21. Januar 2019

Wenn Kinder lügen: was tun?

kinder lügen - meinefamilie.at

Was tun, wenn ich mein Kind beim Lügen ertappe?

Lügen als Mittel zum Zweck

Lügen werden oft als Mittel zum Zweck eingesetzt, um Vorteile zu erlangen („Wir brauchen 10 Euro für die Klassenkassa“ statt „Ich will ins Kino gehen“) oder um Schwierigkeiten oder Anstrengungen zu vermeiden („Wir haben keine Hausübung“ statt „Ich mag lieber Fernsehen“).

Welche Bedürfnisse stecken dahinter?

Wenn Sie Ihr Kind also beim Lügen ertappen, ist es wichtig, ein ernstes aber verständnisvolles Gespräch zu führen, um herauszufinden, welche Bedürfnisse das Kind mit der Lüge befriedigen wollte. Dann helfen Sie ihm, seine Wünsche nach Wichtigkeit und Dringlichkeit selber zu bewerten und gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen, diese in die Wirklichkeit umzusetzen oder einen Weg zu finden, sich Schwierigkeiten und Herausforderungen zu stellen. Dann wird es akzeptieren, dass der leichte Weg nicht immer der beste ist und schrittweise Frustrations­toleranz erwerben.

Lügen aus Angst vor Strafe

Die andere große Ursache für kindliches Lügen ist die Angst: Angst vor Strafe, Angst vor Schimpfen, Angst vor Verboten oder auch Angst, Ihnen weh zu tun. Angst ist auf alle Fälle ein schlechtes Erziehungsmittel, selbst wenn es Ihnen gar nicht bewusst sein mag, dass Ihr Verhalten Angst auslöst. Es ist wichtig, dass Ihr Kind Ihnen alles sagen kann, ohne sich fürchten zu müssen und ohne sich unter Druck zu fühlen, beispielsweise durch Fragen, die sich anfühlen wie ein Verhör. Gerade, wenn etwas schief gelaufen ist (die eingeschlagene Fensterscheibe, der Fünfer im Zeugnis, der Kaufhausdiebstahl, etc.) zeigt es sich, ob die Vertrauensbasis zwischen Eltern und Kindern tragfähig ist.

Seien Sie offen, direkt, aber nicht bedrohlich

Wenn Sie Ihr Kind beim Lügen ertappen, geben Sie nicht eine Botschaft von sich wie etwa: „Jetzt bist du unten durch bei mir!“,  sondern versuchen Sie es unter vier Augen zu konfrontieren, indem Sie den Vorgang in kleine Schritte zerlegen:

1) Ihre objektive Wahrnehmung: „Ich habe vorhin diesen Knall gehört und sehe, dass die Scheibe kaputt ist. Ich kann nicht glauben, dass es der Wind war, denn das hört sich anders an“

2) Ihre Vermutung: „Ich habe das Gefühl, dass du mir nicht die Wahrheit gesagt hast.“

3) Stellungnahme abwarten (zB durch einladendes Schweigen, um Ihrem Kind Raum zu geben) oder einfordern: „Ich möchte, dass du mir ehrlich erzählst, wie sich das zugetragen hat.“ Vermeiden Sie einen drohenden Unterton. Bei Zögern versichern Sie Ihrem Kind, dass es Ihnen vor allem um die Wahrheit geht und dass es keine Strafe geben wird, nötigenfalls aber Konsequenzen.

Um offen zu sein, muss das Kind Vertrauen haben. Vertrauen kann es aber nur, wenn Sie auch wirklich „vertrauenswürdig“ sind. Das geht nur, wenn es keine Bedrohung und keinen Druck spürt, sonst wird es nach weiteren Lügen oder Ausreden suchen, oder einen anderen beschuldigen. Wenn es noch immer Hemmungen hat oder Widerstand zeigt, hilft eine Abmachung: „Du musst mir nicht alles sagen. Aber ich wünsche mir, dass das, was du sagst, auch wahr ist.“ Erklären Sie Ihrem Kind auch, wie wichtig Ihnen die gegenseitige Vertrauensbasis ist, die durch das Lügen untergraben wird.

Sagen Sie Ihrem Kind, dass Sie an seinen guten Kern glauben und dass Sie es dabei unterstützen werden, diese schlechte Gewohnheit abzulegen.



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