16. März 2019

Warum man Kinderängste unbedingt ernst nehmen sollte

kinderängste - meinefamilie.at

„Da brauchst du doch keine Angst haben!“ Wie bitte soll jemand anderer einschätzen können, was Angst einjagt und was nicht? Kinderängste sollte man immer, aber auch wirklich immer ernst nehmen.

 

„Da brauchst du doch keine Angst haben!“ Vermutlich ist jedem von uns schon einmal der Satz über die Lippen gerutscht. Vermutlich hat aber jeder von uns, diesen Satz auch schon einmal gehört. Als Kind sowieso. Da können wir uns vielleicht nicht mehr so genau daran erinnern – als Erwachsene haben wir uns wahrscheinlich darüber geärgert.

Wie bitte soll jemand anderer einschätzen können, was Angst einjagt und was nicht?

Und das ist damit auch gleich der Grund, warum man Kinderängste immer – ich wiederhole: IMMER – ernst nehmen sollte.

Wie erlebt das Kind die Angst?

Für das Kind ist die Angst da. Ganz real. Auch wenn wir als Außenstehende keinen Grund dafür erkennen können. Das ist übrigens auch ganz einfach der Unterschied zwischen Angst und Furcht. Wir fürchten uns vor etwas Bestimmtem – vor der Spinne an der Wand, dem Zahnarzt oder dem Monster unter dem Bett.

kinderängste - meinefamilie.at

Angst ist eher ein unangenehmes diffuses Gefühl, das keinen bestimmten Auslöser hat. Auf ein Kind wirkt Angst wie eine komplexe Gefahrensituation, in der es unmöglich erscheint, richtig zu reagieren – die Angst ist übermächtig und unkontrollierbar. Sie sitzt irgendwo im Körper, nicht nur in den Gedanken!

Deshalb ist in solchen Momenten auch jedwede Logik unangebracht. Jeder Spinnenphobiker weiß, dass ihm die Mini-Spinne kein Härchen krümmen kann. Trotzdem ist die Angst vor ihr da ….

Wenn wir diese kindliche Angst nicht ernst nehmen, sondern klein oder sogar lächerlich machen, vermitteln wir dem Kind gleichzeitig auch die Botschaft: „Das was du fühlst ist nicht richtig!“ Hört das Kind solche Aussagen öfter, wird es beginnen an seinen Gefühlen (auch an allen anderen!) zu zweifeln – es verlernt sukzessive an sich selbst zu glauben!

Jede Angst hat ihren Grund.

Behalten Sie diesen Satz bitte unbedingt im Hinterkopf. Kinder haben eine andere Wahrnehmung als wir Erwachsene, schon allein der Blickwinkel aufgrund der geringeren Körpergröße. Da mag es sein, dass es vielleicht wirklich eine seltsame Lichtspiegelung sieht, die es für einen Geist hält. Möglicherweise ist es auch ein Luftzug, der für Sie nicht spürbar ist, aber die Fantasie des Kindes gleich wilde Blüten treiben lässt.

Oder beim Fernsehen – diese Geschichte erzählte eine Mutter in einem meiner Workshops. Das fünfjährige Kind hat sich gerne ab und zu „Universum“-Sendungen angeschaut, für die Mama war das ok (sind ja durchaus auch mal lehrreich!). Bis es in einer Sendung um Insekten ging und dann eine Fleischfliege in Großaufnahme auf dem Bildschirm erschien …

Wie gehen wir mit kindlicher Angst um?

Natürlich brauchen wir auch nicht jede Angst gleich überbewerten und ein Drama draus machen. Annehmen und respektieren lautet die Devise! Vermitteln Sie dem Kind das Gefühl, dass Sie da sind, um es zu trösten und zu schützen. Dafür braucht es Raum und Zeit. Kommen Sie aber auch ins Gespräch, vielleicht hat das Kind ja selbst Ideen, was es tun könnte, um sich besser zu fühlen.

Bei immer wiederkehrenden Ängsten können Sie sich auf die Suche nach passenden Geschichten oder Spielen machen, die die Angst thematisieren und zeigen, wie man sie überwinden könnte. Wenn die Conni im Buch ihre Angst vor dem Skikurs besiegen kann, dann kann ich das vielleicht auch!

Im Workshop „Kinderängste – wie geht man damit um?“ werden wir uns viele Fallbeispiele aus der Praxis ansehen und dazu passende Verarbeitungsstrategien kennen lernen.

Das sind die weiteren Themen im Workshop:

  • Welche Ängste gibt es in der Entwicklung – und welche Ängste können noch entstehen?
  • Was hilft bei Angst – und was sollten Sie vermeiden?
  • Wovor haben Kinder Angst?

Ich freue mich, wenn Sie am 22. März dabei sind!

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at