21. November 2018

Erziehungsstil, Erziehungsziel – was tun wenn nichts mehr hilft?

Erziehungsstil, Erziehungsziel – was tun wenn nichts mehr hilft? - meinefamilie.at

In den letzten Tagen und Wochen war unser Facebook-Feed mit einem Thema beschäftigt, nämlich der Dokumentation „Elternschule“. Es fand ein großer Aufschrei bei vielen Eltern, Pädagogen und Wissenschaftern statt. Diesen “Aufschrei” möchten wir in diesem Beitrag aufgreifen und über Kindererziehung und die Überforderung der Eltern sprechen. 

Um es gleich vorweg zu sagen: Wir haben nur den Trailer zum Film gesehen aber viele Kommentare und Zeitungsartikel darüber gelesen. Dadurch wissen wir nicht aus erster Hand, was genau im Film passiert, aber es sind wohl Situationen, die jeden Elternteil an die Grenzen bringen würden: das Kind will nicht essen, nicht schlafen, sich nicht an Regeln halten, nicht auf Anweisungen hören. Die Eltern sind, salopp gesagt, erledigt. Sie sind überfordert, ratlos, hilflos.

Wenn man diesen Trailer sieht oder möglicherweise sogar den ganzen Film, entsteht offensichtlich bei vielen Zusehern Unverständnis und Wut. Wie kann man so mit Kindern umgehen? Wie kann es sein, dass in unserer Zeit solche Erziehungsmethoden angewandt werden?
Reagiert wird von Experten anscheinend mit Strenge und Gewalt. Gewalt in der Erziehung definiert sich in diesem Fall nicht (nur) mit körperlicher Gewalt, sondern mit psychischer und emotionaler Gewalt, Beziehungsentzug, schreien lassen, warten bis das Kind aus lauter Erschöpfung aufgibt.

Abwärtsspirale ohne Ausweg

Das präsente Thema und die Diskussionen über Erziehungsstile hat uns auch nachdenklich gemacht. Wir erleben tagtäglich Situationen, in denen wir gern „durchgreifen“ möchten. Wir werden laut, streng, immer wütender – und dadurch beginnt eine Abwärtsspirale ohne Ausweg. Wenn wir als Eltern in diesen Situationen stecken, ist es nämlich oft nicht leicht auch die Sichtweise der Kinder zu bedenken.

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Warum verhalten sich Kinder überhaupt so? Wieso verweigern sie Nahrung, Schlaf oder unsere Fürsorge? Warum schreien sie, widersetzen sich und protestieren?

Die Hilflosigkeit und Wut, die wir dann manchmal empfinden, ist eine Reaktion auf das Verhalten unseres Kindes – und dieses Verhalten ein Ausdruck einer Not.
Ganz einfach ausgedrückt, für dieses Kind stimmt gerade etwas massiv nicht. Es fühlt sich extrem unwohl, unter Druck gesetzt und unverstanden, vermutlich auch ungeliebt. Und die einzige Möglichkeit das auszudrücken, ist Protest. Dadurch bekommen sie zumindest Aufmerksamkeit, wenn auch nicht in der Art die sie bräuchten.

Wir als Eltern brauchen vor allem eines: Liebe zu unseren Kindern und Vertrauen, dass wir immer ein bisschen mehr Geduld haben als wir glauben.

Allerdings hatte diese Dokumentation auch positive Auswirkungen. Dieser Aufschrei als Reaktion auf die groben Erziehungsmethoden hat unseren Glauben in die heutigen Eltern sehr gestärkt. Wir alle kämpfen zeitweise mit dem Verhalten unserer Kinder, auch wenn es meistens bei weitem nicht so schwerwiegend ist. Wir alle suchen immer wieder nach Rat, nach Hilfe, brauchen Auszeiten.

Sich Hilfe zu holen, wenn man nicht mehr weiter weiß, sollte gerade auch in der Erziehung viel einfacher und selbstverständlicher sein! Zum Glück gibt es viele gute Beratungsstellen, Eltern-Kind-Zentren oder Pädagogen die zeitgemäß und bedürfnisorientiert weiterhelfen oder manchmal auch einfach nur zuhören.

Gewalt führt zu Gegengewalt…

…auch in der Erziehung. Gerade in der Erziehung! Noch dazu sind die Folgen nicht so direkt und sofort sichtbar:

  • Was wird aus Kindern, die lernen aufzugeben?
  • Was passiert, wenn sie unter Zwang irgendwann ein erwünschtes Verhalten zeigen?
  • Was kommt heraus, wenn sie ihre Bedürfnisse nicht mehr äußern, weil sie gelernt haben es nicht zu tun?

Ist es wirklich das, was wir unseren Kindern für ihr Leben mitgeben wollen?

Die einzigartige Beziehung zwischen Kind und Eltern

Wir wünschen uns, dass unsere Kinder selbstbewusst und stark sind. Sie sollen auf sich selbst achten und ihre Bedürfnisse ausdrücken können. Sie sollen liebesfähig werden, Beziehungen aufbauen und Vertrauen haben. Das heißt für uns, wir müssen genau das vorleben, auch in unserer Beziehung und gerade in schwierigen Situationen. Wie wir mit Konflikten und Problemen umgehen, prägt ganz direkt die Einstellung unserer Kinder dazu.

Unser Plädoyer ist ganz klar: Eltern brauchen keine Elternschule dieser Art. Sie brauchen viel mehr ein Rück-Besinnen auf die einzigartige Beziehung zwischen Kind und Eltern. Selbst wenn es einmal nicht ganz perfekt läuft, wir einmal lauter werden und unsere Reaktion im Nachhinein bereuen, spüren wir sehr gut, was unsere Kinder wirklich brauchen: Beziehung, Zuwendung, Achtung, Wertschätzung – Liebe.
Und auch wir als Eltern brauchen vor allem eines: Liebe zu unseren Kindern und Vertrauen, dass wir immer ein bisschen mehr Geduld haben als wir glauben.

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EIN ARTIKEL VON
  • Elisabeth & Johannes Hackl

    Elisabeth und Johannes Hackl leben mit ihren Kindern, Hunden und Hühnern in Niederösterreich. Sie sind begeisterte Familienmenschen, Kindergartenpädagogen, Referenten für Natürliche Empfängnisregelung, Teilzeit-Selbstversorger, im Glauben verwurzelt und noch immer sehr verliebt ineinander!


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