3. Oktober 2018

„Müsst ihr euch denn immer streiten?“ – Geschwisterstreit nervt!

kinder streiten - meinefamilie.at

Gibt es etwas Nervigeres im Familienleben als Geschwisterstreit? Vielleicht ein zwei Wochen andauernder Magen-Darm-Virus. Wobei, manches Mal würde ich lieber Erbrochenes vom Boden wischen als die (gefühlt) ewigen Streitereien zwischen meinen Kindern anhören zu müssen.

Ich spüre es sogar körperlich, wie sehr es mir manchmal an die Substanz geht, wenn die Kinder streiten. Mein Magen verkrampft sich, mein Atem wird schneller, meine Hände ballen sich zu Fäusten. Und dann entlädt sich mein Ärger: „Was ist denn jetzt schon wieder los? Müsst ihr euch denn immer streiten? Lass deinen Bruder/deine Schwester endlich in Ruhe!“ Total unpädagogisch und herrlich wirkungslos meine Ausbrüche. Nein, meine Kinder streiten nicht ununterbrochen. Eigentlich haben sie sich sehr lieb, spielen lange miteinander, tun sich gegenseitig viel Gutes. Aber wenn der Tag lang ist und meine Frustrationsgrenze nicht besonders weit gesteckt, kommt es mir wirklich so vor, als würden sie sich andauernd bekriegen.

Wie also mit dem Streit unter den Geschwistern umgehen?

Bis vor Kurzem war meine Devise: Auf keinen Fall einmischen! Die müssen sich das selber ausmachen. Nur dazwischen gehen, wenn sich die Kinder ernsthaft wehtun. Das ist in vielen Fällen nicht verkehrt. Ich warte also erst einmal ab, wie sich der Konflikt entwickelt. Sehr, sehr oft finden die Kinder selber eine Lösung. Ich hätte nur gestört, wenn ich dazwischen gegangen wäre.

Durch das Buch „Hilfe, meine Kinder streiten“ (klare Kaufempfehlung!!!) habe ich allerdings auch entdeckt, welch große Rolle wir Eltern für die Beziehungen unserer Kinder untereinander spielen. Im Positiven wie im Negativen. Und die Tipps, die die beiden Autorinnen Adele Faber und Elaine Mazlish geben, helfen mir sehr und wirken sich unmittelbar auf das Familienleben aus:

  • Die Kinder nicht vergleichen! Streit oder negative Gefühle unter Geschwistern (auch bei erwachsenen Geschwistern) haben oft mit Neid und Eifersucht zu tun. Wir Eltern verstärken das leider allzu oft, indem wir einem Kind zum Beispiel sagen: „Schau, dein Bruder hängt seine Jacke schon schön auf den Haken. Du wirfst sie immer auf den Boden!“ Faber/Mazlish regen an, die Kinder praktisch nie (auch nicht im Positiven) miteinander zu vergleichen. Sondern immer nur auf das eine Kind schauen. Also: „Deine Jacke gehört auf den Haken. Häng sie bitte auf!“
  • Jedem das Seine geben. Gerechtigkeit bedeutet bei Kindern nicht, dass jeder genau das gleiche bekommt. Jedes Kind soll das kriegen, was es braucht.  Ich muss die Trauben nicht abzählen, damit keines der Kinder eine Weintraube mehr bekommt. Ich kann zuerst einmal fragen: „Hättest du gerne ein paar Trauben oder einen großen Haufen?“ Ich gebe zu, dass kann schwierig sein. Bei uns ist das oft ein großer Streitpunkt, wer von den guten Sachen zu viel oder zu wenig bekommt. Meine Erfahrung ist: Je mehr ich die auszuteilende Schokolade abwiege und vergleiche, desto mehr pflanze ich in meine Kinder den Gedanken: „Pass nur ja auf, dass du im Leben nicht zu kurz kommst!“
  • Gefühle anerkennen. Es wirkt Wunder, wenn ich die Gefühle meiner Kinder anerkenne, indem ich sie zum Beispiel in eigene Worte fasse. Wie in dieser Situation: Mein Tochter kommt heulend angelaufen und klagt: „Immer zeigt er mir die Zunge!“ Wie schnell sage ich: „Schau einfach nicht hin und geh weg!“ Hilfreicher ist: „Das macht dich echt sauer, wenn er dir die Zunge zeigt, oder?“ Ich spüre meistens sofort, dass sich mein Kind angenommen fühlt.
  • Kinder nicht in Rollen drängen. Der eine ist der musikalisch Begabte, die andere die Naturwissenschaftlerin. Der große Bruder ist der Vernünftige, die Schwester der Draufgängertyp. Ich stecke meine Kinder in Schubladen, ständig und oft ganz unbewusst. Auch wenn die Rollen positiv sind, tue ich ihnen damit nichts Gutes. Beim Streiten sind es die Rollen des Fieslings und des Opfers. Die Autorinnen Mazlish und Faber raten unter anderem: Dem „Fiesling“ zeigen, dass er auch nett sein kann. Oder dem „Opfer“ helfen, sich mit Worten selbst zu verteidigen.
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Buchtipp

Diese und noch viel mehr tolle Tipps und Sichtweisen rund um das Thema Geschwisterstreit finden sich in dem Buch „Hilfe, meine Kinder streiten. Wie Sie Geschwistern helfen, einander zu respektieren.“ von Adele Faber und Elaine Mazlish (erschienen im Oberstebrink Verlag). Seitdem ich das Buch gelesen habe, streiten meine Kinder nicht mehr. Nein, Scherz. Aber meine Haltung gegenüber den Streithanseln hat sich verändert. Und das hat auch wahrnehmbaren Einfluss auf die Kinder.

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EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.


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