehlbaren Superhelden sein, die stets den Überblick über die Lage haben und immer richtig reagieren und agieren. Wichtig ist lediglich, dass sie nicht so offenkundig falsch reagieren wie mit Klapsen oder gar wirklichen Schlägen.

Es ist aber kein Problem, sich auch von Zeit zu Zeit als Mensch mit Schwächen zu zeigen. Kinder dürfen die elterliche Überforderung durchaus auch mitbekommen. So erleben sie, dass sie auch Mit-Autoren im „Tagebuch der Überforderung“ sind und dass es für solche Situationen immer zwei braucht. Wer hat es als Vater oder als Mutter noch nie erlebt, dass das Kind ganz genau weiß, welche „Hebel“ es bewegen muss, damit man vor Wut fast überschäumt?

Sinnvoll ist es natürlich, sich selbst oder/und das Kind als Situationen herauszuholen. Vor allem dann, wenn man weiß, wie diese meist enden. Und damit sind nicht nur mögliche Klapse, sondern auch unschöne Wörter gemeint, die man wenigen Minuten später, wenn sich die Wogen wieder geglättet haben, schon wieder bereut. Wenn man im Vergleich mit ähnlichen Situationen den „point of no return“ findet, also den Punkt ab dem alles kippt und hin zur Eskalation strebt, dann kann man mit etwas rationaler Mühe im irrationalen Streit kurz zuvor abbrechen.

Fazit

Überfordert sein ist menschlich. Gänzlich falsch zu handeln ist aber vermeidbar. Es gibt „Tools“, damit es gar nicht erst so weit kommt. Vorarbeit und Überlegungen bevor es wieder zu kritischen Situationen kommt ist dabei aber unumgänglich.

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EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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