7. August 2018

Wenn der Lehrstoff in der Schule die Eltern überfordert

Wenn der Lehrstoff in der Schule die Eltern überfordert - meinefamilie.at

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernt man. Doch was, wenn die mitten im Leben stehenden Eltern nicht mehr zurück in den Lehr- und Lernstoff der Schule finden? Was, wenn man beim Wiederholen des Schulstoffes in den Sommerferien nicht weiter weiß?

Es ist nicht leicht sich die Tatsache einzugestehen, dass man mit dem Lehrstoff in der Schule der Kinder überfordert ist. Oder zumindest teilweise ratlos etwa vor einer Mathe-Aufgabe der Tochter sitzt. Eigentlich hatte man das alles doch gelernt. Wenn man ehrlich ist, dann hat man aber auch vieles wieder vergessen. Die Theorie, dass man doch eigentlich für das Leben lerne und nicht für die Schule kommt damit gehörig ins Wanken. Was, wenn man doch nur, zum Teil jedenfalls, lediglich für die Schule lernt und ein gewisser Teil des Gelernten einfach dem Vergessen anheimfällt?

Er erscheint uns, obgleich natürlich eher simpel, wie ein Wissen aus einer anderen Zeit und einer anderen „Welt“. Gut denkbar auch, dass sich unser Erwachsenen-Ich dagegen wehrt, noch einmal Kind zu werden und sich Wissen anzueignen, das es eigentlich als wenig fruchtbar gekennzeichnet hat.

Was ist eigentlich lernen?

Aber wozu lernt man eigentlich und was ist überhaupt lernen? Lernen ist, ganz basal ausgedrückt, erst einmal Alphabetisierung und das Erlernen der Grundrechenarten. Die durch das Lernen erzielte Zäsur ist niemals größer als beim Erlernen der Schrift. Das Kind beginnt verstärkt damit, die Welt in Worte und Begriffe zu fassen. Es lernt die Welt zu beschreiben und bemerkt, dass man sich bei bestimmten Phänomen oder Ereignissen auf konkrete Begriffe einigen kann. Die im Kleinkindalter noch amorphe Welt wird konkreter. Unter den Zeichen der Schrift wird die Welt aber auch komplexer, weil deutlich mehr Differenzierungen möglich geworden sind. Bei Mathematik lernt das Kind außerdem, dass Teile der Welt schlicht und einfach berechenbar und handfest analysierbar sind.

Überforderung

Woraus resultieren aber Überforderungen der Eltern, was die Hausaufgaben der Kinder betrifft? Womöglich daraus, dass Erwachsene andere Aspekte des Gelernten als sinnvoll und handlungswirksam erlebt haben. Soll heißen: Das Gelernte hat womöglich nicht mit der Welt, in der wir als Erwachsene leben korrespondiert.

Wobei das Verhältnis natürlich reziprok ist: Auch wir Erwachsene können noch lernen und uns Weltbeschreibungswerkzeuge neu erarbeiten, und sei es im neuerlichen Mitlernen mit den Kindern. Wie stark etwas korrespondiert und wie nützlich uns Wissen werden kann hängt nicht zwingend mit der Komplexität des Wissens oder mit der Schulstufe zusammen, in welcher dieses gewöhnlicherweise gelernt und gelehrt wird.

Die Überforderung kommt also schließlich daher, dass wir keinen Zugang zum Lehrstoff der Kinder finden. Er erscheint uns, obgleich natürlich eher simpel, wie ein Wissen aus einer anderen Zeit und einer anderen „Welt“. Gut denkbar auch, dass sich unser Erwachsenen-Ich dagegen wehrt, noch einmal Kind zu werden und sich Wissen anzueignen, das es eigentlich als wenig fruchtbar gekennzeichnet hat.

Sich darauf einlassen

Ein guter Rat ist es somit, sich auf die „Welt“ der Kinder und den damit verbunden Lehrstoff einzulassen. Es ist schön, noch einmal neu zu lernen und zu erlernen und sich somit in den Lernprozess des Kindes und dessen Bildungserwerb besser einfühlen zu können. Mehr noch als die Einfühlung in die Bildungswelt der Kinder ermöglicht diese Haltung, dass man dem Kind mit Rat und Tat zur Seite stehen kann und mit dem eigenen Wissenshorizont die Mechanismen und Hintergründe des Schulwissens neu und unter Umständen anders beleuchten kann. Davon profitiert das Kind allemal. Davon profitieren Eltern und Kinder.

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EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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