28. Januar 2020

Hilfe, mein Kind wird zum Wutmonster! Teil 2

hilfe, mein kind wird zum wutmonster! teil 2

Wie Wut und Aggression entstehen können, gab es im ersten Teil zu lesen. Nun beschäftigen wir uns mit der Frage: Was tun bei Wut und Aggression?

Schadensbegrenzung ist angesagt

Direkt in der Situation, in der es zu Wut und Aggression kommt, ist meist nicht viel zu erreichen. Da geht es meist um Schadensbegrenzung. Ganz wichtig ist dabei, dass niemand verletzt wird! Es gilt auch darauf zu schauen, die wütende Person vor sich selbst zu schützen. Man kann Abstand in die Situation bringen, indem man die zwei streitenden Parteien trennt: „Momentan ist keine Lösung in Sicht. Jeder geht in einen separaten Raum, bis sich alle wieder beruhigt haben. Danach suchen wir nach einer Lösung!“

Kurze Verschnaufpause für alle

Von Experten wird angeraten, dass so eine „Auszeit“ je nach Alter des Kindes angepasst wird. Viele raten dazu eine Minute pro Lebensjahr zu berechnen – eine individuelle Anpassung ist sicher sinnvoller. So wird keiner bevorzugt, oder benachteiligt. Manchmal brauchen auch wir Erwachsenen Abstand zu unseren Kindern – das hilft uns auch, dass wir keine unüberlegten Schritte machen, die wir später eventuell bereuen und nicht wieder gut machen können.

Ich will nicht alleine sein

Manche Kinder hingegen mögen in so einer Situation auch einfach fest in den Arm genommen werden. Wenn dies für alle Beteiligten in Ordnung ist, kann auch „Wut-weg-kuscheln“ eine Methode sein sich zu beruhigen. Dabei besteht aber die Gefahr, dass sich eine der streitenden Parteien (z.B. häufig bei Geschwisterstreit) benachteiligt fühlt. Daher gilt genau zu beobachten, ob alle mit diesem Weg einverstanden sind.

Lass uns reden – was ist gerade passiert

Ist die Situation wieder entspannt und der Rauch verweht, dann kann man daran arbeiten, wie man mit der Wut oder Aggression anders oder besser hätte umgehen können. Wichtig ist eine bewusste Kommunikation zu wählen. Helfen kann zum Beispiel beim Kind nachfragen, ob man die Situation richtig verstanden hat um Missverständnisse vorzubeugen und nicht erneut Wut entstehen zu lassen. Weiters wichtig ist: Keine Vorwürfe machen („Du hast…“), sondern eigene Wünsche äußern („Ich hätte gerne…“) und den Kindern ein Vorbild im Umgang mit Wut und Aggression zu sein.

Ich boxe die Wut weg

Es ist auch sinnvoll, Wut und Aggression schon frühzeitig vorzubeugen. Ein spielerischer Umgang mit allen Gefühlen der Kinder (nachzulesen in Teil 3) hilft dabei, besser zu erkennen, was gerade mit mir oder meinem Gegenüber los ist. Wenn ich dann schon die Wut in meinem Bauch spüre, kann ich mit etwas Übung diese erkennen und für kurze Zeit unterdrücken oder so ausleben, dass ich niemanden anderen damit verletzte.

Manchmal hilft auch schon einmal kräftig in den Boden stampfen um den ärgsten Dampf abzulassen. Meist gilt: Je entspannter ich gerade bin, desto leichter kann ich mit schwierigen Situationen umgehen.

Batterien aufladen

Daher ist es sinnvoll über Energiequellen oder Entspannungsmöglichkeiten für sich selbst aber auch für seine Kinder nachzudenken. Manche kommen bei Sport zur Ruhe, andere lesen, meditieren oder tanzen gerne, bei manchen nützt der Boxsack um sich abzureagieren und andere malen lieber. Ganz egal, was einem gut tut und zur Ruhe kommen lässt, es sollte dafür unbedingt Zeit eingeplant werden.

Gemeinsam schaffen wir das!

Wenn wir Erwachsene beobachten, dass ein Kind richtig wütend ist und es geschafft hat einen sozial angemessenen Weg zu finden mit der Wut umzugehen, dann darf auch ordentlich gelobt werden. Denn nun wurde eines der höchsten Ziele im sozialen Zusammenleben mit anderen erreicht und darauf kann man richtig stolz sein!

 

 

 



EIN ARTIKEL VON
  • Bettina Fauler

    Ich lebe mit meinem Partner und unserem Sohn in Tirol. Hauptberuflich bin ich Mama, auch wenn ich Teilzeit als Sonderkindergartenpädagogin, Elternbildnerin und Trainerin arbeite. Ich erlebe einen abwechslungsreichen (Erziehungs-)Alltag, den ich gerne mit anderen teile.


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