11. Januar 2019

Kindliche Launen und Schreianfall

laune schreianfall - meinefamilie.at

Wenn sie nicht bekommen, was sie wollen, fangen kleine Kinder oft an lautstark an zu kreischen. Wie man solche Situationen rasch und elegant lösen kann, zeigt uns Elinas Mutter.

Ein Beispiel: Tante Berta will Notizen machen und bittet Elinas Mutter um einen Kugelschreiber. Danach reicht sie ihn wieder zurück. Elina (2) auf Mamas Schoß will den Kuli haben und versucht, ihn der Mutter aus der Hand zu ziehen. Die Mutter verweigert, Elina fängt unwillig an zu kreischen.

Klug und rasch reagieren

Rasch entschlossen steht die Mutter auf, legt den Kuli auf seinen Platz zurück und sagt: „Elina, wir haben eine Vereinbarung: Wenn du zeichnen willst, hast du deine eigenen Stifte und Papier.“ Bei diesen Worten holt sie die erwähnten Dinge. „Und hier ist auch noch deine Schreibunterlage.“ Sie richtet alles her und setzt Elina auf ihren Stuhl: „So, und jetzt kannst du uns etwas Schönes zeichnen!“ Elinas Zorn ist verflogen, bevor er noch richtig begonnen hat und sie fängt voller Eifer an, ans Werk zu gehen. Die Szene dauerte kaum länger als eine Minute und die Erwachsenen können in Ruhe ihr Gespräch fortsetzen.

Augenblicksbedürfnisse und Entwicklungsbedürfnisse

Ich bewundere die Führungskompetenz der Mutter, die ganz direktiv und ohne Diskussionen ihre elterliche Autorität ausübt. Dabei hat sie nicht dem augenblicklichen Bedürfnis des Kindes („Ich will diesen Kuli!“), sondern seinem Entwicklungsbedürfnis (Nachahmung und Kreativität) Rechnung getragen. Offensichtlich wurde dem Kind bei anderer Gelegenheit erklärt, dass Zeichnen OK ist, aber nur mit bestimmten Stiften und mit Schreibunterlage. Die Mutter ist auch klug genug, das Schreibzeug in Reichweite aufzubewahren, sodass es bei Bedarf rasch verfügbar ist.

Für die Eskalation verantwortlich

Wie oft erlebe ich in ähnlichen Situationen Erwachsene, die sich von den Launen des Kindes dirigieren lassen um dann, wenn die Situation eskaliert, das Kind zu beschimpfen: „Kannst du nicht endlich Ruhe geben!“ „Du bist aber eine Nervensäge!“ und erst recht autoritär zu werden: „So, jetzt reicht’s, her damit!“ Das Heulkonzert ist die logische Folge. Andere wieder unterdrücken das kindliche Bedürfnis durch ein schroffes und verständnisloses Abblocken vom Start weg.

Elinas Mutter hingegen gibt zu verstehen, dass nicht alles erlaubt ist und Kreischen nichts bringt. Doch das Bedürfnis des Kindes wird ernst genommen und der Konflikt in einen Erfolg verwandelt.



EIN ARTIKEL VON

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at