28. Dezember 2018

Rausgehen bei jedem Wetter

Rausgehen bei jedem Wetter - meinefamilie.at

Auch bei Schlechtwetter gehe ich täglich mit meinen Kindern ins Freie. Hier meine sechs Gründe, warum ich darauf nicht verzichten mag.

Die letzten Herbsttage sind angebrochen. Es ist nass, kalt, gatschig und dunkel. „Was mache ich jetzt nur mit meinen Kindern?“, fragen sich viele Eltern und suchen im Internet nach Indoor-Spielplätzen, Bastelanleitungen oder Filmkritiken, damit ihnen die Decke nicht auf den Kopf fällt. Meine Antwort lautet: Rausgehen. Ja, auch jetzt bei Schlechtwetter. Ich bin sowohl mit meinen eigenen Kindern (2 und 4 Jahre) als auch den Kindern aus meiner Kindergartengruppe (1 – 2 Jahre) täglich im Freien. Bei jedem Wetter, ausgenommen heftigem Sturm. In entsprechender Kleidung natürlich. Dafür habe ich sechs gute Gründe:

#1 Frische Luft hebt die Laune

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Mein Mama-Alltag ist ziemlich anstrengend: lebhafte Kinder, Beruf, neugebautes Haus und dazwischen Wäsche, Brösel, Bügelperlen. Bevor ich mich vom Lärm und dem alternativen Ordnungssinn meiner Kinder grantig stimmen lasse, gehe ich lieber hinaus. Idealerweise davor, nachher hilft aber auch noch. Hier werden die Kinder normalerweise schnell ruhiger und verlangen nicht ständig nach Mamas Bespaßung. Die Natur ist großzügig und gibt Kindern immer etwas zu sehen, hören und erleben. Wind und Kälte empfinde ich meist beruhigend und angenehm. Im Holländischen gibt es den Begriff „Auswehen“, der mir wunderbar gefällt. Dort wird gerade bei Schlechtwetter gerne am Strand entlang gegangen, um vom Wind Sorgen, Wut und Ängste „auswehen“ zu lassen.

#2 Rausgehen ist gut für die Gesundheit

Kalte, frische Luft stärkt unsere Abwehrkräfte. Und ein gutes Immunsystem kann jede Familie brauchen. Auch wenn man schon krank ist, kann man von einem Spaziergang draußen profitieren. Unsere Kinderärztin hat uns darauf geschult, gerade auch bei Bronchitis und Erkältungskrankheiten viel im Freien zu sein, da durch die kalte Luft die Bronchien abschwellen und der Schleim besser hochgehustet werden kann. Voraussetzung dafür ist allerdings Fieberfreiheit und entsprechend warme Kleidung. Auch im Kinderwagen tut frische Luft gut.
Selbst für die Augen ist der Aufenthalt draußen von Vorteil. Laut unserer Augenärztin sind täglich zwei Stunden im Freien die beste Prävention gegen Kurzsichtigkeit und den damit möglichen Begleitkrankheiten.

#3 Kinder brauchen Bewegung

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Erwachsene auch. Meistens bekommen wir zu wenig davon. Dabei hilft Bewegung ungemein dabei, Stress abzubauen. Und von diesem haben wir meist zu viel. Leider auch gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit. Bevor man also überlastet einen Punkt nach dem anderen auf der To-Do-Liste abarbeitet, kann man guten Gewissens mit seinen Kindern auch bei Schlechtwetter eine Runde spazieren gehen. Das bringt sehr viel – nicht zuletzt neue Energie für die To-Do-Liste.

#4 Es muss keine Gatschschlacht sein

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Vielen Eltern macht die Kälte nichts aus, aber die viele dreckige Wäsche schreckt sie vom Spielplatz-Besuch ab. Doch Kinder finden sich auch ohne Spielplatz genug Beschäftigung im Freien. Bei Gatschwetter gehe ich meistens einfach nur mit ihnen spazieren. Manche Kinder gehen gleich begeistert mit, bei anderen muss man einige Überzeugungsarbeit leisten. Aber nach einiger Zeit kommen sie in einen Flow und genießen die gleichförmige Bewegung. Man findet gemeinsam in einen Rhythmus und das tut gut. Meine Tochter sortiert dabei oft ihre Gedanken und es entstehen schöne Gespräche, die es sonst wohl nie gegeben hätte. Meine Kindergartenkinder fangen dabei oft zu singen an, während sie im Morgenkreis nur stumm den Liedern lauschen. Wir beobachten Hunde, Vögel, Wolken… Es ist wirklich erstaunlich, dass die Natur rund ums Jahr immer etwas zu bieten hat. Morgens glitzern die Eiskristalle an den Grashalmen, abends leuchten die Sterne.

#5 Erweitertes Kinderzimmer

Manchmal wollen Kinder gar nicht hinaus. Weil sie noch Puppe, Verkleiden, Auto oder sonst etwas spielen wollen. Es gibt einige Spielsachen, die leicht mit ins Freie genommen werden können. So müssen meine Kinder nicht auf etwas anderes Schönes verzichten. Wenn ich also mit meinen Kindern hinaus möchte (z.B. aus oben genannten Gründen), kann die Puppe in Puppenwagen oder -trage ausgeführt werden. Mit den Autos kann genauso gut auf dem Gehsteig, einem Zaunfundament oder im Ballkäfig gefahren werden. Und auch Prinzessinnen können warm angezogen ruhig mit hinaus in die Herbstluft gehen. Dort kann ein Kind bei frischem Wind einfach weiterspielen, während das andere seinen Bewegungsdrang ausleben kann.

#6 Die Dunkelheit ausnutzen

Momentan wird es früh dunkel. Das hindert mich aber nicht daran mit meinen Kindern hinauszugehen. Im Gegenteil: wann sonst habe ich denn schon die Gelegenheit, meinen Kindern die Sterne zu zeigen, wenn ich sie nicht bis zehn Uhr abends wachhalten möchte? Sicherheit geht natürlich vor und so tragen meine Kinder und ich (Vorbild muss sein!) Leuchtwesten und reflektierende Armbänder. Manchmal gehen wir mit den Laternen vom Martinsfest spazieren und singen Lieder, manchmal erkunden wir die Dunkelheit mit Taschenlampen. Da wir mittlerweile aus unserer Stadtwohnung ausgezogen sind und einen Garten haben, haben wir auch schon die Möglichkeit genutzt, ein Feuer in einem alten Feuerkorb zu machen. Es gibt so viele schöne und einfache Möglichkeiten, um etwas Besonderes zu erleben. Egal ob an schönen Tagen oder bei Schlechtwetter. Rausgehen lohnt sich.

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EIN ARTIKEL VON
  • Agnes Rehor

    Ich bin Kindergarten- und Hortpädagogin und habe Diätologie studiert. Seit 2013 bin ich verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Mit meiner Familie wohne ich derzeit in Wien, träume aber vom Haus am Land – am Balkon übe ich fleißig das Gärtnern. Außerdem koche ich mit Begeisterung und liebe - nicht nur in der Küche - unkonventionelle Ideen.


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