30. Oktober 2018

Plötzlich Eltern – Eine Neuorientierung beginnt

plötzlich eltern - meinefamilie.at

Was für ein beglückender Moment für die meisten von uns, wenn uns nach einem anstrengenden Geburtsprozess zum ersten Mal unser Baby auf die Brust gelegt wird! Es ist geschafft! Doch nun beginnt ein völlig neuer Lebensabschnitt als Eltern, der uns fordert, aber auch persönlich wachsen lässt.

Erste Elternerfahrungen

Aber beginnt nicht bei uns allen ein Prozess ab dem Moment, an dem wir wissen, dass wir Eltern werden? Ich erinnere mich an eine schwangere Frau, die in meine Praxis kommt und verzweifelt ist, weil sie sich so davor fürchtet, was ihre Eltern sagen werden, wenn sie von der Schwangerschaft erfahren. Ihre Eltern mögen nämlich ihren Mann nicht, weil er einer anderen Religion angehört. Diese Frau war 37 Jahre alt. Oder das Paar, das sich streitet, weil seine Eltern unmittelbar nach der Geburt des zweiten Enkerls ins Krankenhaus kommen wollen, die Frau das aber auf keinen Fall möchte, da sie nach ihrer ersten traumatischen Geburtserfahrung ihre Ruhe haben will.

Und zu all dem kommt dann obendrauf noch die absolut neue Erfahrung Mutter eines Säuglings zu sein oder im zweiten Fall zum ersten Mal Zweifachmama zu sein. Puh! Da kommt ganz schön was zusammen!

Fähigkeiten als Eltern aneignen

Dafür möchte ich zuallererst Verständnis aufbringen und über die vier Stufen der Kompetenz oder auch vier Phasen des Lernens sprechen – bevor wir uns anschauen, wie mit dieser Überforderung umgegangen werden kann. Wenn wir noch keine Kinder haben, dann befinden wir uns diesbezüglich in der Phase der unbewussten Inkompetenz. Da wissen wir noch gar nicht, dass wir etwas nicht können, nämlich Elternsein (auch wenn wir innere Bilder aus unserer Kindheit haben, wie Elternsein aussehen könnte). In der Phase der bewussten Inkompetenz trifft es uns wie der Blitz, wenn wir erkennen, dass es hier etwas zu tun und zu lernen gibt, kennen aber das WIE? noch nicht.

Es kommt die Zeit, in der das Elternsein in Fleisch und Blut übergeht.

Und unsere Defizite zu spüren ist sehr unangenehm. Wenn es um die Elternschaft geht, dann haben wir ja fast keine Wahl hier zu sagen: „Nö, das ist mir zu blöd! Das will ich nicht lernen! Das ist mir zu anstrengend!“ Jetzt gilt es, anzupacken, um in die Phase der bewussten Kompetenz einzutreten in der das lebenslange Lernen im Bereich Elternschaft beginnt.

Es ist geschafft!

plötzlich eltern2 - meinefamilie.atWir sind Neulinge und arbeiten an unseren Fähigkeiten – und scheitern, und machen Fehler, und werden besser. Diese Phase erfordert eine hohe Konzentration und Bewusstheit, die gerade in der Zeit mit einem Säugling ermüdend und stressig ist und schier unmöglich erscheint. Aber wir geben nicht auf und bleiben dran!  Schließlich tauchen wir in die letzte Phase ein, in die Phase der unbewussten Kompetenz. Wir haben’s gemeistert! Das Stillen klappt, die Nächte sind gut zu bewältigen, wir haben uns als Mama und Papa organisiert und teilen uns die Aufgaben. Es ist wie beim Autofahren, wenn wir uns nicht mehr überlegen müssen, in welchen Gang wir jetzt schalten müssen. Es ist uns sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen. Mit einem großen Unterschied: Autos machen während der Fahrt keine Entwicklungssprünge durch – unsere Kinder schon.

Nun geht alles automatisch?

Und kaum glauben wir, es in einem Bereich geschafft zu haben, das „Autofahren“ sozusagen zu beherrschen, entwickelt sich unser Kind weiter und das, was gerade noch gegolten hat, ist wieder über den Haufen geworfen. Weil ein Kleinkind braucht eine andere Art der Beziehung als ein Säugling. Und ein Schulkind hat wieder andere Notwendigkeiten und erst recht ein Kind in der Pubertät. Ach, und wenn sie ausziehen, dann müssen wir das Leben ohne Kinder auch wieder lernen. Und auch jedes weitere Kind öffnet eine neue Tür des Lernens, weil man noch nie davor Mama oder Papa von zwei Kindern war. Oder drei.

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EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Teml-Jetter

    Ich bin gelernte Wienerin vom Attersee und seit 20 Jahren mit meinem Mann Stefan zusammen. Seit 14 Jahren bin ich mit ihm verheiratet. Gemeinsam leiten wir seit über 10 Jahren die „Wertschätzungszone“, unsere Beratungspraxis. Wir leben zusammen mit unseren drei Kindern im Alter von 22, 16 und 13 Jahren.
    www.wertschaetzungszone.at


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