24. Oktober 2019

Adipositas und Übergewicht im Kindesalter – Finger weg von Diäten

Adipositas und Übergewicht im Kindesalter – Finger weg von Diäten

Übergewicht und Adipositas stellen im Kindes- und Jugendalter ein wesentliches Gesundheitsproblem dar. Die Häufigkeit liegt bei 20-40% in den Industriestaaten weltweit. Oftmals ist es nicht das Gewicht alleine, dass die Probleme verursacht, sondern die gesundheitlichen Folgen, die entstehen können.

Die Adipositas (=Fettsucht) wird definiert als „über das normale Maß hinausgehende Ansammlung von Fett im Subkutanen und in anderen Geweben“.

Die Herausforderung in der Praxis liegt aber oftmals in der fehlenden Diagnostik und der entsprechenden Behandlung. In der Praxis ist der Übergang zwischen ‚noch normal‘ und ‚bereits übergewichtig‘ fließend. Daher bedarf es einer entsprechenden ärztliche Diagnostik.

Ein paar Hinweise

Klinische Parameter zur Diagnostik:

Body Mass Index (BMI) > 99,5 Perzentilen entsprechend dem Alter

Fettmasse > 30%

Sehr hohe oder zu hohe Energiezufuhr über einen längeren Zeitraum

Familiäre Häufung

Etc.

Weiters werden auch metabolische (stoffwechselrelevante) Parameter und bereits mögliche Folgen bei der Diagnostik miteinbezogen. Sollten Sie in Hinblick auf den Gewichtsverlaufes Ihres Kindes Sorge haben, so sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt/ Ihrer Kinderärztin. Besonders bei Kindern kann sich das Körpergewicht mit dem nächsten Wachstumsschub etc. rasch verändern.

Wichtig: Lassen Sie die Finger von Diäten! Das gilt nicht nur für die Kinder, sondern auch für Sie selbst!

Essstörung und ,Weight Cycling‘

Diäten versprechen oft einen raschen Gewichtsverlust und gehen meist mit einer starken Einschränkung der Speisenauswahl (rigides Essverhalten) einher. Nicht allzu selten kommt nach der Diät der ‚Alltag‘ und somit auch der Jo-Jo Effekt, das ‚Weight Cycling‘. Außerdem besteht bei einem rigiden Essverhalten die Gefahr, dass Ihr Kind später eine Essstörung entwickelt.

„Es ist verboten sich ein Lebensmittel zu verbieten“ und „Wer hungert, macht etwas falsch“, diese zwei Zitate von Volker Pudel sollten wir beherzigen.

Im Rahmen einer gesunden Ernährung gibt es keine Verbote, die Dosis ist entscheidend! Dieser Grundsatz fällt unter die Kategorie des flexiblen Essverhaltens.

Ein flexibles Essverhalten hat im Vergleich zu einem rigiden Essverhalten den Vorteil, dass es langfristig durchführbar ist. Der Vorteil einer langfristigen Ernährungsumstellung ist, dass diese nachhaltig ist und somit den berühmten Jo-Jo Effekt vermeidet. Die Berufsgruppe der DiaetologInnen unterstützt Sie gerne bei einer Ernährungsumstellung.

Noch Fragen?

Sollten Sie Fragen zum Thema Gewicht im Kindes- und Jugendalter haben, dann wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt/Ihre Ärztin bzw. an Ihren Diaetologen/Ihre Diaetologin. Im Rahmen einer interdisziplinären (berufsgruppenübergreifenden) Therapie können Sie ihr Kind am besten unterstützen.

Das Land NÖ bietet zum Beispiel auch ein tolles interdisziplinäres Programm für übergewichtige Kinder und Jugendliche im Sinne der Gesundheitsvorsorge an.

 

 

 

 



EIN ARTIKEL VON
  • Martina Heigl

    "Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen" - frei nach diesem Zitat von Sokrates ist es mir als Diätologin ein Anliegen, gesunde Kost in den Alltag einzubauen. Das Ganze ohne Verbote aber mit viel Genuss.


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