19. September 2018

Der Zeitpunkt für ein eigenes Smartphone ist angebrochen

zeitpunkt smartphone - meinefamilie.at

Niemand kann eine Sache aufhalten, deren Zeit gekommen ist. Oder so ähnlich. Doch wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt für ein Kind bzw. einen jungen Jugendlichen ein eigenes Smartphone zu bekommen?

Irgendwann hat es uns zu nerven begonnen. Teilweise hat es sich wie eine Fetischisierung des Produktes angefühlt. Plötzlich konnte unser Kind, erst gerade 10 Jahre alt geworden, nicht mehr ohne Smartphone leben. „Wie viel Spaß ich jetzt mit einem Smartphone haben könnte“, war einer ihrer Standardsprüche, wenn mal die Langeweile lauerte oder „Ich möchte einfach ein modernes Kind sein“. Letzteres wollten wir ihr natürlich nicht verweigern. Aber wir wehrten uns so lange es ging, dass wir uns die ganze Internet-Welt und damit auch die Gefahren nach Hause holten.

Plötzlich Smartphone-Besitzerin

Plötzlich war es so weit. Auch weil wir merkten, dass wir unser Kind beim anstehenden Schulwechseln zur Außenseiterin abstempelten, wenn sie kein Smartphone besäße. Das kann man sozialen Druck nennen. Das kann man aber auch Vernunft nennen, denn niemand will sein Kind mit voller Absicht in seine Außenseiter-Position hinein katapultieren. Ab sofort hieß es also, die so oft gepredigte und hoffentlich auch selbst vorgelebte „Medienkompetenz“ in die Tat umzusetzen.

Ab sofort begleiteten wir jeden Schritt. Bläuten unserer Tochter ein, dass sie mit Problemen jederzeit zu uns kommen kann. Dass sie sofort, wenn ihr eine Nachricht seltsam vorkommt, das mit uns besprechen soll. Dass sie auch, wenn sie in einer der ab nun zahllos vorherrschenden WhatsApp-Gruppen gemobbt werden sollte, sofort mit uns darüber sprechen sollten. Denn dann würden wir mit sofortiger Wirkung den Urheber bzw. die Eltern dieses Urhebers kontaktieren.

Die Sache war gar nicht so spektakulär. Es ging vielmehr um eine Schritt für Schritt Begleitung. Um die Kompetenz der Bedienung des Gerätes.

Aber eigentlich mussten wir uns eingestehen, dass die Sache gar nicht so spektakulär war. Zumindest vorerst nicht. Es ging nicht um das große Ganze, um weltanschauliche Fragen und um die Risiken des Online-Seins und die Probleme, die sich damit ergeben, dass sich ab sofort die Identität des Kindes verdoppelt, also das „reale“ durch das „virtuelle“ begleitetet, unterstützt und oftmals konterkariert wird.

Es ging vielmehr um eine Schritt für Schritt Begleitung. Um die Kompetenz der Bedienung des Gerätes. Wie wähle ich mich in das heimische W-Lan an und was ist der Unterschied, wenn ich zuhause im W-Lan bin oder unterwegs? Wie lade ich Apps runter und wie speichere ich Telefonnummern?

Auf einer ganz basalen Ebene faszinierte sie, dass sie ab sofort nicht mehr „nur“ mit ihren Freundinnen telefonieren konnte – denn ein „normales“ Tastenhandy besaß sie ja schon seit einem Jahr.

Im Anschluss wurden bestehende, analoge Brieffreundschaften der neuen digitalen Situation angepasst. Die Brieffreundin wurde kurzerhand, natürlich nur nach vorherigen Rücksprache mit den Eltern, gefragt, ob man sich in Zukunft nicht einfach via Whats-App schreiben wollte. Das wäre wohl „moderner“ und ginge schneller.

Schritt für Schritt für Schritt

Wir waren also guter Dinge. Guter Dinge, dass sich alles Schritt für Schritt entwickeln würde. Dass wir unser Wissen in Sachen Benutzung eines Smartphones weitergeben könnten und damit immer auf einer Augenhöhe bleiben würde. Dass unser Kind stets mit uns reden würde und dass es nicht plötzlich in eine ganz andere Welt eintauchen würde, in die wir ihr nicht mehr folgen könnten. Zugleich war uns natürlich auch daran gelegen, dass wir ihre Privatsphäre wahrten. Gar nicht so einfach, wenn man zugleich wissen will, was das Kind so in Whats-App Gruppen und auf sonstigen Plattformen (in etwa) treibt.

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Vertrauen würde bei alldem wohl die Basis sein und sein müssen. Die Hoffnung blieb, dass wir Schritt für Schritt in dieser komplexen, digitalen Welt gemeinsam setzen würde. Oder zumindest darüber reden würde, welche Schritte unbedenklich sind und bei welchen man auf der Hut sein musste.

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EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!



1 Kommentare
  • Elisabeth Michal, 22. September 2018, 7:57 Antworten

    Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, dem Kind beizubringen, sich nicht vom Smartphone beherrschen zu lassen. Also nicht immer sofort antworten zu müssen, warten zu können, jede Langweile nicht durch das Smartphone beheben zu müssen... Ich glaube, es ist sehr wichtig, mit dem Kind Regeln zu vereinbaren, Zeiten und Orte zu definieren, wo und wann das Smartphone verwendet wird - dass beim Mittagstisch und im Schlafzimmer das Handy nicht erwüscht ist. Ich glaube, es ist wichtig, mit dem Kind sowohl die Vorteile eines Smartphone, als auch die Gefahren zu analysieren - und damit meine ich nicht nur die Gefahr des Mobbing (was natürlich auch sehr wichtig ist zu besprechen!). Es gibt genug wissenschaftliche Artikel im Internet, die die Auswirkung eines zu intensiven Medienkonsums auf die Entwicklung belegen. Das den Kindern näher zu bringen und einen adäquaten Umgang damit einzutrainieren fehlt mir in diesem Artikel.

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