10. Mai 2018

Muttertag oder: Ein Lob der Mütterlichkeit

Ein Lob der Mütterlichkeit! - meinefamilie.at

Eigentlich könnte man in der heutigen Zeit annehmen, dass Feste wie Muttertag oder Vatertag abgeschafft werden. Immerhin wird hier ein sehr traditionelles Rollenbild gefeiert und bewahrt, das nicht allen derzeitigen Ideologien entspricht. Doch von Abschaffen kann keine Rede sein – im Kindergarten wird nach wie vor gebastelt, die Floristen haben Hochbetrieb und die Restaurants gehen über. Eines Tages wurde uns jedoch in einer Predigt eine ganz andere Sichtweise präsentiert – darüber möchten wir gerne mehr erzählen.

Zu Beginn unserer Elternschaft war Muttertag und Vatertag auch ein Thema. Wollen wir das feiern? Diese Feiern sind für uns eher mit Aufwand und Stress verbunden, mit Erwartungshaltungen und Emotionen. Wir in den ersten Jahren mit Kindern zwar an unsere eigenen Eltern gedacht und ihnen eine kleine Aufmerksamkeit gebastelt oder besorgt. Selber haben wir diese Tage nicht besonders gestaltet.
Bei einer Predigt an einem Muttertag bekamen wir jedoch eine ganz andere Sichtweise präsentiert. Der Pfarrer gratulierte nicht nur allen Müttern und Großmüttern, sondern auch allen mütterlichen Frauen. Das ließ uns aufhorchen! Was bedeutet mütterlich? Wenn das nicht nur eine Eigenschaft von Müttern ist, was macht dann Mütterlichkeit eigentlich aus?

Bei „mütterlich“ denkt man oft an eine warme Umarmung, eine herzliche Begrüßung. Vielleicht an ein Häferl Kaffee bei einem gemütlichen Gespräch. An die Hühnersuppe bei einer Erkältung, die gebügelte Wäsche, das kleine „du schaffst das schon!“. Ein Gefühl des Willkommen-Seins!

Für manche ist der Begriff aber auch negativ geprägt – unendlich viel Arbeit, Selbstaufgabe, kein Dank, viel Frust.

Was bedeutet mütterlich? Wenn das nicht nur eine Eigenschaft von Müttern ist, was macht dann Mütterlichkeit eigentlich aus?

Für uns ist Mütterlichkeit eine Haltung. Den eigenen Kindern gegenüber, den Freunden und der Familie, im Beruf, im Alltag, auch Fremden gegenüber. Mütterlichkeit zeigt sich in der Zeit, die man sich nimmt, in der Aufmerksamkeit, die man anderen widmet. In der Ernsthaftigkeit und Liebe, mit der man sich in den anderen hineinversetzt. Mütterlichkeit spürt man, wenn das Gegenüber vor allem wohlwollend, freundlich, offen und geduldig zuhört, überlegt, berät.

Mütterlichkeit leben – aber sich nicht selbst aufgeben

Ein offenes Ohr – und ein offenes Herz! Das ist Mütterlichkeit für uns! Es bedeutet aber nicht komplette Selbstaufgabe. Mütter brauchen (genau wie Väter) genug Zeit und Ruhe, Pausen und Energie um für ihre Lieben da zu sein. Mütterlich muss man auch zu sich selbst sein. Man muss auf sich achten und gut spüren was man braucht. Mütterlichkeit bedeutet in unserer Zeit manchmal auch, bewusst nein zu sagen. Nein zu Terminen, nein zu Situationen, die einem selber oder der Familie Ein Lob der Mütterlichkeit! - meinefamilie.atunnötigen Stress bescheren, nein zu Wünschen und vermeintlichen Bedürfnissen. Es geht ja nicht nur um die körperlichen Bedürfnisse, die eine Mutter im Blick hat, sondern auch um die geistigen und seelischen. Kinder brauchen nicht nur die Gewissheit, dass immer jemand da ist, sondern auch das Vorleben von eher unmodernen Eigenschaften wie Zufriedenheit mit dem, was man hat, Geduld wenn etwas länger dauert, Beharrlichkeit und Ausdauer, wenn etwas wichtig ist.
Manchmal scheint es, als wäre Mütterlichkeit heutzutage nur mehr ein Synonym für altmodische, traditionelle Frauenbilder. Dabei brauchen wir heute mehr als je zuvor das Besinnen auf diese Werte! Unsere Kinder brauchen Wärme, um geborgen aufwachsen zu können. Diese Zuwendung und Zeit ist das Wichtigste, was wir der nächsten Generation mitgeben können. Was für eine große Aufgabe Mütter haben!

Muttertag feiern?

Mit dem Eintritt unserer ältesten Tochter in den Kindergarten war es nicht mehr unsere Entscheidung, ob der Muttertag Beachtung findet. Besonders die Aufregung und das heimliche Flüstern mit Papa vor dem Geschenk-Überreichen sind wirklich rührend. Die Umarmung danach ist allerdings die schönste Bestätigung für unsere einzigartige Beziehung! Wir persönlich sind nach wie vor der Meinung, dass es keinen eigenen Tag braucht um die Mütter (oder Väter) zu feiern. Ganz im Gegenteil, es sollte auf keinen Fall auf einen Tag beschränkt sein. Eigentlich sollte es gar nicht nötig sein, bewusst an ein Danke zu denken zu müssen. Daher ist der Muttertag bei uns auch sehr unaufgeregt und meistens „nur“ ein gemütlicher gemeinsamer Tag, so wie jeder Sonntag.
Ein ehrliches „Mama, heute hast du wieder soooo gut gekocht!“ oder „Ich kuschel so gern mit dir, weil ich dich lieb hab!“ ist viel mehr wert als ein auswendig gelerntes Gedicht. Gemeinsam staunend ein Dinosaurierbuch durchzublättern oder kreatives Pizza-Belegen sind unbezahlbare Momente, die uns viele schlaflose Fiebernächte vergessen lassen.

Ein Moment, den wir beide nicht vergessen werden, war letztens ein Kommentar unserer ältesten Tochter: „Wenn ich einmal groß bin, dann will ich wahrscheinlich Zuckerbäckerin werden. Aber auf jeden Fall Mama! Da such ich mir einen Mann, der mich am liebsten hat, und dann bekommen wir ganz viele Kinder. Und die hab ich alle so lieb wie du, Mama! Das wird schön!“

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EIN ARTIKEL VON
  • Elisabeth & Johannes Hackl

    Elisabeth und Johannes Hackl leben mit ihren Kindern, Hunden und Hühnern in Niederösterreich. Sie sind begeisterte Familienmenschen, Kindergartenpädagogen, Referenten für Natürliche Empfängnisregelung, Teilzeit-Selbstversorger, im Glauben verwurzelt und noch immer sehr verliebt ineinander!



1 Kommentare
  • Dominik, 14. Mai 2018, 8:19 Antworten

    Herzlichen Dank für die vielen tollen Artikel zum Thema Elterndasein und Familie. Immer wieder ein Highlight! :-)

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